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Greenpeace Magazin Ausgabe 6.15

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Text: Julia Lauter

Wer mehr als das Zwei-Grad-Ziel schaffen will, muss 360 Grad denken. Kurz vor der Klimakonferenz in Paris präsentieren junge Entwickler ein optimistisches Kontrastprogramm: Open-Source Erfindungen, die Ökologie und Lebensqualität verbinden. Wir stellen fünf ihrer Projekte vor

Die 3D-Drucker sind der Ruhepol auf Château Millemont. Umringt von meterhohen Fenstern mit schweren Vorhängen stehen sie in der zentralen Halle des 500 Jahre alten Schlosses und stellen leise surrend und in aller Gemächlichkeit die Teile her, auf die die Entwickler sehnsüchtig warten. Um sie herum herrscht kreatives Chaos: Im Spätsommer treffen sich hier, 50 Kilometer westlich von Paris, fünf Wochen lang rund 100 Entwickler zu einem Innovationscamp, um ihre Projekte für ein klimagerechte Zukunft voranzutreiben. Die alten Scheunen des Guts wurden zu Werkstätten, der Garten zum Zeltplatz. Auf dem Gelände stehen nun drei riesige Holzkuppeln, die aussehen wie Boten aus einer fernen Galaxis. Dort werden die Prototypen der Öffentlichkeit vorgestellt: Visionen für eine ressourcenschonende Zukunft, allesamt nach dem Open-Source-Prinzip mit frei verfügbaren Konstruktionsplänen und für jeden nachbaubar.

„Für einen Kuchen braucht man ein Rezept. Und statt es geheim zu halten, teilen wir unser Rezept, damit es immer besser wird“, sagt Justyna Swat von Oui Share, einem internationalen Netzwerk zur Förderung der Gemeinschaftsökonomie. Es veranstaltet das Camp zusammen mit dem Berliner Thinktank Open State unter dem Namen POC 21. Das steht für „Proof of Concept“: Die Teilnehmer wollen beweisen, dass eine andere Welt möglich ist. Das Camp ist ein Gegenentwurf zu der im Dezember in Paris stattfindenden 21. internationalen Klimakonferenz, der sogenannten COP 21, und sein Titel ein augenzwinkernder Verweis. „Die guten Ideen sind schon da, wir müssen sie nur verbreiten“, sagt Daniel Kruse von Open State. Aus mehr als 200 Einsendungen junger Erfinder haben die Veranstalter zwölf Projekte aus den Bereichen Energie, Mobilität und Ernährung ausgewählt. Unterstützt werden die Teilnehmer von Produktdesignern, Ingenieuren und Marketingexperten, die sie als Mentoren beraten. Viele stellen ihr Know-how kostenlos zur Verfügung, andere werden von dem Geld bezahlt, das Stiftungen und Unternehmen für das Camp gespendet haben.

Manche Projekte klingen beinahe zu gut, um wahr zu sein. Ob die Prototypen ihre Versprechen halten, wird sich zeigen müssen. Doch auch jetzt schon eröffnet sich auf Schloss Millemont eine ermutigende Perspektive: Menschen, die ihre Ideen mit anderen teilen und ihr Können – statt daraus Kapital zu schlagen – in den Dienst der Gesellschaft stellen. Das klinge romantisch, sei aber in Wirklichkeit pragmatisch, sagt Swat: „Open Source hat sich im Bereich von Wissen und Kreativität, wie zum Beispiel bei Wikipedia, schon bewährt. Jetzt wollen wir beweisen, dass das auch mit Maschinen möglich ist.“

Die Idee der „Open Hardware“ gibt es spätestens seit 2002, als das erste FabLab am Massachusetts Institute of Technology gegründet wurde, um Hochtechnologie auch für kleine Arbeitsgruppen und Privatpersonen zugänglich zu machen. Mit 3D-Druckern, computergesteuerten CNC-Fräsen und Laser-Cuttern werden in diesen offenen Werkstätten Innovationen vorangetrieben, FabLabs gibt es mittlerweile auf der ganzen Welt. „Es geht dabei um Selbstermächtigung und die Redemokratisierung von Produktionsprozessen“, sagt Kruse. Anstatt auf Lösungen aus der Politik oder der Industrie zu warten, sind bei der Open-Source-Bewegung alle Menschen eingeladen mitzuwirken.

