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lügendetektor

7. Februar 2011, 23:14

Siemens: Öko-Image aus der Schneekanone

Siemens legt Wert auf sein Image. Und das kann derzeit gar nicht grün genug sein. Konzernchef Peter Löscher lässt keine Gelegenheit aus, das „Umweltportfolio“ des Münchener Technologiekonzerns anzupreisen, für das man – ganz ohne Quote! – eigens eine Frau in den Vorstand berufen hat. Sie heißt Barbara Kux und trägt den wirklich prachtvollen Titel „Chief Sustainability Officer“.

 

Und damit in München wirklich jeder Depp merkt, wie ökomäßig Siemens jetzt drauf ist, hat das Unternehmen der Stadt ein tolles Geschenk gemacht: die „Siemens Snow City“. Anlässlich der Ski-WM, die noch bis zum 20. Februar in Garmisch-Partenkirchen stattfindet, wurde direkt vor der Konzernzentrale am noblen Wittelsbacherplatz eine künstliche Skipiste aus dem Boden gestampft. Die maschinell beschneite Rampe ist 42,5 Meter lang, zwölf Meter hoch und soll zu einem „Wintervergnügen der besonderen Art im Herzen der Stadt“ einladen. Bobs, Skier und Skischuhe werden vor Ort verliehen, ein Lift befördert die Winderfreunde an die Spitze der Rampe – von wo man schon nach wenigen Sekunden wieder unten ist.

 

Drumherum hat Siemens von einer Eventagentur ein ganzes Winterdorf errichten lassen, inklusive rustikaler Almhütte mit trendiger Eisbar. Eröffnet wird der „Mega-Event“ mit einer Licht- und Lasershow, an deren Ende ein „Pyrofeuerwerk“ (sic!) steht. Süße Kinder schlittern mit energiesparenden „Osram LED-Stäben“ und den Fahnen der WM-Teilnehmerstaaten die kurze Rampe herunter. Beiläufig sollen die Besucher in einem künstlichen Iglu mit den Meisterleistungen der Siemens Alpine Technology bekannt gemacht werden. Dazu zählen so dunkelgrüne Sachen wie Schneekanonen, Sessellifte mit Sitzheizung oder eine Maschine namens „Snowbox“, die sogar noch bei 35 Grad Plus einen Schnee produziert, der sich durch „hohes Kältepotenzial sowie seine strahlend weiße Farbe und firnähnliche Konsistenz“ auszeichnet. Die Maschine verhilft auch der Münchner „Snow City“ zu ihrem angeblich ökologischen Belag – und zwar, wie Siemens betont, ganz „ohne jegliche chemischen oder biologischen Zusätze“. Nur Strom und Wasser brauche man.

 

Tja, genau das ist der Haken: Der Kunstschnee-Wahn in den Alpen frisst längst gigantische Mengen an Strom und Wasser. Schon vor vier Jahren schätzten Wissenschaftler den Wasserbedarf der beschneiten Pisten auf jährlich 95 Millionen Kubikmeter. Das entspricht dem Verbrauch einer Großstadt mit 1,5 Millionen Einwohnern. Einzelne Flüsse in den französischen Alpen führen deshalb schon bis zu 70 Prozent weniger Wasser. Doch für Siemens zählen die Geschäfte, die sich mit Snowboxen und anderem Pisten-Equipment machen lassen. Rund 15 Milliarden Euro, schätzt der Konzern, würden im kommenden Jahrzehnt weltweit in den Neu- und Ausbau von Skigebieten investiert. Ein Gutteil davon fließt in die Bemühungen traditioneller Skigebiete, sich gegen die klimawandelbedingte Schneearmut zu wehren.

 

Siemens betont bei seiner „Snow City“ sehr das Thema Nachhaltigkeit. Die Stromversorgung erfolge zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energiequellen, die gesamte Veranstaltung sei durch den Kauf von CO2-Zertifikaten klimaneutral. Der Müll werde getrennt, beim Catering auf die „Verarbeitung regionaler und saisonaler Produkte“ geachtet, die Gäste aus „Politik, Wirtschaft und Showbiz“ chauffiere man mit umweltfreundlichen „Hybrid-Limousinen“. Doch der Alltag in Ischgl, Sölden und all den anderen Kommerz-Skiorten ist ein völlig anderer.

 

Die grüne Tünche am Siemens-Event wirkt wie die Ökoversprechen, mit denen sich München und Garmisch derzeit für die Olympischen Winterspiele 2018 bewerben. Deren sogenanntes Nachhaltigkeitskonzept haben bayerische Umweltverbände als Schönfärberei und „olympische Lügen“ verdammt.




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