Greenpeace Magazin Ausgabe 4.02

Jagen. "Heia Safari!"

Etwa 5000 Deutsche fahren jährlich zur Großwildjagd nach Afrika. Wer genug zahlt, darf selbst auf gefährdete Arten schießen.

Das günstige Buffalo Package kann man gleich online buchen: Für 8430 Euro vermittelt der österreichische Anbieter Top-Jagd im „neu erschlossenen Jagdland Mosambik“ so genannte Big Game Safaris – „unter weißen Berufsjägern“. Alternativ ist auch das Crocodile Package zu haben: Im Preis sind „ein Krokodil und ein Hippo inbegriffen“, die Jagd ist „natürlich kombinierbar mit allen anderen Wildarten“.

Wäre da nicht die moderne Vermarktung übers Internet, die Offerten und Bilder der zahlreichen Anbieter von Jagdreisen nach Afrika erschienen wie Relikte aus Kolonialzeiten: Schwitzende Europäer posieren hinter Antilopen und Büffeln und halten die Köpfe der Tiere, an deren Flanken die Waffe lehnt, fürs Beweisfoto in Richtung Kamera.

Das großzügige Angebot der Jagd „auf alle afrikanischen Wildarten“ ist kaum übertrieben. Die Safaris bieten Gelegenheit zum Abschuss von Zebras, Warzenschweinen und Hyänen, von Kudus, Oryxantilopen und Giraffen – und von Rote-Liste-Arten: Wer genügend Geld hinblättert, darf noch im 21. Jahrhundert zum Spaß Leoparden, Geparde, Löwen, sogar Elefanten und Nashörner töten. Das Washingtoner Artenschutzabkommen lässt die regulierte Jagd auf geschützte Arten zu, und für den „persönlichen Gebrauch“ ist auch die Einfuhr von Trophäen in die EU gestattet. Befürworter argumentieren: „Use it or loose it!“ – nur wenn das Wild wirtschaftlichen Nutzen bringe, werde es auch effektiv geschützt. Ob Großwildjagd aber auch ethisch vertretbar ist, steht auf einem anderen Blatt. Afrikaner, die aus Hunger und Not Tiere wildern, müssen jedenfalls damit rechnen, von Parkrangern erschossen zu werden. Dagegen lassen sich die gut betuchten Abenteurer in Botsuana, Sambia oder Tansania, meist aber in Südafrika oder Namibia – dem ehemaligen Deutsch-Südwestafrika, wo noch immer die meisten Jagdtouristen Deutsche sind – mit Jeeps und Flugzeugen zu Camps und Lodges in den Busch bringen. Von dort aus gehen sie, teils in freier Wildbahn, teils in eingezäunten Reservaten, auf die Pirsch oder warten „auf komfortablen Hochsitzen an Wasserstellen und Salzlecken“, wie ein Anbieter wirbt, auf die Tiere.

Von WOLFGANG HASSENSTEIN

Oryx
Oryx gazella - Hunters Safari/Südafrika: 700 Euro
Antilopen und andere Huftiere sind entsprechend ihrer Häufigkeit und der vergleichsweise geringen Abschussgebühren die begehrteste Beute von Jagdtouristen. Besonders beliebt sind prächtige Trophäenträger wie die Oryxantilope, die deshalb oft in Wildtierfarmen gehalten wird.

Gepard
Acinonyx jubatus - Erindi/Namibia: 3000 Euro
In weiten Teilen Afrikas ist er längst ausgestorben, doch gibt es in einigen ungestörten Regionen im südlichen Afrika noch größere Bestände. In den letzten Jahren durften jeweils in Namibia 150, in Simbabwe 50 und in Botsuana fünf Geparde geschossen werden — Quoten, die alljährlich von den Vertragsstaaten des CITES-Artenschutzabkommens festgelegt werden.

Afrikanischer Elefant
Loxodonta africana - Roger Whittal Safari/Zimbabwe: 8750 Euro
„Mein Lieblingskaliber für Afrika ist 416 Rigby. Ich habe damit vom Grysbok bis zum Elefanten etliche Stücke ganz unterschiedlicher Wildarten erlegt“, berichtet ein Waffenexperte vom Fachblatt „Jagen weltweit“. Einige Elefanten-Populationen sind vom strengen Schutz des Artenschutzabkommens ausgenommen. Ihr Abschuss ist legal — und begehrt.

Löwe
Panthera leo - Roger Whittal Safari/Zimbabwe: 3800 Euro; Wild Footprints/Tansania: 3500 Euro
„Die Erfolgsquote auf Mähnenlöwen liegt im Jagdgebiet Kilombero South in Tansania bei 100 Prozent“, wirbt das CS-Jagdkontor. Im weit größten Teil ihres
ursprünglichen Verbreitungsgebietes sind Löwen längst ausgerottet, doch gebietsweise gibt es noch genug für die Jagd. Im Notfall wird mit der Zucht in Wildgehegen nachgeholfen.

Breitmaulnashorn
Ceratotherium simum - Dangerous Game Hunts/Südafrika: 35.000 Euro
Die Kolonialherren im südlichen Afrika, denen die Großwildjagd edelster Freizeitsport war, rotteten viele Arten beinahe aus. Vor 100 Jahren gab es nur noch etwa 20 südliche Breitmaulnashörner. Doch ihr Schutz hatte Erfolg, der Bestand stieg auf 9700 Tiere. Ein Prozent gibt Südafrika jährlich zum Abschuss frei — und kassiert dafür 2 Millionen Euro Gebühren.

Giraffe
Giraffa camelopardalis - Dumukwa Safaris/Südafrika: 1900 Euro
In vielen Gebieten kommen Giraffen, auch infolge der Bejagung, nicht mehr vor. Zunehmend werden sie aber in Wildreservaten und Privatfarmen angesiedelt. Weil die Tiere beinahe so robust sind wie Dickhäuter, braucht man große Kaliber, um sie zu töten.

Leopard
Panthera pardus - Wild Footprints/Tansania: 3000 Euro
Leoparden werden meist mit „Ludern“ vor den Gewehrlauf gelockt. Bei einer 14-Tage-Safari der Westfalia-Jagdreisen bekommen die Jagdgäste deshalb erstmal Gelegenheit zum Abschuss einer Impala-Antilope, die sie zum Anlocken nutzen. Die CITES legt für jedes Land Leoparden-Quoten fest, für Botsuana im Jahr 2002 zum Beispiel 130 Tiere.