









magazin |
wasser 7. August 2009
Ein Volk von virtuellen Verschwendern124 Liter Wasser verbraucht jeder Deutsche am Tag – zum Trinken, Kochen, Waschen, Putzen und für die Körperpflege. Klingt ganz akzeptabel, beinhaltet aber leider nur den direkten Verbrauch. Die verborgene Wirklichkeit sieht anders aus: Tatsächlich kommt ganz Deutschland bei 82,2 Millionen Einwohnern auf satte 159,5 Milliarden Kubikmeter Wasser pro Jahr – macht 5288 Liter täglich pro Kopf.Eine aktuelle Studie des WWF listet neben dem direkten und sichtbaren Verbrauch auch die Milliarden Liter des unsichtbaren oder "virtuellen" Wasserverbrauchs auf. Diese verstecken sich in der Herstellung von Lebensmitteln und Industriegütern im Inland einerseits und im Aufkommen für diverse importierte Produkte andererseits. So kommen auf eine Tasse Kaffee 140 Liter Wasser; unser T-Shirt aus Baumwolle verschluckt, bevor es getragen wird, schon etwa 2200 Liter und ein Kilogramm Rindfleisch kostet den Planeten sogar 15.500 Liter Wasser.
Diese Angaben beinhalten sowohl den Verbrauch für Anbau und Bewässerung der Felder als auch die Menge an Wasser, die Nutztiere wie Rinder oder Schweine trinken. Ausländische Güter machen dabei etwa die Hälfte unseres Verbrauchs aus, denn das Wasseraufkommen für die Herstellung von Kaffee, Kakao, Baumwolle und Schweinefleisch ist enorm und ihr Anteil an Deutschlands Gesamtverbrauch der Nachfrage entsprechend hoch.
Deutschland, eine der wasserreichsten Regionen der Erde, importiert damit jedes Jahr fast 79,5 Milliarden Kubikmeter virtuelles Wasser zusätzlich – häufig aus Ländern, welche schon mit Dürren zu kämpfen haben. Darum gilt es nach Martin Geiger vom WWF vor allem darauf zu achten, "wann, wo und wie viel Wasser aus der Natur entnommen wird" und sich endlich zu einer globalen Verantwortung zu bekennen.
Ausschlaggebend für die Menge des Wasseraufkommens ist neben den regionalen Klimabedingungen und Technologien der Produktionsländer die Nachfrage auf dem europäischen Markt. Durch sie wird eine Landwirtschaft angekurbelt, die einzig und allein auf massiver Bewässerung basiert. Ein Beispiel ist die von Dürren geplagte Türkei, bei Obst und Gemüse einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands. Auch im Winter versorgt sie uns mit frischen Erdbeeren, Melonen und Aprikosen. In der Türkei selbst werden über 90 Prozent der zu bewässernden Felder einfach komplett geflutet, das für die Landwirtschaft notwendige Wasser stammt nicht selten aus illegalem Wasserraub. Sanktionen oder grundsätzliche Verbesserungen seitens der Regierung bleiben aus.
Sowohl in der Rolle des Täters als auch des Opfers, sollten wir uns der möglichen Auswirkungen des globalen Handels auf das weltweite Wassersystem zumindest bewusst sein. Laut WWF ist es weniger ausschlaggebend, Unternehmen und Staaten zu einem geringerem Gesamtverbrauch anzuhalten; viel wichtiger sei es, die negativen Folgen des hohen virtuellen Wasserverbrauchs besonders in den Ländern zu kontrollieren, wo die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt am stärksten sind.
INGA LAAS |
|

