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greenpeace magazin 1.08
Hartmut Graßl, Klimaforscher, Hamburg
Er war einer der ersten, die vor den Gefahren der Erderwärmung warnten.
Hartmut Graßl über seine Kindheit auf der Alm, die Rolle der Medien in der
Umweltdebatte – und Franz-Josef Strauß.
Herr Professor Graßl, manche Ihrer Kollegen sind sauer auf die Medien. Klimaskeptiker, die in der Fachwelt praktisch keine Rolle spielten, erhielten zu viel Aufmerksamkeit. Ich sehe das gelassen. Der Klimawandel ist nun mal ein großes Thema. Und wie bei großen Themen üblich, wird da alles Mögliche auf den Plan gerufen – von der Scharlatanerie über bezahlte Unterminierung bis hin zur Psychose.
Sie schreiben also keine bösen Briefe an Chefredakteure, so wie Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung? Nie! Ich würde mich nicht bei einer Redaktion über einen Journalisten beschweren. Obwohl ich natürlich weiß, welche Beweggründe manche haben. Bei einer Podiumsdiskussion vor Kurzem äußerte sich einer der Journalisten à la Lomborg und noch schlimmer.
… der dänische Statistikprofessor Björn Lomborg betrachtet Ausgaben für Klimaschutz als Verschwendung. Die Moderatorin forderte mich auf zu reagieren. Dies widerspreche doch meiner Haltung diametral. Ich antwortete: „Hier ist es am besten, ich sage gar nichts.“ Und damit war Ende der Debatte.
Warum? Nehmen Sie solche Standpunkte nicht ernst? Ich akzeptiere diese Haltung durchaus. Es gibt vielleicht ein Promille unter den hochrangigen Klimawissenschaftlern, die wie der US-Klimaskeptiker Dick Lindzen sagen: „Some Coolness with Global Warming!“ Der hat eben eine andere Meinung. Das ist in Ordnung. Er sagt, dass wir uns dem Klimawandel anpassen können. Und es stimmt ja auch: Den Amerikanern wird das vielleicht nicht schwer fallen – die USA sind ein riesiges, reiches Land mit allen möglichen Ressourcen. Nur dem Bauern in Burkina Faso, der sein Land verliert, weil die Industrienationen so viele Treibhausgase emittieren, den lässt Lindzen unter den Tisch fallen. Also, ich akzeptiere seine Haltung, aber ich sehe auch, sie ist egoistisch-amerikanisch. Damit will ich nicht die wissenschaftlichen Veröffentlichungen dieses Kollegen angreifen. Aber wenn er sich über den engen Spezialbereich seiner Disziplin, in dem er sich hervorragend auskennt, hinauswagt – dann kann er, genauso wie jeder andere Bürger auch, ziemlichen Unsinn verzapfen.
Dass wissenschaftliche Außenseiter solche Beachtung finden, nennen aber auch Sie in Ihrem neuen Buch ein „Versagen der Medien“. Zumindest wenn komplexe wissenschaftliche Themen neu aufkommen, müssen die Medien eigentlich fast immer versagen. Was sollen die denn machen? Verstehen tun sie es nicht. Die Wissenschaft ist noch wirr, die hat noch keinen Mainstream gefunden. Also wird der Bürger in Wechselbäder getaucht. Bis sich irgendwann herausmendelt, was nun wirklich Sache ist. Nur nehmen das manche Medien trotzdem nicht zur Kenntnis. Zum Beispiel die Frankfurter Allgemeine Zeitung, ein in Deutschland hoch angesehenes Blatt, das aber beim Klimathema systematisch die Stimme der Skeptiker aus der Wirtschaft war. Ich habe immer gesagt, auch öffentlich, diese Zeitung steht der Kohle-Lobby nahe. Oder der Spiegel, der gegen die Windenergie zu Felde zieht. Der bürstet nun mal notorisch alles gegen den Strich und hält es gern mit den Außenseitern. Vor zwei Jahrzehnten, als ich noch nicht Mainstream war, rissen sie sich um ein Interview mit mir. Heute, wo ich den ganz breiten Konsens der Klimawissenschaft vertrete, ignorieren sie mich. Aber so ist der Spiegel halt gebaut; das weiß ich, und darum ärgert’s mich nicht.
