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Greenpeace Magazin Ausgabe 5.16

Kann sich ein Hartz-IV-Empfänger oder ein Rentner mit Grundsicherung ethischen Konsum leisten?

Text: Frauke Ladleif

fragt Sandra Labs aus Mönchengladbach

Diese Frage hat sich vor einigen Jahren auch die Journalistin Rosa Wolff gestellt. Der Münchnerin musste selbst fast Hartz IV beantragen, also machte sie aus der Not eine Tugend: Einen Monat lang ernährte sie sich ausschließlich von Bio-Produkten – mit dem damaligen Hartz-IV-Satz für Lebensmittel in Höhe von 132 Euro. Ihr Fazit: „Ich habe es mit Ach und Krach geschafft.“ Wie? Indem sie alles selbst kochte und backte. Die Zutaten kaufte sie in kleinen Bioläden, weil man dort Gemüse und Obst einzeln bekommt. Fleisch gab es „gestreckt“, als Geschnetzeltes oder als Hack. Verzichten musste sie nur auf Luxusprodukte wie Erdbeeren oder Spargel. „Ich möchte die Armut nicht schönreden“, sagt sie rückblickend. „Aber ich habe mich in der Zeit sehr gut ernährt. Weil ich bewusster gegessen habe.“ Über ihre Erfahrungen schrieb sie das Buch „Arm aber Bio!“, das sie vor Hartz IV rettete. Heute liegt das Budget für Lebensmittel bei 143 Euro. „Hartz IV soll Leistungsberechtigten ein Leben ermöglichen, das der Würde des Menschen entspricht – und damit der gesellschaftlich üblichen Lebensweise“, erklärt Reiner Höft-Dzemski vom Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge. Den Grünen reicht der aktuelle Regelsatz nicht. Sie fordern eine Anhebung um 16 Euro, um dem Preisanstieg bei Lebensmitteln besser Rechnung zu tragen. Durch laufende Anpassungen sollten zudem höhere Preise durch die Umstellung auf eine nachhaltigere Landwirtschaft ausgeglichen werden.