lügendetektor

16. Juli 2010

Dosenindustrie: Die hohe Kunst der Öko-Trickserei

Im Schatten der Fußball-WM hat die Industrie ein Comeback der Getränkedose versucht. Discounter wie Penny oder Netto, Abfüller wie Coca-Cola und die Dosenindustrie wollen diese Verpackungsart, die nach Einführung des Einwegpfands vor bald zehn Jahren in Deutschland ein Nischendasein führte, wieder in den Markt drücken. Heutzutage wird so etwas natürlich mit einer (schein-)ökologischen PR-Kampagne flankiert.

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war im Juni eine Pressemitteilung des Branchenverbandes der Getränkedosenhersteller (BCME) überschrieben.

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hatte der Verband schon im Mai vollmundig behauptet. Den Anlass bot eine Ökobilanz, die sich BCME beim renommierten Heidelberger Ifeu-Institut hat erarbeiten lassen. Aus deren Ergebnissen bastelte die Dosenlobby eine gefällige, bunte Broschüre. Darin ist von „nachhaltigem Umweltschutz“ die Rede und von „Verantwortung“. Dosen seien, so die Behauptung, „in puncto Umweltverträglichkeit heute mit anderen Verpackungsformen auf Augenhöhe“. Dies sei auf höhere Recyclingraten und ein verringertes Gewicht der Dosen zurückzuführen. Nun, erstere ist ein Erfolg des Einwegpfands, gegen das die Industrie jahrelang und trickreich Sturm gelaufen war. Und letzteres ist nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) sehr zweifelhaft. Und beschäftigt man sich genauer mit der Ifeu-Studie, zerbröseln die Umwelt-Argumente der Dosenlobby wie durchgerostetes Blech.

 

Neun Grafiken präsentiert die Dosenlobby in ihrer Broschüre, diese steht bei ihr an erster Stelle:

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Die Klimaschädlichkeit verschiedener Bierverpackungen wird darin verglichen. Die beiden dunkelgrünen Balken rechts zeigen die CO2-Bilanz von Alu- und Weißblechdosen; die linken Balken stehen für Glas-Mehrwegflaschen (der erste für eine einmalig verwendete, der zweite für eine fünffach, der dritte für eine zehnfach befüllte Flasche. Experten dürften hier schon stutzig werden, denn die sogenannte „Umlaufzahl“ (kurz: ULZ) von Mehrwegflaschen ist oft viel höher.

 

Und tatsächlich ergibt ein Blick in die vollständige Ifeu-Studie ein deutlich anderes Bild. Doch die Dosenlobby setzt wohl darauf, dass kaum ein Journalist (und schon gar kein Kunde) dieses 200-seitige Werk durcharbeitet. Die Vorlage für die Broschüren-Grafik findet sich dort auf Seite 108 – und sie hat neun Balken, also einen mehr.getraenkedose_oekobil_5

Am rechten Rand stehen auch hier Alu- und Blechdose. Aber für Glas-Mehrwegflaschen finden sich hier vier Balken, nämlich (von links) Nummer 2, 3, 4 und 5.  Der fünfte Balken in dieser Grafik stellt die Klimawirkung von Mehrweg-Bierflaschen dar, die 25-mal wiederbefüllt werden (was das realistischste Szenario sein dürfte). Vergleicht man nun in dieser Grafik den fünften Balken mit dem achten und neunten, steht die Alu-Dose plötzlich gar nicht mehr besser da – und die Weißblechdose sogar rund vierzig Prozent schlechter als die Pfandflasche. Bei der Vereinfachung der Studienergebnisse für die bunte Boschüre ist also  just jener Wert weggefallen, der die Mehrwegflasche am besten dastehen lässt. Welch ein Zufall...

 

Wollen Sie noch tiefer eintauchen in die hohe Kunst der Trickserei mit wissenschaftlichen Studien? Dann lesen Sie weiter. (Aber Vorsicht, es wird kompliziert.)

 

An der Ifeu-Studie lässt sich nämlich mustergültig besichtigen, wie ein Auftraggeber von seriösen Experten ein wunschgemäßes Ergebnis bekommen kann – und wie sich Wissenschaftler dagegen zu wehren versuchen. Die Ergebnisse von Ökobilanzen hängen nämlich ganz wesentlich von den zugrundeliegenden Annahmen ab, das ist bei dieser Studie über Bierverpackungen nicht anders. Penibel hat das Ifeu in der Untersuchung alle Annahmen erläutert (weshalb externe Gutachter ihr auch eine „hohe Transparenz und Nachvollziehbarkeit“ bescheinigen – siehe S. 196 der Studie). So wurden etwa verschieden weite Lieferwege der Biere durchgerechnet (alle hier gezeigten Grafiken beziehen sich auf eine Entfernung von 400 km zwischen Brauerei und Verbraucher, was übrigens relativ hoch ist und schwere Glasflaschen eher benachteiligt).

