umweltschutz

22. November 2011

Palmöl und der deutsche Handel

Für den Anbau von Palmöl wird in Südostasien Regenwald gerodet. Doch noch immer scheren sich einige große Handelskonzerne wie Edeka, Aldi und Lidl nicht darum, das belegt eine Studie des WWF.

Der weltweite Palmöl-Verbrauch hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten mehr als verdoppelt. Er liegt bei inzwischen 50 Millionen Tonnen pro Jahr. Als Bestandteil von Produkten wie Lippenstift, Pizza und Waschmittel ist das billige Pflanzenöl ein Naturrohstoff, den fast jeder täglich nutzt.

Ein wesentlicher Anteil des weltweit verkauften Palmöls stammt von illegal gerodeten Urwaldflächen in Indonesien und Malaysia. Beide Länder liefern 87 Prozent der Weltproduktion. Umweltschützer machen den exzessiven Anbau der Ölpalmen für die Zerstörung der letzten Regenwälder dieser Erde verantwortlich. Viele Firmen unterstützen daher inzwischen die internationale Initiative „Runder Tisch für den nachhaltigen Anbau von Palmöl“ (RSPO) und beziehen Waren, die mit Palmöl aus „sauberen Quellen“ hergestellt wurden.

Das RSPO-Zertifikat wird jedoch von NGOs wie Greenpeace und Robin Wood als Nachweis für nachhaltiges Palmöl nicht akzeptiert. Die Kriterien seien zu schwach und enthalten keinen Schutz der Torfböden und keine Anforderungen zur Einsparung von Treibhausgasen. Die RSPO-Zertifizierung sei ein Marketinginstrument der Palmölindustrie und nicht darauf ausgerichtet, die negativen Folgen des Palmölbooms zu bändigen.

Selbst diesen niedrigen Anforderungen des RSPO-Siegels verschreiben sich drei der größten deutschen Handelskonzerne Edeka, Aldi und Lidl nicht. In einer Studie des WWF zu den Vertriebsmengen und Bezugsquellen von Palmöl innerhalb europäischer Handelskonzerne bilden sie das Schlusslicht. Bestnoten erhielten die Händler Marks & Spencer (Großbritannien), Coop Schweiz, Ahold (Niederlande) und Carrefour (Frankreich). Unter den deutschen Firmen schnitt Henkel am besten ab. Von insgesamt 63 befragten deutschen Unternehmen erhielten 23 mehr als die Hälfte der maximalen Punkte. Die Studie wird heute in Malaysia vorgestellt.

Martina Fleckenstein, Landwirtschaftsexpertin beim WWF Deutschland, zieht aus der Analyse eine positive Bilanz: „Nachhaltiges Palmöl ist zumindest in Deutschland kein Ladenhüter mehr. Trotzdem gibt es noch einiges zu optimieren.“ Sie betont dabei die Macht der Verbraucher. Denn je stärker die Nachfrage nach zertifiziertem Palmöl bei Verbrauchern sei, desto größer sei der Druck auf die Produzenten.

Das veranschaulichte im vergangenen Jahr eine Aktion von Greenpeace, die sich gegen den Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé richtete. Ein auf Youtube veröffentlichter Videoclip zeigte einen KitKat-Riegel, der den indonesischen Regenwald abholzt und ein blutiges Massaker an Orang-Utans anrichtet. Der Clip löste eine weltweite Protestwelle aus. Eine Woche später gab der Konzern bekannt, dass er seine Lieferantenkette prüfen und kein umstrittenes Palmöl mehr verwenden werde.

 

AF


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