Fürchten Sie nicht die politische Wirkung solcher Medienkampagnen? Ach, die meisten Bürger haben doch einen gesunden Menschenverstand. Und damit filtern sie den gröbsten Unfug von selber weg, ohne dass ihnen das jemand erklären müsste. Und was die Politik angeht: Nennen Sie mir eine Regierung in Europa, die sich durch diese randständigen Äußerungen aus Wissenschaft oder Nicht-Wissenschaft tatsächlich hat beeinflussen lassen.
Dass der Klimawandel und seine Folgen binnen weniger Jahrzehnte vom exotischen Randphänomen zum zentralen politischen Thema wurde, gilt vor allem als Ihr Verdienst. Manche nennen Sie den „Klimapapst“. Wie sind Sie zu der Rolle gekommen? Das fing 1986/87 ganz harmlos an. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft und die Deutsche Meteorologische Gesellschaft hatten einen Kollegen und mich aufgefordert, eine Denkschrift zum Klimawandel zu verfassen, nachdem ein vorheriger Versuch sich als ziemlicher Rohrkrepierer erwiesen hatte. Aber als wir das Papier mit dem Titel „Warnung vor weltweiten Klimaänderungen durch den Menschen“ vorlegten, versuchte das Bundesforschungsministerium, das damals Heinz Riesenhuber von der CDU leitete, uns einen Maulkorb zu verpassen. Wir waren mit den Präsidenten der beiden wissenschaftlichen Gesellschaften ins Ministerium geladen worden, wo uns der zuständige Abteilungsleiter mit entwaffnender Offenheit sagte: Eine Veröffentlichung unserer Denkschrift sei „politisch nicht opportun“. Worauf ich zu den beiden Präsidenten sagte: Nun ist der Ball bei euch – veröffentlicht ihr? Oder zieht ihr, wie es auf bayerisch heißt, den Schwanz ein? Was geschah? Sie zogen erst mal den Schwanz ein!
Und Sie haben dagegen aufbegehrt! Von wegen. Ich war alles andere als ein Rebell. Bis 1987 war ich ein reiner Forscher, so apolitisch wie fast alle anderen Bürger. Außerdem kannte ich solche Situationen von der Begutachtung bei wissenschaftlichen Zeitschriften. Ich habe eine bestimmt dreistellige Zahl von begutachteten Beiträgen für Zeitschriften in meiner Liste. Aber in 20 Fällen habe ich einen eingereichten Artikel auch nicht veröffentlichen können, weil die Gutachter dies oder jenes Fachliche oder Sprachliche zu kritisieren hatten. Für Wissenschaftler ist das ein ganz normaler Vorgang. Und hier sah ich es genauso. Die Präsidenten der beiden wissenschaftlichen Vereinigungen wollen die Denkschrift nicht veröffentlichen. Na gut, von mir aus. Ich hatte mir nichts Besonderes dabei gedacht.
Dennoch gilt Ihre Denkschrift als Startschuss der Klimadebatte in Deutschland. Es war eigentlich nur ein harmloses, kleines Papier, gerade mal neun locker beschriebene Seiten stark. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft hatte sich später, im März 1987, doch noch entschlossen, es bei ihrer Frühjahrstagung und danach in ihrer Hauspostille, den Physikalischen Blättern, zu veröffentlichen. Damals gab es einen Politiker, der die Brisanz des Themas relativ rasch durchschaute und aktiv wurde – das war Franz-Josef Strauß.
Ausgerechnet der erzkonservative CSU-Ministerpräsident ein Klimaschützer der ersten Stunde – schwer zu glauben! Das ist eben die Fehleinschätzung eines Politikers. Franz-Josef Strauß war ein visionärer Typ, viel stärker als andere Politiker. Und er merkte, da ist ein großes Thema im Kommen …
… eines, das der Atomkraft nutzen könnte. Jedenfalls entstand dann aus einer Bundesratsinitiative des Freistaates Bayern heraus der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung, WBGU, der dann einiges angestoßen hat.