 

Den größten Einfluss auf das Ergebnis aber hatten die sogenannten „Allokationsregeln“ (siehe S. 13 ff.), also die Art, wie etwa der Energieverbrauch zur Herstellung von Werkstoffen auf Vor- und Nachprodukte aufgeteilt wird. Bei der Betrachtung von Dosen ist die Frage besonders heikel, weil beispielsweise die Produktion von Roh-Aluminium erheblich umweltschädlicher ist als die Verwendung von recyceltem Aluminium. Üblich in der Wissenschaft ist, die ökologischen Vorteile von Recycling-Material zu gleichen Teilen aufzusplitten zwischen dem recycelten Produkt einerseits und andererseits dem Produkt, das später aus dem recyelten Material hergestellt wird. „50:50-Allokation“ wird dies von Experten genannt.

 

Für eine Studie aber, die Getränkedosen möglichst positiv erscheinen lassen soll, müsste man den Umweltvorteil durchs spätere Recycling weggeworfener Dosen vollständig auf diese gutschreiben (statt nur zur Hälfte). Diese Methode wird „100:0-Allokation“ genannt. Und raten Sie mal, welche Variante die Dosenindustrie dem Ifeu-Institut vorgeschrieben hat? Genau, die 100:0-Allokation! Offenbar haben die Wissenschaftler dies nur mit Bauchschmerzen akzeptiert – und bestanden darauf, beide Methoden durchzurechnen und in ihrer Arbeit darzustellen (denn das Ifeu hat in der Fachöffentlichkeit einen Ruf zu verlieren). Und auf Seite 88 ihrer Studie haben sie in einer weiteren Balkengrafik sogar noch dargestellt, welch unterschiedliche Ergebnisse die beiden Methoden erbringen:

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Grau dargestellt ist hier das Ergebnis der 100:0-Allokation, wie sie die Industrie favorisiert (und wie es sich weiter oben in unserem Text, in der zweiten Balkengrafik wiederfindet). Die blauen Balken hingegen zeigen, was bei der 50:50-Methode herauskommt, die bei Ökobilanzen etwa des Umweltbundesamtes Standard ist. Für Mehrwegflaschen (zweiter Balken von links) sind die Differenzen marginal. Bei Alu-Dosen hingegen ergibt sich eine doppelt so hohe Klimaschädlichkeit, bei Weißblechdosen eine um rund 20 Prozent höhere.

 

Fassen wir zusammen: Geht man von realistischen Annahmen für die Wiedernutzung von Mehrwegflaschen aus und wählt man die weithin anerkannte Methodik für Ökobilanzen, dann sind Bierdosen (egal ob aus Alu oder aus Weißblech) etwa doppelt so klimaschädlich wie Glas-Pfandflaschen. Was aber hatte nochmal die Dosenlobby über ihre Pressemitteilung zur Studie geschrieben?

getraenkedose_oekobil_7 Kategorie: Wohnen, Newsletter

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Schlagworte: Getränkedosen, Penny, Netto, Coca Cola, BCME, DUH
9. Juli 2010

Whole Earth Bio-Brause: Innen hui, außen pfui

Whole Earth ist eine Bio-Marke aus Großbritannien, seit kurzem versucht die Freiburger Firma CoSa Naturprodukte sie auch in Deutschland zu etablieren. „Die Welt ist kostbar“, lautet ihr Slogan. Man wolle „die Welt ein kleines bisschen besser machen“, so das Versprechen. Bei Whole Earth habe man sich auf die Fahnen geschrieben, heißt es auf der Firmenwebsite,

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Aber offenbar am Deckel ihrer Getränkeverpackungen. Neben Keksen, Erdnussbutter, Müsli und so weiter hat Whole Earth nämlich auch eine echte „Innovation“ auf dem Bio-Lebensmittelmarkt im Angebot: Limonade aus ökologisch erzeugten Grundstoffen, abgefüllt in Dosen. In der Fachpresse schaltet die Firma großformatige Anzeigen dazu:

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Wie bitte? Bio-Limonade in Dosen? „Ja“, sagt Firmensprecher Frank von Glan, als wir ihn anrufen, und fragt sofort zurück: „Haben Sie die schon mal getrunken?“ Die fünf Geschmacksrichtungen, versucht er Begeisterung zu verbreiten, die seien wirklich ganz, ganz lecker!

