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filmprojekt 5. Juni 2009
HOME – ein Date mit der ErdeAm Freitag startete weltweit der Dokumentarfilm HOME von Yann Arthus-Bertrand, der mit spektakulären Luftaufnahmen die Schönheit der Erde und ihre Zerstörung durch den Menschen zeigt. In 50 Ländern auf dem ganzen Globus wird er in Kinos laufen und im Fernsehen gezeigt. Dabei verzichtet Bertrand auf Urheberrechte: Der Film kann in voller Länge im Internet angesehen werden. Doch die durchaus beeindruckende Produktion hat auch Schwächen.Am 5. Juni haben die Menschen ein Date mit der Erde – das kündigte der Regisseur Yann Arthus-Bertrand schon vor Monaten auf seinem YouTube-Channel an. Denn am Freitag startet sein Dokumentarfilm HOME in über 50 Ländern im Kino, bei Freilichtvorführungen, im Fernsehen – und kostenlos im Internet. Das Datum ist mit Bedacht gewählt, denn zum heutigen Weltumwelttag möchte Bertrand den Menschen die Schönheit unseres Planeten näherbringen und aufzeigen, wie wir ihn durch unseren Hunger nach Energie, Wohlstand und grenzenlosem Luxus zerstören.
Dabei sind Einnahmen für Bertrand nachrangig. Ihm komme es darauf an, sagt er, dass sich der Film in kürzester Zeit so weit wie möglich verbreite, um den Menschen die Augen zu öffnen und ihnen klar zu machen, was ihr Handeln für Konsequenzen hat. Neu ist dabei, dass die Produktion gleichzeitig im Kino und gratis im Internet anläuft und der Regisseur auf Urheberrechte verzichtet: „Dieser Film gehört uns nicht, nehmt ihn, verwendet ihn“, so Bertrand. Wesentlich möglich gemacht hat das allerdings ausgerechnet die französische Holdinggesellschaft PPR, zu der Luxusmarken wie Gucci und Yves Saint Laurent zählen.
Während die Luftaufnahmen aus vielen Teilen der Erde einen atemberaubenden, neuen Blick auf unseren Planeten geben, hat der Film auch einige Schwächen. Der Zuschauer wird von einer Erzählerin durch die eineinhalb Stunden dauernde Produktion geleitet, deren oft aussageschwachen und emotional überfrachteten Monologe auf Dauer ermüdend wirken. Die theatralische Hintergrundmusik verstärkt dieses Gefühl noch. Der Regisseur hätte besser daran getan, an einigen Stellen die wirklich gelungenen Bilder für sich sprechen zu lassen.
In HOME heißt es richtig, unser Ökosystem kenne keine Grenzen, weswegen sich beispielsweise die CO2-Emissionen aus einer Region auf den gesamten Globus auswirken. Der Autor zieht daraus den Schluss, dass die Menschheit nur als Ganze in der Lage ist, Klimawandel, Artensterben und Umweltzerstörung in den Griff zu bekommen. Dabei kommt leider oft zu kurz, wer für das Desaster verantwortlich ist: Nämlich nicht „wir“, wie die Erzählerin alle Zuschauer etwas diffus anspricht, sondern einige wenige rücksichtlose westliche Staaten und Unternehmer.
Die französische Organisation Sortir du Nucléaire bemängelt zudem, dass das Thema Atomkraft gar nicht vorkommt. Dabei birgt nicht nur die Kontamination der Umwelt durch die Reaktoren und das ungelöste Endlagerproblem immense ökologische Risiken, sondern auch der Uranabbau, beispielsweise im Niger, zerstört und verseucht ganze Landstriche. Im letzten Teil wird neben dem Lob für Solar- und Windenergie zudem der Eindruck vermittelt, dass möglicherweise auch die CCS-Technologie einen Weg aus der Klimakrise weisen kann. Unter Umweltschützern gilt die Technik zur unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid jedoch mehr als Feigenblatt der Energiekonzerne zum vermehrten Bau von Kohlekraftwerken denn als zukunftsweisende Erfindung.
Trotz alledem: Wegen der atemberaubenden Bilder lohnt sich der Film in jedem Fall.
KURT STUKENBERG |
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