greenpeace magazin 5.97

Spaß beiseite

Im Nu hat der Mensch die Erde geschluckt – doch im All warten neue Häppchen. Lecker, findet GPM-Redakteur Olaf Preuß.

Zu Beginn dieses Sommers schießt die Raumsonde „Pathfinder“ nach langem Flug schnell wie eine Pistolenkugel auf ihr Ziel zu. Die Landung glückt, die Menschheit jubelt, doch ein besorgter Feuilletonist fragt sich und seine Leser, ob wir den Mars nun unbedingt besiedeln müssen. Selbstverständlich müssen wir, denn die Erde ist ja nur für den kleinen Hunger zwischendurch.

 

Die Erde ist ein Hamburger – drei Happen und Schluß. Als der Mensch hierher versetzt wurde, hatte der liebe Gott das alte Brötchen bis obenhin mit Fleisch und Gemüse belegt, dazu gab’s pikante Vulkansoßen für jeden Geschmack. Bissige 500.000 Jahre Kulturgeschichte später: Sandwüsten und Asphaltdschungel, wohin man auch fliegt.

 

Ein trauriges Ende, wäre da nicht die Nasa. In weiser Voraussicht gewöhnen uns die amerikanischen Weltraumstrategen seit Jahr und Tag an den kosmischen Ernährungsplan – schnell hin, schnell satt, schnell weg. McDonalds und Burger King – nicht zufällig US-Unternehmen mit globalem Ausschank – verbreiten ihre Botschaft im Auftrag von ganz oben. In den genormten Kulissen der Schnellrestaurants lernt jedes Kind, daß zwischen Bestellung und Bäuerchen möglichst nicht mehr als 15 Minuten vergehen sollten. Im erdgeschichtlichen Maßstab bedeutet das: Um das Jahr 2000 herum wird es höchste Zeit, im Weltall das nächste Häppchen vorzubereiten. Denn Big Mars bringt verbrauchte Energie sofort zurück.

 

Tiefgefroren treibt unser Nachbar durch Raum und Zeit, frisch und knackig zum schnellen Verzehr. Dem irdischen Vorauskommando bleibt nicht mehr zu tun, als den Planeten zügig zu erwärmen – für Menschen reine Routinesache. Die Treibhausexperten der Nasa schlagen vor, den Mars konzentriert zu bestrahlen, damit er fruchtbar erblühe: Riesige Spiegel werden im Weltall wie eine Halskrause um den roten Planeten gelegt. Sie bündeln das Sonnenlicht, erwärmen die Marsoberfläche, schmelzen das Eis in seinem Inneren. Nach wenigen tausend Jahren schon schaffen Marswälder, Flüsse und Meere eine gastliche Atmosphäre, und das 687 Tage pro Jahr. Millionen Marshörner traben über endlose Weiden, an den Hängen 24 Kilometer hoher Berge grasen glückliche rotbunte Kühe. Die Menschheit hat etwas Neues zu beißen, der Rest ist Geschichte.

 

Vom Mars aus führt uns das Buffet nach einem schnellen Chicken McPluto weiter in Richtung Milchstraße. Durch das Hubble-Teleskop werfen wir einen Blick in die kosmische Großküche: Stars und Sternchen wie Sand am Meer – ein wahres Schlaraffenland, beim Schweife des Kometen.

 

Das große interplanetare Fressen fordert natürlich seinen Preis, allein die Anreise zur Vorspeise wird nicht unter 50 Milliarden Dollar zu haben sein. Schon fordern Spielverderber und Asketen, lieber hierzubleiben und die gute alte Erde noch einmal appetitlich herzurichten. Eine weltfremde Idee, wie ein Besuch im Schnellrestaurant jederzeit beweist. Wenn bei McNasa Marswochen sind, haben Eltern keine Wahl: „Mami, nicht schon wieder Erde!“



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