 

Als wir trotzdem weiter nach der Verpackung fragen, beginnt er etwas herumzudrucksen. Das schlechte Gewissen ist ihm deutlich anzumerken. „Die Ökobilanz von solch einer Dose ist schlechter als von Pfandflaschen, das ist klar“, gibt von Glan zu. „Wir sind uns der Problematik wohl bewusst.“ Aber man sei eben kein spezialisierter Getränkehändler, betont er, weshalb man es nicht schaffe, ein Mehrwegsystem aufzubauen. Bei den derzeitigen Stückzahlen – etwa 90.000 der in Belgien abgefüllten Dosen habe man in diesem Jahr hierzulande abgesetzt – lohne sich ein Mehrwegsystem ohnehin nicht. Seine Firma wolle halt mal ausprobieren, „was in Deutschland ankommt“.

 

Mit diesem Test liegt Whole Earth ziemlich im Trend. Nachdem Getränkedosen in Deutschland jahrelang out waren, versuchen ihr Discount-Ketten und Industrie gerade zu einem Comeback zu verhelfen. Whole-Earth-Sprecher von Glan betont allerdings, es sei „nicht in Stein gemeißelt“, dass man die Dosenbrause dauerhaft im Sortiment behält. Wenn also vielen Kunden der Widerspruch zwischen Inhalt und Verpackung auffällt, dann hat der Unfug vielleicht schnell wieder ein Ende.

 

P.S.: Falls jetzt jemand vorhat, uns auf die neueste Studie zu Ökobilanzen von Getränkedosen hinzuweisen, die einen ökologischen Nachteil der Dose bestreitet – die haben wir gesehen. Und mit Begeisterung gelesen. Sie ist nämlich ein wunderbares Beispiel dafür, wie Industrielobbyisten sich eine wissenschaftliche Grundlage für ihr Greenwashing produzieren lassen. Mehr dazu nächste Woche an dieser Stelle.

Schlagworte: Whole Earth, CoSa Naturprodukte, Getränkedose
1. Juli 2010

Formel 1: Grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrün?

Eine „bahnbrechende“ Nachricht ist zu vermelden: Die Formel 1 wird grün! Dies ist kein Witz, sondern ein Zitat. Als „ground-breaking“ bezeichnet der Verband der Formel-1-Teams, FOTA, seine Bemühungen zur Minderung des eigenen Kohlendioxid-Ausstoßes. Um 12,4 Prozent will er innerhalb der nächsten drei Jahre die Emissionen senken. formel1_mclarenMartin Whitmarsh, FOTA-Vorsitzender und Chef des Vodafone-McLaren-Mercedes-Teams, erklärte wörtlich: „Ich bin entzückt, dass unser Sport eine weltweite Führerschaft in Sachen Umwelt einnimmt.“

 

Nun, weltweit führend sind die Formel-1-Wagen wirklich. Bei Spritverbrauch und CO2-Ausstoß nämlich. Die Fahrzeuge schlucken gern mal hundert Liter Sprit auf hundert Kilometer. Und mit CO2-Werten von anderthalb Kilogramm pro gefahrenem Kilometer liegen die Boliden etwa beim Zehnfachen eines deutschen Durchschnitts-Pkw. Da ist tatsächlich jede Menge Raum für Emissionsminderungen – um weit mehr als 12,4 Prozent.

 

Doch diese Zahl, so zeigt ein genauer Blick, bezieht sich gar nicht auf den Kohlendioxid-Ausstoß der Rennautos. Der Umweltreport, den sich FOTA von der britischen Beratungsfirma Trucost hat schreiben lassen, blickt auch auf indirekte Emissionen, etwa durch Flugreisen der Teams oder die Herstellung der Auto-Komponenten (unberücksichtigt bleiben hingegen viele andere  Emissionsquellen, etwa die Anreise der Millionen Zuschauer zu den Rennen). Im Jahr 2009, so jedenfalls das Ergebnis, habe die Formel 1 exakt 215.588 Tonnen Kohlendioxid verursacht. Was etwa den Emissionen einer deutschen Kleinstadt im Laufe eines ganzen Jahres entspricht.

