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Greenpeace Magazin Ausgabe 1.18

Klima wird zur Politik

Text: Kerstin Eitner

Monatelang haben sich die Beratungen in diversen Ausschüssen hingezogen, schließlich ist es so weit: Am 3. Dezember 1987 setzt Bundestagspräsident Philipp Jenninger (CDU) die Enquête-Kommission „Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre“ ein. Zuvor haben sich alle im Bundestag vertretenen Fraktionen – CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne – über deren inhaltliche Ausrichtung geeinigt.

Besetzt mit neun Abgeordneten und neun externen Fachleuten soll sie im Auftrag des Parlaments die weltweiten Klimaveränderungen, menschliche Einflüsse und mögliche Gegenmaßnahmen untersuchen. Zu diesem Zeitpunkt diskutieren Experten das Thema bereits breit. Die Weltorganisation für Meteorologie hat es 1979 erstmals auf die Tagesordnung einer Konferenz gesetzt, in Deutschland schlugen kurz vor der Einsetzung der Enquête-Kommission die Deutsche Meteorologische Gesellschaft und die Deutsche Physikalische Gesellschaft mit ihrem Aufruf „Warnung vor drohenden weltweiten Klimaänderungen durch den Menschen“ Alarm. Furore hat im August 1986 auch ein Spiegel-Titel mit einer Montage des von Wasser umspülten Kölner Doms gemacht.

Der 1700-seitige Abschlussbericht, den die Enquête-Kommission 1990 vorlegt – ein Jahr, bevor die internationale Staatengemeinschaft den Weltklimarat (IPCC) ins Leben ruft – enthält dann sowohl nationale als auch internationale Handlungsempfehlungen. Unter anderem soll Deutschland den Ausstoß von CO2 bis 2005 um 25 Prozent senken, ein großes Ziel für die damalige Zeit. Um es zu erreichen, sollen Gesetze geändert, Abgaben erhoben, Anreize gesetzt und Institutionen wie etwa Energiesparagenturen gegründet werden. Heute wissen wir, dass beim Klimaschutz alles etwas länger dauert. Seit der ersten Weichenstellung für eine nationale Klimapolitik sind nun dreißig Jahre vergangen – und Deutschland verfeuert immer noch Braunkohle.