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lügendetektor

9. Juli 2010, 21:16

Whole Earth Bio-Brause: Innen hui, außen pfui

Whole Earth ist eine Bio-Marke aus Großbritannien, seit kurzem versucht die Freiburger Firma CoSa Naturprodukte sie auch in Deutschland zu etablieren. „Die Welt ist kostbar“, lautet ihr Slogan. Man wolle „die Welt ein kleines bisschen besser machen“, so das Versprechen. Bei Whole Earth habe man sich auf die Fahnen geschrieben, heißt es auf der Firmenwebsite,

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Aber offenbar am Deckel ihrer Getränkeverpackungen. Neben Keksen, Erdnussbutter, Müsli und so weiter hat Whole Earth nämlich auch eine echte „Innovation“ auf dem Bio-Lebensmittelmarkt im Angebot: Limonade aus ökologisch erzeugten Grundstoffen, abgefüllt in Dosen. In der Fachpresse schaltet die Firma großformatige Anzeigen dazu:

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Wie bitte? Bio-Limonade in Dosen? „Ja“, sagt Firmensprecher Frank von Glan, als wir ihn anrufen, und fragt sofort zurück: „Haben Sie die schon mal getrunken?“ Die fünf Geschmacksrichtungen, versucht er Begeisterung zu verbreiten, die seien wirklich ganz, ganz lecker!

 

Als wir trotzdem weiter nach der Verpackung fragen, beginnt er etwas herumzudrucksen. Das schlechte Gewissen ist ihm deutlich anzumerken. „Die Ökobilanz von solch einer Dose ist schlechter als von Pfandflaschen, das ist klar“, gibt von Glan zu. „Wir sind uns der Problematik wohl bewusst.“ Aber man sei eben kein spezialisierter Getränkehändler, betont er, weshalb man es nicht schaffe, ein Mehrwegsystem aufzubauen. Bei den derzeitigen Stückzahlen – etwa 90.000 der in Belgien abgefüllten Dosen habe man in diesem Jahr hierzulande abgesetzt – lohne sich ein Mehrwegsystem ohnehin nicht. Seine Firma wolle halt mal ausprobieren, „was in Deutschland ankommt“.

 

Mit diesem Test liegt Whole Earth ziemlich im Trend. Nachdem Getränkedosen in Deutschland jahrelang out waren, versuchen ihr Discount-Ketten und Industrie gerade zu einem Comeback zu verhelfen. Whole-Earth-Sprecher von Glan betont allerdings, es sei „nicht in Stein gemeißelt“, dass man die Dosenbrause dauerhaft im Sortiment behält. Wenn also vielen Kunden der Widerspruch zwischen Inhalt und Verpackung auffällt, dann hat der Unfug vielleicht schnell wieder ein Ende.

 

P.S.: Falls jetzt jemand vorhat, uns auf die neueste Studie zu Ökobilanzen von Getränkedosen hinzuweisen, die einen ökologischen Nachteil der Dose bestreitet – die haben wir gesehen. Und mit Begeisterung gelesen. Sie ist nämlich ein wunderbares Beispiel dafür, wie Industrielobbyisten sich eine wissenschaftliche Grundlage für ihr Greenwashing produzieren lassen. Mehr dazu nächste Woche an dieser Stelle.




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