Wer den Garten des Schlosses durchquert, die Holzkuppeln und die Zeltstätte der Vordenker hinter sich lässt, stößt am Rand des Geländes auf einen besonderen Baum. Einige der Teilnehmer haben hier zu Beginn des Camps ihre Wünsche auf Holzplatten geschrieben und sie an den tief hängenden Ästen befestigt. Viele sind schon verwaschen, doch einer ist noch deutlich lesbar: „Die Welt verbessern: Wir wissen in unserem Herzen, dass es möglich ist.“

Lowtech-Windturbine_Strom aus dem Vorgarten
Ein altes Rad, Aluminiumplatten, etwas Draht und ein paar Schrauben – für Daniel ist das nicht ein Haufen Schrott, sondern der Schlüssel zu einer zukunftsweisenden Energieversorgung. Er hat ein Windrad aus recyceltem Material für den Hausgebrauch entwickelt. Das Design dafür war bereits veröffentlicht, aber es gab keine Bauanleitung. Daniel hat die Turbine mit einem Minimum an Werkzeug und Material nachgebaut und will anderen die Gelegenheit geben, es ihm gleichzutun. „Ich baue Sachen nicht schön, sondern so einfach wie möglich“, sagt Daniel. Herausgekommen ist dabei eine Windturbine mit vertikaler Achse, die sich besonders für die dezentrale Energieversorgung eignet. „Normalerweise sind diese Turbinen schwieriger herzustellen und mit mehr Materialkosten verbunden. Das ist jetzt anders, mein Windrad kann jeder für 26 Euro nachbauen.“ Diese „liegenden“ Turbinen sind robuster als die gängigen großen Windkraftanlagen (mit horizontaler Achse) und produzieren auch an nicht optimalen Windstandorten zuverlässig Strom. Für die Installation muss man nicht unbedingt wissen, wo der Wind am stärksten ist. Daniels Idee: Statt eines teuren Windrades stellt man zehn günstige auf, macht damit eine Wind-Diagnose und passt die Standorte an das Ergebnis an.

Seine Vision von der hausgemachten Stromversorgung verfolgt Daniel mit Leidenschaft. Eine Ausbildung in diesem Bereich hat er nicht. „Seit ich 13 bin, baue ich alles Mögliche. Zuletzt hab’ ich mein Geld mit 3D-Animationen verdient, jetzt gebe ich manchmal Workshops, um die Idee und die Technik der Turbine bekannt zu machen.“

Bei einer Windgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern – oder, wie Daniel sagt, „wenn die Baumspitzen anfangen, sich zu bewegen“ – produziert die Turbine etwa 38 Watt. Damit kann zum Beispiel ein Handy mit Windenergie aufgeladen werden.

Das Teuerste an dieser Konstruktion ist die Umwandlung der Windenergie in Strom. „Je nach Land kosten die Batterie und der Laderegler bis zu 100 Euro, im globalen Süden habe ich aber auch gebrauchte Batterien für weniger als zehn Euro gefunden“, sagt Daniel. Das Windrad ist für den Entwickler kein Businessmodell. „Um so ein Projekt zu monetarisieren, muss man Exklusivität herstellen, die Idee kontrollieren. Aber meiner Ansicht nach können wir Ideen nicht kontrollieren.“ Deshalb erzähle er jedem, der es hören wolle, wie seine Turbine funktioniert und wie sie nachgebaut werden kann.

