13. November 2009
150 Aktivisten in mehreren Ländern sind in Hungerstreik getreten, um für ein starkes Klimaschutzabkommen in Kopenhagen zu protestieren. Die internationale Organisation „Climate Justice Fast“ will auf die dramatischen Folgen der Erderwärmung für die Menschen in den ärmsten Ländern aufmerksam machen – und fordert Klimagerechtigkeit für die Welt.
Am 6. November 2009, einen Monat vor Beginn des UN-Klimagipfels in Kopenhagen, sind sechs Aktivisten in Australien, Spanien und den USA in einen Hungerstreik für mehr Klimagerechtigkeit getreten. „Eine moralische Reaktion auf eine unmoralische Situation“, erklären die Organisatoren von Climate Justice Fast.
Um katastrophale Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern, muss die CO2-Konzentration in der Atmosphäre von derzeit 385 auf 350ppm (parts per million) sinken. Deshalb fordern die Fastenden ein strenges Abkommen zur Begrenzung und Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen sowie einen finanziellen Ausgleich für die ärmsten und am schwersten vom Klimawandel betroffenen Länder. Ihr Protest richtet sich auch gegen den übermäßigen Konsum in den Industrieländern.
Als Aktionsform wählten sie bewusst den Hungerstreik. „Fasten ist eine der Waffen, die uns Gott in der äußersten Hilflosigkeit gegeben hat“, erklärt Sara Svensson, 22, aus Schweden. „Das Ziel im Leben kann nicht sein, sich ohne Rücksicht auf die Konsequenzen immer nur gut zu fühlen“, sagt Svensson, die zum Klimagipfel in Kopenhagen fahren will, um ihren Protest vor Ort weiterzuführen. Die Aktivisten haben angekündigt, bis zum Ende der Konferenz auf Lebensmittel komplett zu verzichten, lediglich Wasser ist erlaubt.
„Die ganze Welt muss die Tragödie des Klimawandels begreifen“, sagt die 23-jährige Australierin Anna Keenan. „Die derzeitige Politik bringt für die ärmsten Menschen, den Planeten und zukünftige Generationen massive Ungerechtigkeiten.“ Keenan hat sich zum Hungerstreik entschieden, weil sie glaubt, dass andere Formen des Protests nicht mehr ausreichen.
Mittlerweile haben sich weltweit mehr als 150 Menschen dem Hungerstreik angeschlossen. In Australien protestiert Paul Connor, 29, mit einem Freund vor dem Parlament in der Hauptstadt Canberra. Er schließt eine Ausweitung seines Hungerstreiks bis über das Ende des Gipfels in Kopenhagen hinaus nicht aus, sofern dort kein strenges Klimaschutzabkommen zustande kommt.
Die Organisatoren erklären, der Hungerstreik solle Solidarität mit den vom Klimawandel am stärksten betroffenen Menschen zum Ausdruck bringen – aber das Fasten unterscheide sich grundsätzlich von deren Hunger, schon allein, weil es jederzeit abgebrochen werden kann. In Barcelona betreute die Kenianerin Agnes Kushanl, einer Mitarbeiterin der Hilfsorganisation Cafod, die Aktivisten. „Viele Menschen in meinem Heimatland verhungern, weil es keinen Regen mehr gibt“, sagt die Helferin. Umso mehr unterstützt sie die Fasten-Aktion: „Wir brauchen mehr solche Courage.“
Um die Gesundheit der Aktivisten nicht zu gefährden, weisen die Organisatoren des Klima-Hungerstreiks auf ihrer Internetseite auch auf die Risiken des Fastens hin.