greenpeace magazin 1.11

Handgeschöpft mit Lust und Liebe

Sie nehmen sich Zeit und fertigen 
in ihren Manufakturen kreative Produkte von höchster Qualität. Sieben Porträts 
von Könnern, die sich den Luxus 
der Langsamkeit leisten

 


LYDIA RAHAUS 
34, Konditorin in Preetz/Holstein
Wenn Lydia Rahaus von ihren Pralinen erzählt, ist es, als rede sie von Edelsteinen: „Graziös“ müssten sie geformt sein, „keinen Kratzer“ dürften sie haben, 
„nur mit Handschuhen“ würden sie berührt. „Wir machen edle 
Desserts, die glücklich machen“, sagt die Konditormeisterin 
aus Preetz bei Kiel. In der Chocolaterie „Schokodeern“ (plattdeutsch: Schokomädchen) wird jede einzelne der rund 10.500 im Monat produzierten Pralinen von Hand geformt und dekoriert. Die meisten Rohstoffe wie Sahne, Mehl und Früchte haben Bioland-Qualität und 
stammen aus Schleswig-Holstein. Weil weiche Füllungen Feuchtigkeit enthalten und der Kern 
deshalb verderben könnte, produziert die Industrie meist feste Pralinen, die lange halten, sagt Rahaus. Die Kreationen von Lydia Rahaus und ihren vier Mitarbeiterinnen sind glutenfrei und enthalten keine Konservierungsstoffe. Dafür aber sind sie nur neun Wochen haltbar. Das ist gut so. Denn Glück ist stets von kurzer Dauer. Lydia Rahaus setzt das Messer auf die Kuppel ihrer 
Birnenbrand-Praline. 100 Gramm „Birnbaum“ kosten 8,20 Euro. 
Ein zarter Bruch ist zu hören. 
Sie reicht ihr mit vanilliger Sahne gefülltes und mit edler Kuvertüre überzogenes Juwel. Zwischen Gaumen und Zunge löst es sich auf wie Butter. Naschen ist 
bei den Schokodeerns unbedingt erlaubt.

 


CHRISTIAN KUSENBACH
43, Tischler in Hamburg

Bei ihm gibt’s keine Massenware, sondern nur Sonderanfertigungen – wie für den Feinkosthändler, der neulich in Christian Kusenbachs Werkstatt kam und einen Verkaufstisch in Auftrag gab. Er hielt ein Foto des Tresens von „Harrys Bar“ in Venedig in die Luft und sagte: „So einen hätte ich gern.“ Kusenbach antwortete: „Den Tisch baue ich dir. Aber die Patina liefere ich nicht. Ich trimme nichts auf Antik.“ Dann zeigte er dem Kunden ein Musterstück, das einst Teil eines Holzbalkens war. Der Kunde fand Gefallen daran. Die langsame Geburt seines Möbelstücks begann. Bei dutzenden Händlern suchte Kusenbach nach passendem Altholz. Nach Wochen fand er einen ausrangierten Eichenbalken aus einem 
300 Jahre alten Fachwerkhaus in Freiburg: Dieses Holz hat eine Geschichte, die nun mit der Verwandlung zum Verkaufstresen des 
Feinkosthändlers fortgeschrieben wird. „Mein Kunde soll ja ein 
Leben mit diesem Tisch verbringen“, sagt Kusenbach.

Das Holz wurde nach Hamburg transportiert, in der Werkstatt getrocknet, zersägt und verbaut. Kusenbach hat alle Bauphasen mit dem Fotoapparat dokumentiert und dem Kaufmann das Booklet zu seinem Tisch geschenkt. Ein Jahr war seit dem ersten Besuch des Kunden vergangen. Nun steht Kusenbachs „Baby“ in dem Feinkostgeschäft. Manchmal 
komme er sich vor wie ein Geburtshelfer, sagt er, nicht wie ein Tischler.

 

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