greenpeace magazin 5.97

Zivilcourage und Demokratie

sind untrennbar miteinander verbunden. Ohne mutige Bürger ist unsere zerbrechliche Staatsform in Gefahr. Doch selbst konstruktive Kritiker werden im Kastenwesen von Behörden und Betrieben allzuoft als illoyal kaltgestellt – was zum großen Schweigen führt. Wer kennt nicht selbst ein Beispiel?

 

Einen Fall von Zivilcourage finden Sie in dieser Ausgabe des Greenpeace-Magazins unter dem Titel „Bonns Blockade-Ministerium“ ab Seite 8. Darin beschreibt ein Mitarbeiter des Umweltbundesamtes in Berlin, wie die Erkenntnisse der dortigen Experten von der zuständigen Bundesumweltministerin Angela Merkel und anderen Kabinettsmitgliedern verwässert oder ausgebremst werden. Die wissenschaftlichen Studien werden häufig nur durch Zufall veröffentlicht, manchmal verschwinden sie auch einfach in Frau Merkels Schublade – immer dann, wenn die Inhalte zu brisant sind oder wenn sie ihrem Weltbild zuwiderlaufen. Und dies, obwohl die Forschungsergebnisse, zum Beispiel über hormonähnlich wirkende Chemikalien in unserem Trinkwasser, uns alle interessieren und zu dringendem politischen Handeln zwingen. Vor dem Autor der Geschichte sollten wir Respekt haben, auch wenn er zum Schutz vor einem Disziplinarverfahren anonym bleibt.

 

Um Zivilcourage im mutigsten Sinn dreht sich auch ein anderer Beitrag dieser Ausgabe: „Staatsterror gegen Umweltschützer“, ab Seite 20. Es ist in vielen Staaten der Erde lebensgefährlich, sich für die Natur und die Menschen einzusetzen. Der Bericht macht aber auch Hoffnung, denn er beweist, daß Wagemut – sogar in vielen Demokratien eher unterentwickelt – selbst in Diktaturen in hohem Maße vorhanden ist. Auch wir sollten manchmal mutiger sein, so couragiert zum Beispiel wie die Kenianerin Wangari Maathai, die Chinesin Dai Qing oder der malaysische Waldschützer Harrison Ngau. Wir setzen dabei im Gegensatz zu ihnen unser Leben nicht aufs Spiel – wir müssen nur den Mund aufmachen.

Ihr Jochen Schildt

 

PS: Die Reportage über Naturschutz an der Oder war kurz vor der verheerenden Flut fertiggestellt. Bei Redaktionsschluß waren die Folgen der Katastrophe für das Gebiet noch nicht abzusehen.

Von JOCHEN SCHILDT



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