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lügendetektor

27. Februar 2009, 16:38

Architektenkammer NRW: Eine feine Klima-Sause

Immer mehr spricht sich herum, dass der Klimawandel alle Bereiche des Lebens verändern wird. Auch die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen hat es mitbekommen – und lädt für kommenden Juni zu einem Kongress "Natur und gebaute Umwelt". Die Einladung erwähnt den Klimawandel als "unbestreitbare Tatsache", als "Katastrophe mit Vorankündigung". Und weiter:

 

Darüber wird auf der Tagung zu reden sein. In Palma de Mallorca.

 

Das ist jetzt kein Witz: Die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen (nach eigenen Angaben mit 30.000 Mitgliedern der größte der 16 deutschen Landesberufsverbände) lädt tatsächlich zum Klimakongress nach Mallorca. Um dort mit "renommierten Fachleuten aus unterschiedlichen Disziplinen" zu diskutieren. Etwa mit dem Chef des Deutschen Nachhaltigkeitsrates, Dr. Volker Hauff, über „Strategien für eine nachhaltige Entwicklung“. Oder mit Professor Konrad Ott aus Greifswald über „Aspekte der Umweltethik“. Oder mit Verfassungsrichter Udo di Fabio über „Kulturelle Werte und Globalisierung“.

 

Vielleicht hätte man im Vorfeld den Kongressort umweltethisch betrachten sollen. "Als Veranstalter eines solch renommierten Kongresses muss man diskutieren, was verantwortbar ist", gibt Kammer-Sprecher Christof Rose zu. Doch Inselflair inspiriere Architekten nun einmal, die letzten Kongresse fanden auf Rügen, Lindau oder Usedom statt. Blöderweise schlägt ein einziger Hin- und Rückflug vom Airport Köln/Bonn laut Atmosfair mit einem Klimaschaden von 720 Kilogramm Kohlendioxid zu Buche. Dies ist fast so viel, wie ein Inder oder eine Inderin in einem ganzen Jahr verursacht. 300 Teilnehmer kamen zur letzten Architekten-Tagung 2007 – übertragen auf dieses Jahr wird der "Umweltkongress" der Architektenkammer NRW das Klima also mit mehr als 200 Tonnen Treibhausgasen belasten. Und das nur für An- und Abreise.

 

Fliegen ist die klimaschädlichste Fortbewegungsart überhaupt. Wer auch nur ab und zu ins Flugzeug steigt, könnte sich alle anderen Emissions-Sparbemühungen eigentlich schenken. „Wer fliegt, zerstört das Leben anderer Menschen“, hat es der britische Journalist George Monbiot in seinem Buch „Heat“ zugespitzt. Aber die Architekten fliegen ja nicht aus reinem Vergnügen, sondern in wichtiger Mission. Nämlich – wir erinnern uns – um Konzepte zu beraten, "den CO2-Ausstoß zu verringern". 

 

Noch mal die Einladung:

 

 

Wir wünschen viel Erfolg!

 

Danke an Florian P. aus Aachen für den Hinweis

 




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