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lügendetektor

27. Januar 2011, 23:46

Infrarot-Heizungen: Alles andere als grün

Dass Elektroheizungen und insbesondere Nachtspeicheröfen echte Öko-Schweinereien sind, ist mittlerweile allgemein bekannt. Aber Unternehmen sind ja erfinderisch. Auf Handzetteln in Baumärkten preist beispielsweise die britische Firma Tansun ihre „Quarzheizungen mit neuester Kurzwellen-Technologie“ an.

 

Oder Redwell aus Österreich, die ihre Infrarot-Heizkörper zum Beispiel als freihängende Kugeln liefert oder mit Bildern bedruckt, damit sie Wände verzieren können. Eine „Innovation“ sei das, „effektiv“ und „energiesparend“, sogar „wohltuend“ und „gesundheitsfördernd“.

Phänomenal, oder? Dabei ist das Heizen mit Infrarot-Strahlern ein ziemlich alter Hut, in Ställen oder Gewerbehallen zum Beispiel seit Jahrzehnten üblich. Infrarot-Heizungen haben den Vorteil, dass ihre Strahlen nicht die Raumluft erwärmen, sondern direkt die Körper, auf die sie treffen. Das Prinzip ist vom Gletschersonnenbad bekannt: Trotz frostiger Luft ist es in der Sonne angenehm warm.

 

Dieses direkte Erwärmen spare eine Menge Energie, behaupten nun die Hersteller. Als „kostengünstig und äußerst ökonomisch“ bewirbt etwa Tansun seine Produkte, sie seien „40 Prozent effektiver als herkömmliche Systeme“. Verbraucherschützern stehen dabei die Haare zu Berge. Allenfalls im Vergleich zu anderen Elektroheizungen sind die Infrarot-Strahler vielleicht effizienter – doch selbst daran habe er „große Zweifel“, sagt Peter Kafke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Theoretische Vorteile der Strahler seien in der Praxis wenig bedeutsam. Denn um in Wohnungen ein behagliches Raumklima zu schaffen, müssten Nutzer immer auch die Luft indirekt miterwärmen. „Der reale Stromverbrauch dürfte deshalb kaum unter dem konventioneller Elektroheizungen liegen.“ Und weil die Strahler teuren Tagstrom verbrauchen, lägen die Betriebskosten „sogar über denen von Nachtspeicheröfen“.

 

Um Kritik zu kontern, hat Redwell sich von einer griechischen Universität eine Studie erstellen lassen. Die Heizer aus Österreich, heißt es darin vollmundig, seien „sämtlichen sonstigen Heizsystemen ... unter Berücksichtigung aller wirtschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Aspekte eindeutig überlegen“. Doch liest man das 24-seitige Papier genau, dann fällt auf, dass selbst in dieser Auftragsarbeit moderne Erdgasheizungen deutlich ökologischer abschneiden als die Infrarot-Heizer. Ein Vorteil für die Redwell-Produkte ergab sich nur, als in dem fiktiven Testhaus die Heizstrahler mit Solarkollektoren und einer Fotovoltaik-Anlage kombiniert wurden.

 

Tansun behauptet auf seiner Internetseite sogar, seine Heizstrahler lieferten "CO2-freie" Wärme. Das ist natürlich gelogen. Sie verursachten "keine direkten CO2-Emissionen", heißt es präziser auf den Werbezetteln aus dem Baumarkt. Denn indirekt verursachen Elektroheizungen sehr wohl Kohlendioxid, ein Großteil des Stroms kommt hierzulande schließlich aus klimaschädlichen Kohlekraftwerken. Unterm Strich liegen die CO2-Emissionen von Elektroheizungen pro Kilowattstunde mehr als doppelt so hoch wie bei modernen Erdgasheizungen. Außerdem ist es Quatsch, Stromheizer als "effizient" zu bezeichnen. Selbst wenn das einzelne Gerät nahezu hundert Prozent des eingesetzten Stroms in Wärme umwandelt, bleibt das Gesamtsystem extrem ineffizient denn selbst moderne Großkraftwerke haben Wirkungsgrade von unter 50 Prozent, d.h. dort geht mehr als die Hälfte der eingesetzten Primärenergie verloren. Heizen mit Strom sei daher unverantwortlich, sagt Peter Mellwig vom Energieberatungsprojekt co2online, auch ein Wechsel zu Ökostrom ändere daran nichts. "Elektrizität ist eine aufwändig erzeugte Energieform, die zur Wärmeerzeugung einfach zu schade ist."

 

Und das gilt für konventionelle wie unkonventionelle Elektroheizer gleichermaßen.




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