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lügendetektor

26. Mai 2009, 13:47

Migros & Climatop: Besonders wenig ist relativ

Damals, bei Oma und Opa gab’s irgendwann im Mai frisch gestochenen Spargel. Manchmal, wenn der Frühling ein besonders warmer war, sogar schon im April. Und an Johanni, dem 24. Juni, ist Schluss mit der Ernte.

 

Das ist lange her. Der moderne Mensch scheint es als großen Fortschritt anzusehen, Spargel auch zur Weihnachtsgans auf den Tisch bringen zu können. Spargel wird wie viele andere Agrarprodukte ganzjährig aus fernen Ländern eingeflogen, aus Neuseeland kommt das Gemüse, aus Afrika oder Südamerika. Der Schweizer Supermarktriese Migros macht nun Werbung für ein neues Gütesiegel namens „Climatop“. Produkte sollen damit gekennzeichnet werden, die „besonders tiefe CO2-Emissionen verursachen“. Und dieses Label klebt nun plötzlich auch auf Spargel aus Peru.

 

Wie das geht? Ganz einfach, wie die Pressemitteilung zum „climatop“-Spargel verrät: Das Siegel erhielten Produkte, die „einen wesentlich besseren CO2-Ausstoß als vergleichbare“ Waren hätten. Und, so die Argumentation zum Spargel aus Peru: Wenn dieser per Schiff statt mit dem Flugzeug komme, dann sänken die Klima-Emissionen auf ein Zehntel. Na bravo! Mit dem uralten rhetorischen Mittel des Vergleichs wird alles klein: Der Energieverbrauch eines Durchschnittseuropäers im Vergleich zu dem eines US-Amerikaners, der Spritdurst eines S-Klasse-Mercedes im Vergleich zum Militärauto Hummer, der Schaden durch Monokulturen auf Äckern im Vergleich zur Wüste Sahara – alles ist relativ.

 

Natürlich ist Schiffsspargel aus Peru weniger schädlich fürs Klima als eingeflogener. Auch gegenüber Spargel, der im Winter in aufwendig beheizten Gewächshäusern gezogen würde, ist er im Vorteil. Das alles ändert aber nichts daran, dass Spargel ein Saisongemüse ist. Wer im Frühsommer mit dem Fahrrad zum örtlichen Bauern fährt, hat die allerbeste Klimabilanz. Oma und Opa haben ganz automatisch das gegessen, was da war – und wenn es da war. Oma und Opa haben wahrscheinlich noch heute eine viel bessere Klimabilanz als so mancher aufgeklärte Konsument, der mit dem Auto zum Bioladen fährt und zweimal im Jahr in Urlaub fliegt. Spargel ebenso wie Erdbeeren und andere Produkte sollte man kaufen, wenn die Natur sie uns schenkt. Übrigens ist dann, nach langer Vorfreude, der Genuss auch größer!




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