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meere

7. Juni 2012

Fisch im Fleisch

Ein Großteil des wild gefangenen Fisches wird zu Tierfutter. Der SAVE Wildlife Conservation Fund fordert zum morgigen Welttag der Meere dazu auf, die Ausbeutung der Ozeane zu stoppen.

Rund 80 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände in den Weltmeeren sind überfischt oder sogar bereits erschöpft. Kein Wunder: jedes Jahr werden weltweit etwa 80 Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte gefangen. Ein großer Teil davon kommt gar nicht auf den Teller, sondern in die Futtertröge von Hühnern, Schweinen und Kälbern – Fischmehl ist als eiweißreiches Futtermittel beliebt.

„Ein Großteil des Fangs landet in der Fleischproduktion“, sagt Karin Lamsfuß von SAVE. So fördert Fleischkonsum die Ausbeutung der Meere. Rindern, die reine Pflanzenfresser sind, tierisches Futter zu verabreichen, ist zumindest bedenklich. Doch auch für den Menschen kann das System gesundheitliche Folgen haben. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ist Fischmehl die häufigste Quelle von Quecksilber in Futtermitteln. Außerdem reichern Fische in ihren Körpern Dioxine an – in der Nord- und Ostsee kommen die Chemikalien besonders häufig vor. Im Fischmehl werden die Grenzwerte nicht überschritten, heißt es bei der EFSA. Trotzdem tauchte im letzten Jahr immer wieder mit Dioxinen belastetes Fischmehl in Europa auf.

Ein weiteres Problem: Fischmehlfirmen geben häufig an, nur solche Arten zu zermahlen, die für den Menschen ohnehin ungenießbar sind. Allerdings machen zum Beispiel Fischer in der Ostsee mit Schleppnetzen sehr wohl Jagd auf Sprotten und Heringe für die Tierfutterindustrie. Greenpeace zählt sie jedoch zu den überfischten Arten.

Aquakulturen und Marikulturen, bei denen Fischkäfige ins Meer gehängt werden, sollten eine nachhaltige Alternative zum Wildfang sein, sind es aber nicht. Denn das Futter für die Fische in den umzäunten Arealen oder Becken wurde schnell zum Problem. Zunächst konnte dafür noch auf Fischabfälle aus der verarbeitenden Industrie zurückgegriffen werden. Mit wachsendem Bedarf werden jedoch mehr und mehr wild gefangene Fische an ihre gezüchteten Verwandten verfüttert. Laut SAVE sind zum Beispiel für ein Kilogramm Zuchtlachs fünf Kilogramm Wildfisch nötig. Bei Thunfisch sind es sogar 20 Kilogramm.

Damit nicht genug: laut SAVE verseuchen in den Kulturen eingesetzte Antibiotika die Gewässer. In Ecuador seien für die Garnelenzucht Mangrovenwälder abgeholzt worden. Die ökologischen Auswirkungen der Fischindustrie seien desaströs. Zum Welttag der Meere am 8. Juni ruft SAVE daher zum Verzicht sowohl auf Fisch als auch auf Fleisch auf.

ESTHER WIDMANN

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