Sie waren als WBGU-Vorsitzender der Chefberater der Regierung. Mit welchen Argumenten machten Sie Politikern klar, dass Klimaschutz notwenig ist? Ich wählte stets ganz bewusst eine einfache Sprache und konzentrierte mich auf wichtige Kernpunkte. Zum Beispiel, was die drei wichtigsten Voraussetzungen für unser Überleben auf diesem Planeten sind: Erstens die Energie von der Sonne, zweitens das Wasser vom Himmel, drittens die Fähigkeit der Pflanzen, aus Unbelebtem Lebendiges zu machen. Dann wies ich auf die drei wichtigsten Klimaparameter hin. In der Fachsprache würde man sagen: die Energieflussdichte der Sonne, die Wolken und das Wasser aus ihnen, und die Vegetation, weil sie die Zusammensetzung der Erdatmosphäre dominiert. Mit anderen Worten: Was wir zu unserem Überleben brauchen, ist praktisch identisch mit dem, was die Stabilität unseres Klimas beeinflusst. Wenn sich also das Klima ändert, führt dies zwangsläufig zu einer Bedrohung unserer Lebensgrundlagen. Je einfacher man sich erklärt, desto stärker wirkt es.
Wann haben Sie persönlich erkannt, dass die Menschheit das Klima verändert? Das war im November 1960, in meinem ersten Semester an der Universität in München. Mein damaliger Lehrer, Fritz Möller, war gerade von einem Sabbatical in den USA zurückgekommen. An der Universität Princeton, am „General Fluid Dynamics Laboratory“, gab es damals das erste dreidimensionale allgemeine Zirkulationsmodell der Atmosphäre. Möller spielte mit den amerikanischen Kollegen im Modell durch, was passiert, wenn der Kohlendioxidgehalt der Luft sich verdoppelt. Diese Erkenntnisse vermittelte er mir im Wintersemester 1960/61. Ich wurde so zu einem der wenigen Wissenschaftler in Deutschland, die schon früh eine klare Vorstellung hatten, wie sich die Veränderung der Konzentration eines Spurengases auf die Strahlungsbilanz der Erde auswirken kann. Nur war ich damals, wie gesagt, noch ziemlich apolitisch. Dass wir die Ergebnisse unserer Forschungen in die Öffentlichkeit tragen sollten, wurde mir erst klar, als ich 25 Jahre später die besagte Denkschrift schrieb.
Auch 1987 nahm in Deutschland noch kaum ein Wissenschaftler das Thema ernst, während die Debatte in den USA viel weiter war. Wie kam es dazu, dass die Amerikaner so weit zurückfielen? Das liegt an der Beratungsinfrastruktur. Deutschland hatte sich, ähnlich wie Großbritannien, politisch ziemlich unabhängige Gremien geschaffen. Dass ich sowohl unter dem CDU-Kanzler Kohl als auch unter seinem SPD-Nachfolger Schröder WBGU-Vorsitzender war, zeigt die Unabhängigkeit des Beirats. Die Enquetekommission des Bundestags, das andere wichtige Beratergremium, war ebenfalls neutral. Wir tagten damals, 1988 bis 1990, alle zwei Wochen. Und nach jeder Sitzung gab’s eine Pressekonferenz. Dadurch ist das Klimathema so richtig im Stakkato auf die Bürger heruntergeprasselt. Und so kam es, dass eben auch im Berchtesgadener Anzeiger alle paar Wochen etwas über Ozonloch, Treibhauseffekt, Tropenwaldzerstörung stand. Damals ist in der Bevölkerung ein Problembewusstsein geschaffen worden, auf dem die Politik aufbauen kann. In den USA dagegen gab es zwar auch Anhörungen zum Thema. Doch wurden von der Administration nur die Wissenschaftler eingeladen, die ihnen genehm waren. Eine abstruse Situation: Gerade die US-Universitäten leisteten Enormes bei der wissenschaftlichen Erforschung des Klimawandels. Aber durch die selektive Wahrnehmung in der Politik wurde auch die Bevölkerung nur einseitig informiert.
