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Jubel für die Meeresgötter

Greenpeace Magazin Ausgabe 1.18

Jubel für die Meeresgötter

Text: Wolfgang Hassenstein

Ernst Haeckel hat Darwins Evolutionstheorie in Deutschland bekannt gemacht, schuf Begriffe wie Stammzelle und Ökologie und war der Popularisierer der Biologie schlechthin. Seine besondere Liebe aber galt den Lebewesen der Ozeane, die er in faszinierenden Zeichnungen festhielt. Nun zeigt ein monumentaler Band seine zoologischen Bildtafeln, die nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Kunst seiner Zeit bereicherten

Der Fund einer neuen Art ist für viele Biologen das höchste der Gefühle. Doch würde heute wohl kein Wissenschaftler mehr so unverblümt und enthusiastisch seinen Entdeckerfreuden Ausdruck verleihen wie ein Naturforscher im 19. Jahrhundert. Gerade 26-jährig schrieb der deutsche Arzt und Zoologe Ernst Haeckel im Februar 1860 aus dem sizilianischen Messina an seine Verlobte Anna Sethe: „Der glücklichste Tag – wahrscheinlich in wissenschaftlicher Beziehung der glücklichste für mein ganzes Leben – war der 10. Februar, wo ich, als ich früh wie gewöhnlich mit dem feinen Netz auf den Fang ausfuhr, nicht weniger als 12 (zwölf!!) neue Arten erbeutete und darunter die allerreizendsten Tierchen!“ Der Glücksfang habe ihn „halb unsinnig vor Freude“ gemacht, so Haeckel, er sei vor seinem Mikroskop auf die Knie gefallen, habe „dem blauen Meer und den gütigen Meeresgöttern“ innigsten Dank „zugejubelt“ und ihnen versprochen, sein ganzes Leben „dem Dienst der herrlichen Natur, der Wahrheit und der Freiheit zu widmen“.

Dabei sind die winzigen Wesen, die den jungen Mann so begeisterten, den meisten Menschen bis heute unbekannt. Haeckels wissenschaftliche Leidenschaft galt den Radiolarien oder Strahlentierchen, deren größere Exemplare gerade mal einen halben Millimeter messen. Mithilfe eines tausendfach vergrößernden Mikroskops gelang es ihm, die kugel- und mützenförmigen Gitterskelette der Einzeller so detailliert zu zeichnen, dass er damit den Betrachtern, ob Laien oder Fachkollegen, eine neue Welt eröffnete. Nie zuvor hatte es so filigrane Darstellungen von Kleinstlebewesen gegeben, die mit bloßem Auge kaum sichtbar sind, nie zuvor waren solche Einblicke in den Mikrokosmos der Meere möglich.

1862 erschien Haeckels Werk über die Radiolarien, eine Monografie mit 35 prächtigen Bildtafeln, mit der er den Grundstein für eine beispiellose Karriere legte. Im selben Jahr wurde er zum Professor an der Universität Jena berufen. (...)

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