Mit der Übersetzung nützlicher Konstruktionen von Hightech zu Lowtech will Daniel den gesellschaftlichen Wandel vorantreiben. Nicht nur seines, sondern auch die anderen Projekte auf dem Camp leisteten Grundlagenarbeit für eine Zukunft in Zeiten des Klimawandels. „Hier geht es darum, eine parallele Zivilisation aufzubauen, während die andere dabei ist, sich selbst aufzufressen.“ Auf die Frage, wie er die Chancen für umfassende und zeitnahe Veränderungen einschätzt, antwortet er: „Ich glaube, es steht 50 zu 50.“ Nach kurzem Zögern fügt er hinzu: „Wenn es nicht klappt, sind wir am Arsch.“

Projekt: Lowtech-Windturbine
Personen: Daniel Connell, 37 (Großbritannien)
Kosten: 26 Euro für die Turbine, rund 150 Euro für Laderegler und Batterie
Innovation: Recycling-Windrad, das auch bei nicht optimalem Wind Strom erzeugen kann

Vélo M2_Lastenkombi aus Wadenkraft
„Auf die Idee gekommen sind wir durch den Bagelverkäufer“, sagt Milena. „Nein, es war ein Hotdogstand“, sagt Florent. „Nein, ein Bagelverkäufer!“ Nach kurzem Hin und Her einigen sie sich: Es war ein Bagelverkäufer. Der hatte sein Fahrrad zu einem Verkaufsstand umgerüstet und inspirierte sie zu ihrer Idee: ein Lastenrad mit variablen elektrischen Modulen. Ihre Zielgruppe sind innovative Betriebe und die „Recht auf Stadt“-Bewegung, die den öffentlichen Raum für sich beanspruchen. Es gibt beispielsweise ein Modul für ein mobiles Kino, das Projektoren und Lautsprecher enthält und sie mit Energie versorgt. Das Team entwickelt auch einen Waffelstand-Aufsatz und plant ein fahrbares FabLab.

Das Ziel ist, die Batterie, mit der die Geräte betrieben werden, sowohl mit Erneuerbaren als auch mit Pedalkraft aufladen zu können. „Wenn sieben Kinobesucher während des Films in die Pedale treten, dann reicht das für die ganze Vorführung!“, sagt Milena. Die Herausforderung dabei sei, dass die Spannung aus diesen Energiequellen nicht stabil ist. „Wir kalkulieren damit, dass den Kinobesuchern auch mal die Puste ausgehen kann.“

Milena und Florent arbeiten als Elektroingenieure, sie kennen sich seit dem Studium. An dem wandelbaren Lastenrad arbeiten sie gemeinsam mit sozialen Initiativen aus Brüssel, die das Vorhaben finanzieren. 4000 Euro stellten sie den Entwicklern zur Verfügung, um das Projekt voranzutreiben. Die kauften davon zunächst ein Open-Source-Lastenrad des dänischen Kollektivs N55. „Ein Rad selbst zu entwickeln hätte zu lange gedauert“, sagt Florent. Und Milena ergänzt: „Außerdem liegt unsere Stärke in der Umsetzung der elektrischen Module.“ Das „XYZ Cargo Bike“ ist nun die Grundlage für ihren Aufbau. Mit dem Projekt macht die Gruppe ihre ersten Schritte in der Open-Source-Welt – und ist begeistert: „Hier geht es um bessere Lösungen, nicht darum, wie man mehr Geld machen kann“, sagt Florent.

Projekt: Vélo M2
Personen: Milena Sonneveld, 25, Florent de Ganck, 25 (Belgien)
Kosten: 2400 Euro für das Modul, 1400 Euro für das Rad (Kollektiv N55)
Innovation: Elektrisches Modul, das Lastenräder in mobile Kinos, Waffelstände oder FabLabs verwandelt

Solarose_Sonnen-Kraftwerk für Visionäre
50 Maschinen braucht man, um eine neue, nachhaltige Zivilisation mit modernen Annehmlichkeiten aufzubauen. