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Greenpeace Magazin Ausgabe 5.16

Ist Phosphor wirklich endlich? Werden dann nicht nur die Düngemittel knapp, sondern auch die Lebensmittel?

Text: Frauke Ladleif

fragt Isabell Walser aus Lörrach

Phosphor steckt in unserem Blut und in unseren Knochen. Jeden Tag scheiden Mensch und Tier den Stoff mit dem Urin aus. Pflanzen dient er, in Dünger gemischt, als Wachstumstreiber. Und ja: „Phosphor ist grundsätzlich endlich“, sagt Daniel Frank, Geschäftsführer der Deutschen Phosphor-Plattform, einem Verein mit Mitgliedern aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. „Doch so dramatisch, wie die Situation vor einigen Jahren dargestellt wurde, ist sie nicht mehr. Neue Reserven wurden entdeckt. Insgesamt reichen sie noch für 300 bis 400 Jahre.“

Problematisch ist die Verteilung des Phosphatgesteins – auf nur vier Länder: Marokko, China, die USA und Russland. „China exportiert schon jetzt kein Phosphat mehr, da es alles für die heimische Wirtschaft braucht“, sagt Frank. Wegen der Abhängigkeit von Importen hat die Europäische Union Phosphor als kritischen Rohstoff eingestuft. Sie investiert in die Erforschung von Recyclingmethoden, denn durch die tierischen und menschlichen Ausscheidungen sammelt sich viel Phosphor in der hiesigen Kanalisation und in der Gülle. In den Niederlanden stehen bereits die ersten großtechnischen Recyclinganlagen. Laut Daniel Frank sind aber viele Verfahren noch in der Probephase. Am weitesten entwickelt sind jene, die das Phosphat aus Abwasser oder Klärschlamm gewinnen.

Und Recycling ist ohnehin nicht das Allheilmittel. In der Biolandwirtschaft setzt man seit jeher auf die Selbstregulierungskräfte der Natur. Denn durch den Kreislauf von Leben und Tod ist der Boden meist ausreichend mit Phosphor versorgt. Der Stoff muss nur richtig erschlossen werden. Beispielsweise durch ein funktionierendes Miteinander der Organismen im Boden. So beliefern Endomykorrhiza-Pilze die Pflanzen mit versickertem Phosphor. Das weiß auch der Biologe Arthur Schüßler. Er züchtet die Pilze, um sie zu vermarkten (GPM 4.16). Denn mit ihnen ließen sich rund 40 Prozent des weltweit verwendeten Düngers einsparen, schätzt er. Zurück zu den Wurzeln also – im wahrsten Sinne.