greenpeace magazin 5.97

Brecher im Norden

Die Wellenhöhen im Nordatlantik haben sich in 40 Jahren verdoppelt. Folge des Klimawandels?

Ausgerechnet ein Ingenieurbüro aus der Ölbranche macht sich Sorgen um die Umwelt. „Sollten alle Betreiber von Offshore-Installationen ihre Design-Kriterien ändern?“, fragt die Konstruktionsfirma „McDermott“ aus dem schottischen Aberdeen bei ihrem nationalen Berufsverband an. „Unsere größte Sorge sind die Rechenwerte für die Materialermüdung“, schreiben sie in ihrem 1994 datierten Brief: „Für unsere Analyse brauchen wir Sicherheit, was die Wellenhöhen angeht.“ Seither bemühen sich internationale Experten, die im WASA-Projekt („Waves and Storms in the North Atlantic“) zusammengeschlossen sind, um eine Antwort. Ein Zwischenbericht soll noch dieses Jahr veröffentlicht werden. Die darin genannten Fakten sind beunruhigend, doch über die Ursachen gehen die Meinungen auseinander. Aus der WASA-Statistik geht hervor, daß die durchschnittlichen Wellenhöhen im Atlantik zwischen Schottland, Island und Norwegen jährlich um drei Prozent anwuchsen. Die Höhe der Brecher hat sich in diesem Seegebiet also binnen 40 Jahren mehr als verdoppelt. Die Daten wurden durch die langjährigen Beobachtungen der Wetterschiffe vor Ort gewonnen. Aber auch die Sturmhäufigkeit gibt Anlaß zur Sorge. Laut einer Statistik des Seewetteramtes Hamburg gab es im vergangenen Jahrzehnt 133 extreme Winterorkane. Drei Dekaden vorher waren es nur 43. WASA führt die Zuwachsraten bei Wind und Wellen – „ohne letzte Gewißheit zu haben“ – auf veränderte Beobachtungsmethoden zurück: Früher wurde geschätzt; heute wird gemessen. Andere Experten wie der Meteorologe Gerhard Berz, der die Klima-Forschungsgruppe der „Münchner Rückversicherung“ leitet, halten indes andere Gründe für wahrscheinlicher: „Was wir da erleben“, so Berz, „könnte durchaus Folge des menschengemachten Klimawandels sein.“





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