Sie gingen 1994 als Direktor des Weltklimaforschungsprogramms nach Genf und beeinflussten die Debatte auch international. Schon mein Vorgänger hatte dort eine funktionierende Infrastruktur mit globalen Projekten aufgebaut. Ich übernahm gewiss keinen Sauladen. Aber der Aspekt Klimaänderung durch den Menschen wurde eigentlich nicht erforscht. Das musste ich ändern. Es war eine schöne, spannende Aufgabe – ich nahm auch an den Verhandlungen zum Kyoto-Protokoll teil –, die ich durchaus noch länger hätte übernehmen können. Doch im Jahr 2000 merkte ich, dass mein Heimatinstitut, das Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, aus Geldnot und Unverstand zerschlagen zu werden drohte. Deshalb bin ich zurückgegangen.
Der menschliche Einfluss auf das Klima ist bewiesen. Was muss Klimaforschung eigentlich noch erforschen? Noch sind einige fundamentale Fragen nicht beantwortet. Zum Beispiel: Bei welcher Temperaturerhöhung wird ein unumkehrbares Abschmelzen des Grönlandeises ausgelöst? Ein solches Ereignis wäre das Aus für fast alle Megastädte auf dieser Welt, die ja an den Küsten liegen. New York, Kalkutta, Jakarta. Übrigens auch Hamburg, wo ich wohne. Wobei so etwas vielleicht im Jahr 2400 oder 2500 einträte. Aber es kann eben sein, dass wir schon 2040 die Schwelle überschreiten, jenseits der die Dinge unabwendbar würden. Ein weiterer Punkt sind die Extremwerte. Bislang trifft die Klimaforschung ja im Wesentlichen Aussagen über den mittleren Temperaturanstieg. Doch welche Extreme sind möglich, wogegen müssen wir uns wappnen? Und was bedeutet das in den einzelnen Regionen? Trifft die Umverteilung der Niederschlagsmengen möglicherweise Brandenburg stärker als, sagen wir mal, den Schwarzwald? Also, die Klimatologen werden auch weiterhin viel Arbeit haben.
Glauben Sie, dass die Menschheit einen gefährlichen Klimawandel noch abwenden kann? Ich habe den Eindruck, dass die Menschen, wenn sie die Gefahr wirklich erkannt haben, auch handeln. Der Punkt ist momentan erreicht. Schon jetzt erreichen fast jeden Tag Umweltflüchtlinge unsere Grenzen – in Lampedusa, auf den Kanarischen Inseln, wo sie in kleinen Booten nach abenteuerlicher Flucht anlanden. Zu Hause haben diese afrikanischen Habenichtse ihre Lebensgrundlage verloren. Was eine Folge ist von lokalem Fehlverhalten durch die Übernutzung der natürlichen Ressourcen, aber eben auch mitprogrammiert wird durch Klimawandel. Und weil die Veränderungen zunehmen, wird auch die Zahl der Flüchtlinge weiterhin wachsen. Diese Schere, die sich immer weiter verschärfende Ungerechtigkeit, die der Klimawandel in die Welt bringt, ist für mich der Hauptgrund, warum ich mich weiterhin einmische. Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Landwirt in Burkina Faso und bauen Hirse an. Ihre Ernten reichen nicht mehr zum Leben, weil Regenfälle ausbleiben und Ihre Hirse mit dem erhöhten Kohlendioxidgehalt der Luft schlecht fertig wird. Und obendrein versuchen Ihre Nomadenkollegen aus dem Norden, Sie von Ihrem Land zu verdrängen, weil es bei denen noch trockener ist. Und all das ist nicht etwa Ihre Schuld, sondern die der Amerikaner und Europäer, die so viel emittieren. Eine solche Ungerechtigkeit ist doch nicht hinnehmbar.
