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lügendetektor

25. Februar 2011, 22:56

Nespresso: Teurer Kaffee, viel Müll

Der Werbespot ist inzwischen ein Klassiker, wahrscheinlich kennen auch Sie ihn: George Clooney kauft eine Kaffeemaschine, und als er aus dem Laden tritt, stürzt ein Klavier auf ihn; im Himmel steht er Gott gegenüber, der ihm einen Tausch anbietet – wenn Clooney die Kaffeemaschine herausrückt, bekommt er sein Leben wieder.

 

Das Filmchen wirbt für die Nestlé-Tochter Nespresso. Und ironischerweise ist das Hauptprodukt der Schweizer Firma in dem Spot gar nicht zu sehen. Den allergrößten Teil ihres Drei-Milliarden-Franken-Umsatzes macht Nespresso nämlich gar nicht mit den (relativ billigen) Kaffeemaschinen, sondern mit den (umso teureren) Kaffee-Päckchen: Fünf bis sechs Gramm Pulver, einzeln eingesargt in eine Aluminiumkapsel, kosten 33 bis 37 Cent – macht sagenhafte 35 Euro pro Pfund.

 

Nespresso, schrieb vergangenes Jahr der Spiegel, inszeniere zur Durchsetzung solcher Preise eine „geradezu religiöse Anbetung“ des profanen Getränks: Das Design der Aufbrüh-Geräte preist die Firma als „perfekte Harmonie“, in den Nachfüll-Kapseln stecken vorgeblich „die besten Kaffees der Welt“. Aluminium sei das „ideale Material für die Bewahrung der Aromen“, und die Alu-Kapseln lässt man dann sogar von Star-Fotografen ablichten. In Wahrheit ist Nespresso eine Art des Kaffeekonsums, die besonders viel Verpackungsmüll produziert. Rund ein Gramm des hochwertigen Metalls Aluminium werden pro Kaffeeportion benötigt – wer seinen Espresso in den üblichen vakuumverschweißten 250-Gramm-Tüten kauft, verursacht nur rund ein Zehntel der Abfallmenge.

 

Um die miese Ökobilanz zu verschleiern, lassen sich Nespresso und deren Werbeagentur McCann einiges einfallen. Unter dem Phantasienamen „Ecolaboration“ wurde beispielsweise ein „Nachhaltigkeitsprogramm“ gestartet, auf der Firmenwebsite gibt es einen großen Bereich zum Recycling, und in ganzseitigen Magazin-Annoncen wird ein Herr namens Christophe vorgestellt, der George Clooney „die Schau stiehlt“, wenn es „um die Entwicklung recycelbarer Kapseln“ gehe. Im Kleingedruckten dieser Annonce und auch sonst in der Nespresso-PR heißt es, Aluminium sei

Das ist ja durchaus richtig. Nur bedeutet „recycelbar“ eben nicht, dass das Aluminium auch tatsächlich recycelt wird. Nur einen Teil der verbrauchten Nespresso-Kapseln nämlich tragen die Kunden, wie von der Firma erbeten, in die Verkaufsstellen zurück oder werfen sie in die Gelbe Tonne. Nespresso selbst spricht davon, die Quote bis 2013 „auf 75 Prozent zu verdreifachen“ – woraus sich schließen lässt, dass bislang bloße 25 Prozent wiederverwertet werden. Dieser Wert wirkt noch lausiger, wenn man den deutschen Durchschnitt kennt: Nach Angaben der Industrie werden hierzulande derzeit mehr als 80 Prozent der Alu-Verpackungen wiederverwertet – selbst mit ihrem Zielwert läge die Kaffeefirma also noch darunter.

 

Trotz allen Werbegetöses ist auch Nespresso selbst beim Recycling nicht vorbildlich: Für die Verschlussfolie der Kaffeekapseln wird Primär-Aluminium verwendet, dessen Produktion extrem energieaufwändig ist. Was die Firma sowieso verschweigt: Zwar braucht die Aufbereitung gebrauchtem Aluminiums weniger Energie als die Neuherstellung – aber auch das Recycling schluckt wertvolle Energie und verursacht Treibhausgase. Verpackungsvermeidung ist deshalb besser als jede Verwertung.

 

Rund sechs Milliarden Kaffeekapseln soll Nespresso im vergangenen Jahr weltweit verkauft haben – das bedeutete etwa 6000 Tonnen Aluminiumabfälle. Zur Verdeutlichung: Dies entspricht ungefähr einem massivem Würfel von etwa 13 Metern Kantenlänge. Vielleicht sollte in den Werbespots George Clooney nicht von einem Klavier erschlagen werden, sondern von einem solchen Block Altmetall.




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