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lügendetektor

11. Juli 2008, 13:47

Sony: Stromsparen ist relativ

Der Elektronikkonzern Sony berichtete im Februar auf seiner Internetseite von einem mit dem WWF ausgerichteten „Climate-Savers-Gipfel“ in Japan. Gemeinsam mit anderen führenden Unternehmen sei dort die „Tokyo Declaration“ unterzeichnet worden, eine Initiative, die unter anderem „die Förderung eines kohlenstoffarmen Lebensstils bei Konsumenten und unseren Kunden“ zum Ziel habe. Das klingt gut.

Kurz darauf brachte Sony eine Innovation auf den Markt, die den verschwenderischen Lebensstil auf ein neues Niveau hebt: Alle Fernsehgeräte der Serien Bravia W4000, E4000 und W4500 sind jetzt mit einem „Picture Frame Mode“ ausgestattet, der auf dem Monitor ein Standbild erscheinen lässt – „eines der sechs vorinstallierten Bilder von Pop Art bis Van Gogh oder das persönliche Lieblingsbild“, wie es in der Presseerklärung zur Markteinführung hieß. Die Idee ist tatsächlich, dass der Fernseher auch dann läuft, wenn man gar nicht fernsieht. Schließlich wirke ein dunkler Bildschirm ja „nicht sonderlich attraktiv.“

Im Rahmen der „Climate-Savers-Initiative“ versprach Sony eine „transparente und konsequente Kommunikation über seine Umweltschutz-Erfolge“ – und getreu diesem Motto verkauft der Konzern seinen Bilderrahmen-Modus nun als ökologischen Fortschritt: „Die Bravia der W4000-Serie verbrauchen im Picture Frame Mode bis zu zehn Prozent weniger Strom als im Fernsehbetrieb“, heißt es in der Presseerklärung, „und helfen somit, Energie zu sparen.“

 

Laut den Datenblättern verbrauchen allerdings zum Beispiel die W4000-Geräte im Normalbetrieb je nach Größe zwischen 120 und 225 Watt. Im Bilderrahmen-Modus liegt der Verbrauch demnach immer noch bei rund 100 beziehungsweise 200 Watt – das ist 1000-mal mehr als im Stand-By-Modus. Genauso gut könnte man mehrere herkömmliche Glühbirnen vor sich hin brennen lassen. Wie war das mit „Energie sparen“?

Die Idee des „digitalen Bilderrahmens“ ist übrigens nicht neu – kleine Modelle, die man sich zum Beispiel auf den Nachttisch stellen kann, sind schon länger zu haben. Das Magazin Focus hat ausgerechnet, dass diese Geräte pro Jahr bis zu 100 Kilowattstunden verbrauchen und zusätzliche Stromkosten von 15 Euro verursachen. Dabei brauchen sie durchschnittlich „nur“ zehn Watt – einen Bruchteil der Bravia-Fernseher. Die Stromkonzerne wird der zweifelhafte Spaß dennoch freuen: Würde sich nur jeder vierte Deutsche einen kleinen digitalen Bilderrahmen anschaffen, brächte es ihnen einen zusätzlichen Jahresumsatz von 300 Millionen Euro.

 

Danke an Tanja M. für den Hinweis




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