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lügendetektor13. Februar 2012, 12:58
Fritz Vahrenholt: Der eiskalte LeugnerIn seinem gerade erschienenen Buch „Die kalte Sonne“ erklärt der scheidende RWE-Manager und ehemalige Hamburger Umweltsenator Fritz Vahrenholt (SPD), „warum die Klimakatastrophe nicht stattfindet“. Vahrenholts Thesen lauten, kurz gefasst: Die Erderwärmung habe vor mehr als zehn Jahren ausgesetzt. Der Einfluss von Kohlendioxid werde von der Mainstream-Klimaforschung überschätzt und natürliche Faktoren wie Sonnenaktivität, kosmische Strahlung und ozeanische Schwankungen unterschätzt. In den nächsten Jahrzehnten werde sich die Erde deshalb viel geringer erwärmen als vorhergesagt und bis 2020 erst mal sogar wieder abkühlen. Dennoch weigere sich der Weltklimarat IPCC, diese unterdrückten Wahrheiten anzuerkennen, weil er von Greenpeace- und WWF-Leuten unterwandert sei. Was ist dran? Ausgangspunkt der Vahrenholt-Argumentation ist die Beobachtung, dass sich die Atmosphäre in den letzten Jahren nicht mehr oder jedenfalls nicht mehr so stark erwärmt hat wie in den Jahrzehnten zuvor: „(...) um das Jahr 2000 war der Spuk dann vorbei und der Temperaturanstieg beendet“, heißt es in dem Buch. Klimawissenschaftler haben jedoch stets betont, dass solche Phasen geringerer oder fehlender Erwärmung mit ihren Rechenmodellen zusammenpassen – schließlich verhält sich das Klima auch ohne menschliches Zutun nicht linear, sondern es gibt Schwankungen, die den langfristigen Trend überlagern können. Der US-Wissenschaftler Gavin Schmidt hat gerade mit den Daten für 2011 seinen jährlichen Vergleich der wichtigsten Temperatur-Messreihen mit den IPCC-Prognosen aktualisiert: Die Entwicklung widerspricht ihnen nicht und liegt im Bereich der 95-Prozent-Wahrscheinlichkeit. Sicher ist, dass das vergangene Jahrzehnt das mit Abstand wärmste seit Beginn der Messungen war und 2005 und 2010 die beiden heißesten je gemessenen Jahre. Vahrenholt unterstellt dem IPCC, er unterschlage bewusst neuere Erkenntnisse über natürliche Klimafaktoren – was nachweislich Unsinn ist. Der Einfluss der Sonne, Meeresströmungen und andere natürliche Faktoren sind wichtige, viel diskutierte Forschungsgebiete, die im IPCC-Bericht ausführlich behandelt werden. Nur: Es ist längst erwiesen, dass die Sonne zwar in der Vergangenheit einer der wichtigsten Antreiber von Klimaänderungen war, jedoch ihre Aktivität und die Temperatur auf der Erde in den letzten Jahrzehnten unterschiedliche Wege eingeschlagen haben. Klimaforscher sind sich deshalb sicher: Hauptursache der Erwärmung in den vergangenen Jahrzehnten ist das Kohlendioxid. Die zahlreichen von Vahrenholt und seinem Co-Autor Sebastian Lüning gesammelten Arbeiten und Thesen sind entweder umstritten, bereits widerlegt oder unbestätigte Thesen Einzelner. Dessen ungeachtet stellen die beiden auf dieser Basis eine gewagte Rechnung auf: Sie sagen eine Abkühlung bereits für die nächsten Jahre voraus. Die meisten seriösen Wissenschaftler erwarten dagegen, dass die Erwärmung in den nächsten Jahren umso schneller voranschreitet. Das ist die gute Nachricht: Wer recht hat, wird sich schon bald herausstellen. Vahrenholt bestreitet übrigens die Klimawirkung von Kohlendioxid gar nicht. „Ich kann jetzt nicht genau sagen, ob der Anteil des CO2 an der Klimaerwärmung 40, 50 oder gar 60 Prozent ausmacht“, erklärt er in einem Interview mit der „Welt“. Da schon heute alljährlich Millionen Menschen durch die zunehmenden Wetterextreme sterben oder ihre Heimat verlieren, erscheint seine Absage der „Klimakatastrophe“ schlicht menschenverachtend. PS: Ach ja, in dem Welt-Interview erklärt Vahrenholt, der noch vor kurzem ein „Verfechter der CO2-Theorie“ war, seinen plötzlichen Sinneswandel mit einem „Schlüsselerlebnis“: Er habe mitbekommen, dass bei einem IPCC-Report zu erneuerbaren Energien ein Greenpeace-Vertreter „die Endfassung redigieren“ durfte. Auch das ist Quatsch. Der Ökonom Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, der wegen der Mitarbeit des Greenpeace-Experten in seiner IPCC-Arbeitsgruppe in die Kritik geraten war, erklärt im Tagesspiegel, wie es wirklich war. |
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Das Buch kommt seriös daher, ist überzeugend und provokant geschrieben, und wie erwartet stürzen sich die Medien auf das Thema: Die Bild-Zeitung widmete Vahrenholts Thesen unter dem Titel 