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lügendetektor

13. August 2008, 11:11

Stromlücke (6): Michael Glos biegt Studie zurecht

Das Bundeswirtschaftsministerium hat diese Woche routinemäßig seinen "Monitoring-Bericht zur Versorgungssicherheit im Bereich der Elektrizitätsversorgung in Deutschland" vorgelegt, zu dem es alle zwei Jahre verpflichtet ist. Ebenso routiniert nutzte Minister Michael Glos (CSU) den Anlass, um mal wieder vor einer "Stromlücke" und höheren Strompreisen zu warnen - und daraus abgeleitet den Atomausstieg in Frage zu stellen und noch mehr neue Kohlekraftwerke zu fordern. Der Bild war das gar eine Meldung auf Seite 1 samt Ausrufezeichen und dem Wort "Alarm" wert:

 

 

Und wie das halt so ist, plapperten die anderen Medien - von stern.de bis Reuters - die Botschaft nach; einzig die Kollegin von zeit.de scheint vor Niederschrift ihres Textes auch einen Blick in den "Monitoring-Bericht" selbst und die zugrunde liegende 186-seitige Experten-Studie geworfen zu haben und titelte zutreffend: "Keine Angst vorm Stromausfall!" In dem Gutachten dreier Forschungsinstitute steht nämlich wenig, was Glos' Schlussfolgerungen rechtfertigt - und im Punkt Atomausstieg sogar genau das Gegenteil.

 

Detailliert rechnen die Experten nämlich über mehrere Seiten vor, wieviel neue Kraftwerkskapazitäten hierzulande bis 2020 notwendig werden und fassen dann - etwas umständlich vielleicht - zusammen:

Gegenwärtig haben, wie aus der Studie deutlich wird, die Energiekonzerne erheblich mehr Neubauten von Steinkohlekraftwerken in Planung oder bereits in Bau, als zur Deckung des zu erwartenden Bedarfes notwendig sein wird. Es sei jedenfalls kein Problem, so die Forscher auf Seite 66 ihrer Studie, dass in den letzten Monaten einige Projekte u.a. wegen lokaler Proteste aufgegeben wurden:

 

 

Am interessantesten ist, was Glos' Gutachter zum Thema Investitionssicherheit schreiben:

 

Michael Glos ist entweder dumm oder dreist, wenn er - mit Verweis auf exakt diese Studie! - erneut den Atomausstieg öffentlich in Frage stellt. Und das Wirtschaftsministerium stellt seine eigenen Gutachter als Dummköpfe hin, wenn es in seiner Presseerklärung zum "Monitoring-Bericht" behauptet, "alle rationalen Gründe" sprächen "für eine Verlängerung der Kernkraftwerkslaufzeiten".




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