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atomkraftwerke15. Juni 2012
Wartung birgt ungeahnte RisikenErhöhte Leukämiefallzahlen in der Nähe von Atomkraftwerken – Politiker bestritten bislang einen Zusammenhang mit der austretenden Radioaktivität, da die Strahlung zu gering sei. Neue Erkenntnisse zeigen die Lücke im System: während der Wartung sind die Emissionswerte stark erhöht.Einmal im Jahr geht ein deutsches Atomkraftwerk (AKW) für meist mehrere Wochen in die sogenannte Revision. Der Reaktor wird heruntergefahren, ein Teil der Brennelemente ausgetauscht und die Anlage überprüft. Das soll der Sicherheit des Betriebs dienen. Doch der Vorgang selbst birgt ungeahnte Gefahren. Die Betreiber nehmen in Kauf, dass das dabei eingesetzte Personal einer stark erhöhten Strahlendosis ausgesetzt wird. Und nicht nur das: Beim Austauschen der Brennstäbe gelangt auch in die Umgebung weit mehr Radioaktivität als im Normalbetrieb. Wie die Taz-Nord berichtet, hat die niedersächsische Landesregierung dies auf Anfrage der Grünen-Fraktion im Landtag für das AKW Grohnde nun bestätigt: die Belastung der Anwohner war während der Revision im Juni 2011 im Tagesdurchschnitt fünfmal höher als im Monat davor. Kleinkinder waren davon besonders stark betroffen. Solche Emissionsspitzen während der Revision hat das Bündnis Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW) bereits 2011 für Neckarwestheim 2 und Grundremmingen nachgewiesen. Die Organisation brachte die erhöhte Radioaktivität während der Revision explizit in Verbindung mit der stark erhöhten Leukämiegefahr für Kinder in der Nähe von Atomkraftwerken. Die Studie „Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken“ (KiKK) hatte gezeigt, dass Kinder unter fünf Jahren häufiger an Krebs, insbesondere Leukämie, erkranken, je näher sie an einem Atomkraftwerk leben. Für Krebs insgesamt erhöht sich das Risiko um 60 Prozent, für Leukämie sogar um 100 Prozent. Die Studie war 2007 vorgestellt worden und gilt als die gründlichste ihrer Art. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) widerspricht den Ergebnissen der Studie nicht, stellt jedoch Radioaktivität als Ursache in Frage, da die von Atomkraftwerken ausgehende Strahlungsmenge zu gering sei. Auch bei der Revision in Grohnde wurden keine Grenzwerte überschritten. Das IPPNW fordert jedoch, die bislang von offizieller Seite für unbedenklich erachtete Niedrigstrahlung neu zu bewerten. Die Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation WHO, Margaret Chan, hatte bereits im letzten Jahr gewarnt, auch niedrigste Dosen von Radioaktivität seien gefährlich. ESTHER WIDMANN Ab heute im Handel erhältlich: unser neues Heft 4.12 mit einer Reportage über die Menschen, die als „nukleare Putzkolonne“ an vorderster Front bei der Revision dabei sind und verstrahlt werden. Mit der KiKK-Studie haben wir uns in GPM 2.08 ausführlich beschäftigt. Der Gau-Ratgeber als Plakat veranschaulicht, was man laut Strahlenschutzverordnung im Notfall wissen muss. |
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