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greenpeace magazin 1.08

Klimaversicherung für Afrika

Christopher Bals

Umweltlobbyist, Bonn

 

Mit günstigen Policen sollen sich die ärmsten Menschen der Welt zukünftig gegen Unwetterkatastrophen absichern können.  

 

Hochwasser in Deutschland? Kein Problem – sind die Keller leer gepumpt, übernimmt eine Versicherung die Kosten. Anders sieht es in Afrika aus, wo der Klimawandel mit aller Wucht zuschlägt. „Wir beobachten eine deutliche Zunahme der Wetterextreme und Naturkatastrophen – und viele Betroffene stehen danach vor dem Nichts“, sagt Christoph Bals von Germanwatch. Damit diese Menschen eine Chance zum Neuanfang bekommen, hat Bals vor zwei Jahren zusammen mit der Münchener Rückversicherung, der Weltbank und der Weltwetterorganisation ein Expertennetzwerk gegründet. Das Ziel ihrer „Münchener Initiative“: eine Versicherung für die Menschen, die von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen sind, sich aber keine Police leisten können.


Vor allem die Industrienationen will Bals in die Pflicht nehmen, sind sie doch die Hauptverursacher der weltweiten Kohlendioxidemissionen. Eines seiner Konzepte sieht vor, dass sich die Menschen zwar selbst gegen Hochwasser, Stürme und Dürren versichern müssen, dies aber zu wesentlich günstigeren Konditionen, weil sich die Industriestaaten an den Kosten beteiligen. Ganz aus der Verantwortung und Zahlungspflicht will Bals die Menschen in Afrika nicht entlassen. Schließlich sei nicht jede Dürre eine Folge des Klimawandels, und man wolle keinen Anreiz zum Betrug geben.


Noch wirkt Bals’ Idee recht unkonkret – weder Zeitplan noch Geldsummen stehen fest. Dennoch stößt der Vorschlag auf immer mehr Zustimmung. In Berlin präsentierte er das Konzept kürzlich den Energie- und Umweltministern der G-8-Staaten. Vor allem Bundesumweltminister Gabriel wurde neugierig. In Afrika bauen Hilfsorganisationen bereits die ersten Wetterstationen auf und suchen Kontakt zu den Farmern. Zynischerweise hilft ihnen dabei die Flutkatastrophe Ende September in West- und Ostafrika: „Wenn der Schaden hoch ist, steigt der Handlungsdruck“, sagt Bals, „wir hoffen, dass sich die internationale Gemeinschaft bis 2009 auf die Klimaversicherung einigt.“


www.climate-insurance.org (engl.)


Christoph Bals, 47,
ist Mitbegründer und Geschäftsführer der Um­welt- und Entwicklungshilfeorganisation Germanwatch. Er hat Theologie und Volkswirtschaft studiert.

 

Text: Marlies Uken

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