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greenpeace magazin 1.08
Die flotte FlunderUli Sommer Entwickler, München
Eine kleine bayerische Firma entwickelte den Loremo - zusammen mit dem SmILE von Greenpeace beweist er, wie sparsam Autos sein können.
Die Halle 4 der Frankfurter Automesse IAA ist traditionell ein Ort für die kleineren Hersteller. Daihatsu, Lada und Kia präsentierten sich hier in diesem Jahr, aber auch der ADAC. Doch am dichtesten umdrängt war ein kleiner Stand in Pastellfarben: „simple. clever. fun“ stand auf der Rückwand. Die Leute guckten neugierig, und dann fragten sie immer wieder: „Was ist das denn?“ Hinter einer niedrigen Absperrung stand ein Auto, hellgrau lackiert, mit vollverglastem Dach, flach wie eine Flunder. Jungs reckten die Hälse, Kameras klickten, Fotohandys wurden gezückt. Der Wagen hat keine Türen, zum Einsteigen wird die Motorhaube samt Windschutzscheibe hochgeklappt. Der Motor sitzt hinter Fahrer- und Beifahrersitz, zwei kleinere Sitze gibt es im Kofferraum – mit Blick aus der Heckscheibe. Das ist der Loremo, der Name steht für „Low Resistance Mobile“, ein Fahrzeug mit geringem Fahrwiderstand. Der Wagen ist flach und extrem leicht. Er wiegt unter 600 Kilogramm, deshalb reicht ein Zwei-Zylinder- Turbodiesel mit 20 PS für Tempo 160. Denn das ist das vielleicht Wichtigste: Der Loremo soll schnell fahren können, Spaß machen, cool aussehen. „Wie ein Sportwagen“, sagt Uli Sommer, der Chefentwickler. Trotzdem soll der Verbrauch unter zwei Liter auf hundert Kilometer liegen, das ergäbe einen unglaublich niedrigen Kohlendioxidausstoß von 50 Gramm pro Kilometer.
„Mein Traum“, sagt Sommer, „ist eine Tankstelle in München, wo es ökologisch angebauten Biodiesel aus Oberbayern gibt. Der Liter darf ruhig drei Euro kosten – wenn es obendrauf auch noch guten Kaffee gibt.“ Uli Sommer ist ein Autonarr – und vermutlich ist das die beste Voraussetzung, um ein klimaschonendes Fahrzeug hinzubekommen, das auf dem Markt wirklich Chancen hat. „Seit ich vier Jahre war, fasziniert mich individuelle Mobilität“, sagt Sommer. Sein Vater habe ihn immer im Auto mitgenommen – doch das wurde verkauft, als das Waldsterben die Schlagzeilen beherrschte. Sommer beschäftigte sich mit Fahrrädern, später konstruierte er als Ingenieur unter anderem Kräne, arbeitete in einer Firma, die für große Autokonzerne Einzelteile entwickelte.
Jahrelang grübelte er, wie ein sparsames Auto aussehen müsste, und irgendwann kam ihm die Idee einer revolutionären Karosseriestruktur: Drei Längsträger von ganz vorn bis ganz hinten, dazu eine Quer strebe in der Mitte des Wagens. Diese „Linearzellenstruktur“ macht das Auto viel leichter als übliche Karosserien, der Stahlrahmen wiegt nur gut 100 Kilo. Einziges Problem: Seitentüren sind unmöglich, denn die würden ja die Längsträger unterbrechen – deshalb die große Fronttür. „Für den Einstieg muss man sich weniger verrenken als bei anderen Sportwagen“, sagt Sommer. Auch bei Crashtests schneide seine Konstruktion sehr gut ab. „Irgendwann hab ich gemerkt, das wird sogar billiger.“
Eine etablierte Marke wolle bei neuen Autos auf Nummer sicher gehen, denn ein Flop würde das Image ramponieren, die Umsätze könnten wegbrechen. Deshalb gab es bei Mercedes riesige Widerstände gegen die Entwicklung des Smart. Volkswagen bewies vor fünf Jahren mit einem Prototyp, dass ein Ein-Liter-Auto möglich ist. Der damalige VWChef Ferdinand Piëch rollte mit dem Zweisitzer von Wolfsburg nach Hamburg – dann wurde das Projekt beerdigt. Angesichts der Klimadebatte hat Nachfolger Martin Winterkorn die Pläne wieder hervorgeholt, bis 2010 soll das Fahrzeug fertig sein. Begeistert ist er nicht, „dieses Auto wird kein Verkaufsschlager“.
Mehr Chancen gibt Winterkorn dem Cityflitzer „up!“, den VW auf der IAA vorstellte – doch der wird nicht zwei, sondern eher vier Liter verbrauchen. Dabei bewies Greenpeace schon vor zehn Jahren mit dem SmILE, wie einfach ein Sparauto ohne Komfortverzicht machbar ist. Vom Schweizer Rennmotorenhersteller Wenko ließ man sich einen kleinen Motor mit Hochaufladung entwickeln, baute ihn in einen gewichtsreduzierten Renault Twingo ein – und erreichte immerhin eine Halbierung des Verbrauchs.
Text: Toralf Staud
Uli Sommer, 43, erklärt auf seiner Website www.energiechance.de seine Lebenphilosophie - und wie durch Spaß an der Effizienz "das Ende der fossilen Energien den Schrecken verlieren."
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