greenpeace magazin 3.08

„Wir sind gezwungen, neue Holzquellen zu suchen“

Ikea-Sprecherin Sabine Nold über die Einkaufspolitik des Möbelhauses


GPM: Im Jahr 2005 hat Ikea sich vorgenommen, den Anteil FSC-zertifizierter Holzprodukte im Sortiment bis Ende nächsten Jahres auf 30 Prozent zu steigern. Doch stattdessen hat sich der Anteil seitdem von zwölf auf sechs Prozent halbiert. Jetzt erklärt Ikea, das Ziel nicht erreichen zu können. Woran liegt das?

 

Sabine Nold: Dafür gibt es zahlreiche Gründe. Die Zertifizierung von Wäldern lief langsamer ab als erwartet, vor allem in Russland und China, zwei Ländern, die große Volumen liefern. Hinzu kam, dass Ikea sehr viel schneller gewachsen ist als erwartet und wir deshalb die Volumen erhöhen mussten, um die nachgefragten Produkte herstellen zu können. Außerdem gab es Probleme, überhaupt ausreichend Holz zu beschaffen. Schlechte Wetterbedingungen haben eine Rohstoffknappheit ausgelöst, sodass Ikea teilweise gezwungen war, neue Holzquellen zu suchen.

Wie viel Holz verarbeitet Ikea denn pro Jahr?

Im Geschäftsjahr 2007 waren es rund sieben Millionen Kubikmeter, darunter 1,17 Millionen Kubikmeter aus Russland und 1,15 Millionen Kubikmeter aus China.

Und in welchen Ländern werden die Holzprodukte verarbeitet?

Ikea nennt grundsätzlich keine Lieferanten oder Standorte.

Warum geht es mit der Zertifizierung in Russland und China so langsam voran?

In Russland haben wir mit unserer Arbeit das Problem des illegalen Holzfällens ins Bewusstsein der Menschen vor Ort gebracht. Umlernprozesse brauchen aber Zeit, um ihre Wirkung zu entfalten. Ikea ist mit Unterstützung vom WWF und spezialisierten Forstwirten dabei, die Zertifizierung weiter voranzutreiben.

 

Wie viele Forstinspekteure arbeiten für Ikea in den beiden Ländern?
Ikea hat 45 Handelsbüros in 31 Ländern mit Einkäufern, die mit den Lieferanten täglich Hand in Hand arbeiten. Zudem stellen zwölf Forstwirte sicher, dass die forstwirt-schaftlichen Vorgaben eingehalten werden. Acht davon arbeiten in China und Russland.

Haben Sie sich für das 30-Prozent-Ziel nun einen neuen Termin gesetzt?
Das Ziel war ambitioniert. Wir arbeiten weiter hart daran, immer mehr Holz aus
FSC-Wäldern zu beziehen, aber wir haben nicht auf alle Faktoren Einfluss.
Langfristiges Ziel bleibt, unser gesamtes Holz aus zertifizierten Wäldern zu beziehen.
 
Wie kann ich als Ikea-Kunde sichergehen, kein illegal abgeholztes Holz zu kaufen?
Ikea nutzt grundsätzlich kein Holz aus intakten Naturwäldern wie dem Regenwald. Wir verkaufen auch keine Teak- oder Mahagoni-Produkte. Alle Lieferanten müssen dokumentieren, woher sie ihr Holz beziehen. Ikea kontrolliert die Angaben regelmäßig. Wir sind stets bestrebt sicherzustellen, dass wir kein illegal gefälltes Holz verwenden.

Kann ich FSC-lizensierte Produkte in Ihren Geschäften leicht erkennen?
Ein FSC-Logo oder auch andere Labels gibt es an keinem Ikea-Produkt. Wir kennzeichnen unsere Produkte nur mit dem Ikea-Logo, das für sichere und verantwortungsvoll hergestellte Produkte steht.   

 

INTERVIEW: SUSANNE TAPPE



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