 

Der größte Umweltschaden der Rennliga ist aber ein ganz anderer: Die Formel 1 vermittelt ein Autoverständnis, das Raserei und PS-Wettrüsten frönt und durch die Dekoration mit halbnackten Frauen erotisch auflädt – zig Millionen Macho-Männer eifern dem dann weltweit Tag für Tag nach. Dass dies nicht mehr in die Zeit passt, haben inzwischen selbst die Formel-1-Strategen verstanden. Und weil es ihnen mit dem Öko-Engagement so ernst ist, kündigen sie es ständig aufs Neue an, wie ein kleiner Blick ins Archiv zeigt:

 

2006

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2007

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2008

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2009

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Ebenfalls 2009 versuchte man, sich mit der sogenannten KERS-Technologie an den Hybrid-Hype zu hängen (mit peinlichem Ausgang). Und nun, 2010, also ein "bahnbrechendes" Klimaschutzprogramm.

 

Die einzig sinnvolle Konsequenz aus dem Formel-1-Wahnsinn zog im vergangenen Jahr BMW: Mit Verweis auf eine künftig ökologische Unternehmensausrichtung verkündeten die Münchner ihren Komplett-Ausstieg aus dem Rennzirkus.

Schlagworte: BMW, McLaren, Mercedes, Vodafone, Formel 1, FOTA, FIA
22. Juni 2010

Eon, RWE & Co.: Brennelementesteuerschwindler

Am Mittwochnachmittag will sich Angela Merkel im Kanzleramt mit den Spitzen der vier großen Energieversorger Eon, RWE, Vattenfall und EnBW treffen. Ein Dreivierteljahr nach der Bundestagswahl will Schwarz-Gelb nun auf höchster Ebene mit den AKW-Betreibern über eine mögliche Laufzeitverlängerung für ihre alten Reaktoren reden. Doch inzwischen ist die Stimmung gereizt. Die einst sicher scheinende Anhebung des Rentenalters für Atomkraftwerke wackelt, stattdessen hat die Bundesregierung im Rahmen ihres „Sparpakets“ eine Brennelementesteuer beschlossen.

 

Jährlich 2,3 Milliarden Euro wollen sich die Konzerne natürlich nicht einfach nehmen lassen. Weshalb sie im Vorfeld bereits mächtig Druck machten und mit Klage gegen die Steuer drohten. Es gebe „erhebliche Rechtsfragen“, zitierte die Süddeutsche Zeitung am Wochenende eine anonyme Quelle bei RWE. Und Eon ließ verlauten

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Das ist – gelinde gesagt – Quatsch, wurde am nachrichtenarmen Wochenende aber trotzdem von zahlreichen Medien aufgegriffen und weiterverbreitet.

Korrekt an der Behauptung der Atomlobby ist, dass mit Inkrafttreten des Energiesteuergesetzes vor vier Jahren fossile Brennstoffe generell nicht besteuert werden, wenn sie zur Stromerzeugung verwendet werden. (Dies gilt für die Kraftwerksbetreiber, hingegen zahlen die Endverbraucher eine Stromsteuer von derzeit rund zwei Cent pro Kilowattstunde.) Korrekt ist weiterhin, dass auch die EU-Energiesteuer-Richtlinie 2003/96/EG sogenannte „Energieerzeugnisse“ wie Mineralöl, Erdgas oder Kohle grundsätzlich steuerfrei stellt, wenn sie zur Elektrizitätsgewinnung verbrannt werden. Doch die AKW-Betreiber verschweigen, dass Uran in Artikel 2, wo „Energieerzeugnisse“ im Sinne dieser EU-Richtlinie definiert werden, gar nicht erwähnt ist. Und in Artikel 14, Absatz 1. a), wo die grundsätzliche Steuer-Befreiung zum Zwecke der Stromerzeugung verankert ist, eine wichtige Einschränkung folgt:

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Im Klartext: Die Atomlobby beruft sich auf eine Richtlinie, die eigentlich gar nicht für sie gilt - und außerdem sehr wohl eine Besteuerung zulässt. Und umweltpolitische Gründe für eine Besteuerung von AKW-Brennelementen gibt  es genug. Denn anders als bei fossilen Kraftwerksbrennstoffen verzichtet der Staat bisher beim Uran, ihm seine ökologischen Folgeschäden in Rechnung zu stellen. Diese (so der Fachjargon) „externen Kosten“ sind bei der Atomkraft immens, man denke nur an das absaufende Atommüll-Lager Asse oder die Behandlungskosten für Krebs durch Niedrigstrahlung, von den nur teilweise versicherten Schäden eines Reaktorunglücks ganz zu schweigen.

