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lügendetektor

8. Januar 2009, 13:53

Getränkedosen: Brunftgeschrei und CO2

Röhrende Hirsche in Öl hingen einst in vielen deutschen Wohnzimmern, und beim Verband Metallverpackungen (VMV) gelten sie noch heute als Symbol für Natur und heile Welt.

 

Auf seiner Internetseite und in Zeitungsannoncen, zum Beispiel im Fachblatt Lebensmittelzeitung, versucht die Lobby der deutschen Dosen-Industrie gut Wetter zu machen für ihre Produkte. Diese hätten "die höchste Recyclingrate", heißt es da. "Das spart uns Emissionen, und die Natur sagt Danke. Ein Grund mehr, öfter in Metall zu verpacken." Da röhrt der Hirsch: "Danke schön für weniger CO2".

 

 

In einem dreiseitigen Informationsblatt führt die Dosen-Lobby ihre – tja, Argumentation mag man das fast nicht nennen – also, ihren Gedankengang weiter aus:

 

Der Trick heißt: den Energiebedarf ausblenden. Denn natürlich stimmt es, dass die Grundstoffe für Blech- oder Alu-Dosen in der Natur reichlich vorhanden sind. Natürlich stimmt es, dass beide Verpackungsmaterialien prima wieder verwertbar sind. Aber zwischen dem Rohstoff und dem Recycling – da muss natürlich erstmal die Verpackung bzw. das Material dafür hergestellt werden. Was bei Stahl und Aluminium Unmengen an Energie verschlingt. Und viel Energie heißt (solange diese nicht aus regenerativen Quellen stammt) eben auch: hoher Kohlendioxid-Ausstoß. Deshalb haben Getränkedosen aus Aluminium oder Weißblech im Vergleich zu anderen Verpackungsmitteln eine lausige Ökobilanz.

 

All die vorteilhaft scheinenden Zahlen zum co2-Ausstoß und zur Energieeinsparung, die der Verband Metallverpackungen in seiner Imagekampagne nennt, vergleichen stets nur Kohlendioxid-Ausstoß und Energieverbrauch von recycelten Dosen mit neu hergestellten. Diese relativen Vorteile gegenüber Neumaterial sagen aber überhaupt nicht, wie viel Energie absolut aufgewendet wird beziehungsweise wie viel Kohlendioxid absolut verursacht wird. Darüber verliert das Werbematerial der Dosenlobby wohlweislich kein Wort.

 

Umso klarere Worte finden sich in einer fast 300-seitigen Studie des Umweltbundesamtes, veröffentlicht im Jahre 2002. Es ist die wohl gründlichste Untersuchung über die Umweltauswirkungen unterschiedlicher Getränkeverpackungen. Ende der 90-Jahre – damals wurde hierzulande heftig um das Dosenpfand gestritten – ließ die Behörde in mehreren Studien akribisch die Vor- und Nachteile von Einweg- und Mehrwegglasflaschen, von Getränkekartons und Plasteflaschen, von Aluminium- und Weißblechdosen untersuchen. Unter anderem wurden da der Energieverbrauch und der Treibhausgas-Ausstoß von Getränkedosen und mit dem von Glas-Mehrwegflaschen direkt verglichen. Mit einem vielleicht etwas umständlich formulierten, aber unmissverständlichem Ergebnis:

 

 

Im Klartext: Selbst wenn der Aufwand für das Auswaschen von Pfandflaschen und der Dieselverbrauch der Ausliefer-Lkw berücksichtigt wird, sind Alu- oder Blechdose fürs Klima etwa doppelt bzw. viermal so schädlich. Und daran ändern, vermerkt die Studie explizit, auch die Recyclingquoten nicht viel.

 

Deshalb: Danke schön, liebe Dosenlobby, für mehr CO2!

 

Danke an Maike J. für den Hinweis




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