Wo liegen die Wurzeln Ihres Engagements? Das liegt in meiner Jugend begründet. Ich wuchs zum Teil auf einem Bauernhof im Berchtesgadener Land auf. Als Hütebub auf der Alm habe ich beobachtet, wie der Bergmolch lebt und wie die Gämsen ihr Verhalten ändern in Abhängigkeit von der Witterung. Ich habe gelernt, warum an einigen Stellen bestimmte Pflanzen blühen und an anderen nicht. Ich musste in den Ferien hart arbeiten, oft zwölf Stunden und länger, aber in gewisser Hinsicht hatte ich eine privilegierte Kindheit, so nah an der Natur. Meine wissenschaftliche Neugier wurde übrigens durch die Jahrbücher des Alpenvereins geweckt, die eine Tante sammelte. Die enthielten hochkarätige Abhandlungen – von Ethnologie über Glaziologie bis Meteorologie. Die habe ich bei Regenwetter, wenn ich nicht arbeiten musste, verschlungen. Als ich an die Universität kam, hatte ich so ein Wissen über ökologische Zusammenhänge und naturwissenschaftliche Grundbegriffe angehäuft wie kaum ein anderer Abiturient.
Wie sieht Ihre persönliche Klimabilanz aus? In der Familie liegen wir sicher am untersten Rand des Spektrums. Meine Frau und ich sind sehr energiebewusst. Unsere Altbauwohnung haben wir fast auf Passivhaus-Standard gebracht. Bei Dienstreisen fahre ich nicht mit dem Auto, sondern nutze, wann immer möglich, die Bahn. Aber ich muss zugeben, dass ich viel fliege. Das bringt der Job so mit sich. Von daher wird meine CO2-Bilanz unterm Strich weit über dem Durchschnitt liegen. Deshalb bin ich ja einer der Schirmherren von „Atmos-fair“ und überweise dieser Initiative zum Ausgleich Geld für Klimaschutzprojekte. Ich würde allerdings niemals Autofahrer oder Leute, die ohne dringenden Grund fliegen, beschimpfen. Dieses System wird angeboten, und der Bürger darf es annehmen, wenn er mag. Damit sich etwas ändert, muss umweltverträgliches Verhalten belohnt werden. Sprich: Die Nutzung der Atmosphäre als Müllhalde muss etwas kosten. Deswegen finde ich es gut, dass die Europäer den Emissionshandel eingeführt haben, auch wenn er noch viele Kinderkrankheiten hat. Irgendwann wird CO2 soviel kosten, dass der Bürger es in seinem Kopf einpreist. Das wird dann der Tod der Billigflieger sein.
Manche sagen, die Konferenzen zur Rettung des Weltklimas verursachten einen höheren CO2-Ausstoß als nachher durch Beschlüsse eingespart wird. Ja, das sind die bekannten Stammtischargumente. Außer Spesen nichts gewesen, meint der Bürger. Ich entgegne, dass solche Massenauftriebe wie demnächst auf Bali für die Klimadebatte notwendig sind. Wie stünde die Welt denn beim Klima da ohne die völkerrechtlich verbindliche Vertragsstaatenkonferenz? Miserabel. Das Klimaproblem können wir nun mal nur im globalen Maßstab angehen. Und dafür müssen sich die Entscheidungsträger treffen und die erforderlichen Maßnahmen verabreden. Das geht einfach nicht anders. Außerdem finde ich es ungerecht, dass dieses Argument nur im Zusammenhang mit Klimakonferenzen auftaucht. Wenn in der Champions League Endspiel ist, jetten Zehntausende hin, zum Beispiel nach Barcelona. Warum regt sich darüber keiner auf?
Buchtipp: Hartmut Graßl, Klimawandel – Was stimmt? Herder Verlag 2007, 128 Seiten, 7,90 Euro
Interview: Marcel Keiffenheim
Foto: Matthias Ziegler
HARTMUT GRASSL, 67, warnte als einer der ersten Wissenschaftler vor den Gefahren des Klimawandels und gewann als Politikberater national wie international erheblichen Einfluss. Graßl stammt aus Oberbayern, studierte Meteorologie und Physik in München und wurde Professor in Hamburg. Von 1989 bis 1994 und von 1999 bis 2005 war er Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg; dazwischen leitete er das Weltklimaforschungsprogramm der UN in Genf. Auch nach seiner Emeritierung ist Graßl noch als Wissenschaftler und Berater aktiv.
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