 

Die Betreiber von Erdgas- oder Kohlekraftwerken werden bekanntlich im Rahmen des CO2-Emissionshandels der EU für ihre ökologischen Folgeschäden zur Kasse gebeten, zumindest teilweise. Bei Atomreaktoren hingegen fallen diese Kosten nicht an. Dies sei ein „ungerechter Wettbewerbsvorteil“, sagt Swantje Küchler vom Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft, das kürzlich im Auftrag von Greenpeace ein Atomsteuerkonzept verfasst hat. Mehr noch: Der wegen des Emissionshandels allgemein gestiegene Strompreis erhöht sogar die ohnehin üppige Gewinnmargen der AKW-Betreiber und spült ihnen fette Extra-Gewinne in die Kassen. Die Brennelementesteuer wäre also keine Diskriminierung, wie die Atomlobby behauptet, sondern eine überfällige Gleichbehandlung.

 

Vattenfall-Chef Tuomo Hatakka zeigte sich vergangene Woche angesichts der schwarz-gelben Steuerpläne öffentlich besorgt und „in höchstem Maße verwirrt“. Komisch. Denn ausgerechnet in Schweden, seinem Heimatland, gibt es seit langem eine Atomsteuer – ohne dass sie juristische oder irgendwelche anderen Probleme bereitete. Sie brachte der dortigen Regierung im vergangenen Jahr umgerechnet 350 Millionen Euro ein. Beim Treffen im Kanzleramt am Mittwochnachmittag könnte Merkel den Herrn Hatakka ja mal daran erinnern.

Schlagworte: Eon, RWE, Vattenfall, Atomkraft, Forum Ökologische Marktwirtschaft, Angela Merkel
17. Juni 2010

BMW: Laufende Image-Begrünung

Die effektivste Werbung ist jene, die gar nicht ausspricht, was sie vermitteln soll. Sondern implizite Botschaften transportiert und unterbewusst wirkt. Es ist deshalb durchaus interessant, sich die Sportengagements der Autobranche genauer anzuschauen. Selbstverständlich sind fast alle im Autorennsport aktiv, darüber hinaus aber setzt jeder eigene Schwerpunkte: Audi beispielsweise unterstützt Skirennen und stellt Star-Fußballern Fahrzeuge zur Verfügung. Mercedes-Benz sponsert gleich den ganzen DFB, ist daneben in Tennis- und Golfsport aktiv – klar, beides passt zum noblen Image. Volkswagen wirkt im Vergleich sehr bodenständig: Natürlich geht's auch in Wolfsburg nicht ohne Fußball, dazu ein bisschen Golf, ein bisschen Nachwuchsförderung.

 

Und BMW? Die Münchner haben in den vergangenen Jahren den CO2-Ausstoß ihrer Modelle deutlich gesenkt. Parallel dazu versucht der Konzern, ein umweltbewusstes Image aufzubauen – demonstrativ stieg man deshalb aus dem PS-Zirkus der Formel 1 aus bmw_laufen1(macht aber weiterhin bei Tourenwagen-Rennen mit, wo seriennähere Wagen antreten). Eine Mischung aus Sauberkeit, Geschwindigkeit und Glamour verspricht sich BMW offenbar von Segelrennen – mehr als 50 Millionen Euro hat das Unternehmen deshalb in eine High-Tech-Yacht für den prestigeträchtigen America's Cup gesteckt. Daneben fördert BMW neuerdings das Laufen: Auf der eigens eingerichteten Internetseite rennt ein gutaussehender Mann unter blauem Himmel durch grüne Natur.

 

Ein Autohersteller, der Menschen aufruft, sich zu Fuß fortzubewegen – dies ist so ungewöhnlich, dass BMW eine Erklärung versucht:

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Genauso wichtig aber dürften unterbewusste Botschaften sein: Auf der Website finden sich Fitness-Tipps. Es gibt eine Broschüre mit „schönen und herausfordernden Laufstrecken“ in ganz Deutschland, die „bequem mit dem Auto“ erreichbar sind. bmw_laufen3Man kann fürs eigene Training sogar ein kostenloses „Lauftagebuch“ bestellen – mit einem Haufen mehr oder weniger alberner Hinweise, wie man beim Laufen noch mehr für die Umwelt tun kann: Schuhe aus nachwachsenden Rohstoffen kaufen, die Sportsachen mit Bio-Waschmitteln reinigen, bei Wettkämpfen hinterher Müllsammeln, Stofftaschen statt Plastebeutel verwenden und, und, und.

 

Joggen ist gesund, umweltfreundlich und trotzdem sportlich. Wie BMW – halt, stopp, das steht da natürlich nicht. Trotzdem wird etwas davon auf die Automarke abfärben. Ohne dass auch nur ein bisschen gelogen oder geflunkert, getrickst oder übertrieben wurde. Weil ja gar nichts wirklich ausgesprochen worden ist.

 

Schlagworte: BMW, Sponsoring, Autos
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