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greenpeace magazin 1.08

Widerspenstige Wetterfee

Heidi Cullen

Klimaexpertin, Atlanta

 

„Beim Weather Channel arbeiten hundert Meteorologen“, sagt Heidi Cullen, „aber nur eine Klimaexpertin. Das bin ich.“ Vor fünf Jahren stellte der Wetter-Kanal aus Atlanta die heute 37-Jährige ein. Damit war er dem Mainstream der US-Medien um Welten voraus. Und Cullen wagte sich als Pionierin auf ein heikles Pflaster der Berichterstattung. „Die Entscheidung, die Wissenschaft zu verlassen, ist mir unheimlich schwer gefallen“, gibt sie zu, „ich hatte Angst, dass ich nie wieder zurückkehren kann.“ Die Wettervorhersage ist in den USA noch immer ein Glaubenskrieg: zwischen denen, die Wetter als höhere Gewalt verstehen, und denen, die zugeben, dass der Mensch hinter der Erderwärmung steht. Der TV-Sender, ansonsten eher unpolitisch, bezieht hier klar Position: Natürlich sei der Klimawandel vom Menschen verursacht, heißt es auf der Internetseite.


Im 24-Stunden-Programm des Senders dominiert zwar die kurzfristige Wettervorhersage – morgens, mittags und abends –, am Nationalfeiertag auch mal mit „Miss America“ als Wetterfee. Daneben finden sich jedoch auch Magazinsendungen, besonders beliebt sind die „Storm Stories“: Kurzreportagen über Wetterkatastrophen. Jeden Samstag um 17 Uhr berichtet Cullen in „Forecast Earth“ 30 Minuten lang von den Schauplätzen des Klimawandels. Jeweils drei Beiträge illustrieren ein übergreifendes Thema wie Windenergie, die Dürre im Südwesten der USA oder die Atomlobby. Die Sendung ist so erfolgreich, dass sie ab Januar 2008 auf 60 Minuten verlängert wird. Im Mainstream ist Dr. Heidi Cullen damit aber noch nicht angelangt. Immer wieder erhält sie E-Mails wie diese: „Hör zu, Wetterfee, sag mir ein fach meine Fünf-Tages-Aussichten und dann halt die Klappe."

 

Heidi Cullen, 37

hat über Klimadynamiken im Nahen Osten promoviert. Vor ihrer Fernsehkarriere arbeitete sie am National Center for Atmospheric Research  in Boulder, Colorado.

 

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