









magazin |
eon 6. August 2009
Rekommunalisierung: Weg von den GroßkonzernenIn vielen Städten und Gemeinden laufen demnächst die Konzessionsverträge zwischen Kommunen und Energiekonzernen aus. Das bedeutet: Die Aufträge für die Energieversorgung müssen neu verteilt werden. Hier machen sich nun die Kommunen stark. Es ist ihre Chance, sich aus den Fängen der Großkonzerne zu befreien und in Sachen Energieversorgung wieder selbstständig zu werden.Eines der aktuellen Zielobjekte ist die Thüga, ein Tochterunternehmen des Energiekonzerns Eon. Um eine Zwangsentflechtung durch das Kartellamt zu umgehen, will – oder muss –Eon die Thüga AG abstoßen. Mit einem geschätzten Wert von vier Milliarden Euro und Minderheitsbeteiligungen an 110 kommunalen Unternehmen, von denen 90 Energieversorger sind, ist sie ein dicker Fisch.
Sollte es den Kommunen gelingen, diesen tatsächlich an Land zu ziehen, wäre das ein wichtiger Schritt in Richtung Dezentralisierung, und die geballte Machtkonzentration der vier Energieriesen Eon, Vattenfall, RWE und EnBW bekäme erste größere Risse. Denn immer mehr Kommunen entdecken das Geschäft der Energieversorgung für sich: Es ist lukrativ und kundennah, der Bürger schätzt seinen persönlichen Einfluss in Sachen Energieversorgung und das wiederum sorgt für ein entsprechend sauberes Image von Städten und Gemeinden.
Genau das will die Freiburger Genossenschaft „Energie in Bürgerhand“ erreichen: möglichst viele Anteile und damit möglichst viel Einfluss erwerben. Selbst wenn es nicht mehr als zehn Prozent sind, jeder Anteil sichert ein Mitspracherecht. Schafft „Energie in Bürgerhand“ es sogar gemeinsam mit Bürgern und Kommunen, das fünftgrößte Energieunternehmen Deutschlands zu übernehmen, wäre ein riesiger Schritt Richtung Klimaschutz und erneuerbare Energie getan, denn ein Verzicht auf Atomstrom in allen Thüga-Stadtwerken, die regenerative Erzeugung von Strom und Gas und eine Förderung von Energieeinsparung sind die Prioritäten der Genossenschaft.
Dass man alle Gewinne in die Förderung weiterer ökologischer Projekte fließen lassen will, verschärft die Bedrohung für die Marktriesen Vattenfall und Co – ihre Kraftwerke werden mit zunehmender Nachfrage und Investition in erneuerbare Energien zwangsläufig unrentabler werden. Daher steht zu erwarten, dass die Energieriesen mit allen Mitteln ihre derzeitigen Machtpositionen verteidigen werden.
Trotzdem gibt sich Eon überraschend entspannt. „Wo wir uns wieder bewerben, gehen wir davon aus, dass wir einen guten Job gemacht und eine gute Chance haben, die Konzessionen wieder zu bekommen“, so Christian Drepper von Eon. Nun bleibt abzuwarten, welche Kommunen mit Eons „Job“ so zufrieden waren, dass sie sich wieder für den Konzern entscheiden werden. Spannend auch, ob Eon seine Tochter wirklich an eine Gruppe engagierter Bürger verkaufen oder, wie Kritiker vermuten, die kommunalen Unternehmen bevorzugen wird, an denen die Thüga AG selbst schon Anteile besitzt.
INGA LAAS
|
|

