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lügendetektor

19. März 2009, 18:43

EVO: Wirre Werbung für Elektroheizungen

Das ist Herr Barth. Herr Barth schreibt viele Briefe. Genauer gesagt bekommen viele Menschen in der ganzen Republik seinen Brief als Postwurfsendung. Zwei Seiten lang ist er, und oben drüber steht: "Warum Heizen mit Strom billiger ist". Leider geht es im ganzen Brief dann nicht ein einziges Mal um Energiepreise – vielleicht, weil ein direkter Vergleich etwa mit Heizöl, Fernwärme oder Holzpellets in Wahrheit (jedenfalls in dieser Übersicht der Verbraucherzentrale NRW) zeigt, dass Strom extrem teuer ist. Eine möglicherweise billigere Anschaffung von Elektroheizern, so warnen Verbraucherschützer unisono, wird durch die hohen laufenden Kosten mehr als ausgeglichen.

 

Herr Barth preist in seinem Brief Teilspeicherheizungen der Firma EVO an – die mit "dem berühmten Speicherkern aus EVOLiT"! Wahnsinn, echt revolutionär, diese Mischung aus gutem alten Speckstein und Schamott! Unter Umwelt- und Verbraucherschützern ist EVO übrigens nicht für innovative Produkte berühmt, sondern für "sehr aggressive" Werbung zugunsten von "Elektroheizungen, Nachtspeicheröfen, elektrische Radiatoren und andere Formen der Energieverschwendung".

 

Werfen wir also mal einen Blick auf ein paar bemerkenswerte Passagen in Barths Brief:

Den ersten Satz, sorry, verstehen wir auch nach mehrmaligem Lesen nicht. Unter der im Brief angegebenen Telefonnummer haben wir Herrn Barth leider nicht erreicht, um ihn zu fragen, was er meint – eine nette Telefonistin bot uns lediglich die Zusendung eines EVO-Katalogs an. Am zweiten Satz stimmt lediglich, dass Strom verlustlos in Wärme umgewandelt werden kann – aber bei der Erzeugung des Stroms in den üblichen Atom- oder Kohlekraftwerken gehen in der Regel zwei Drittel der Energie als Abwärme verloren. Aus der Steckdose kommt nur etwa ein Drittel der Energie an, die im Kraftwerk verfeuert wurde – egal wie toll der Elektroheizkörper konstruiert ist, er bleibt immer Teil einer verschwenderischen Heiztechnologie. Und zum "vernünftigen Umgang mit Energie" regen Stromöfen vielleicht wirklich an - weil sie im Betrieb so teuer sind.

Diese Passage ist ähnlich wirr: Die Frage des Umweltnutzens von Elektroautos entscheidet sich nicht an den Ladeverlusten der Bordbatterien, sondern die Art und Weise der Stromerzeugung. Aber das haben sie mit Elektroheizungen gemein.

 

Weiter gehts:

 

Ja, ja, stimmt schon, Herr Barth. Aber warum erwähnen Sie nicht die Umweltschäden, die beim Uranabbau entstehen? Die Energie, die beim heute üblichen Import von Steinkohle aus Australien oder Südafrika aufgewendet wird? Die schwefeligen Abgasfahnen der Schiffsdiesel? Klar, Strom KANN überwiegend mit heimischen Energien erzeugt werden - derzeit ist dies leider vor allem Braunkohle, der dreckigste Energieträger überhaupt. Und, Herr Barth, wenn Sie schon Transportverluste thematisieren: Die derzeit in Deutschland üblichen Großkraftwerke führen dazu, dass Strom über weite Strecken geleitet werden muss – und dabei geht im Netz natürlich eine Menge Energie verloren.

 

Genau, Strom kommt jederzeit und überall einfach so aus der Steckdose. Die Zukunft liegt jedenfalls nicht in der Möglichkeit, den wertvollen Strom in ineffizienten Elektroheizungen zu verbraten.

 

Danke an Michael M. und Andreas S. für die Hinweise

 

P.S.: Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) hat EVO kürzlich wegen zweifelhafter Aussagen abgemahnt. In Broschüren hatte die Firma unter anderem behauptet, Strom sei "das einzige Medium welches sich zu 100 % in Wärme wandeln lässt" oder"Elektrisch heizen ist nicht teuer".




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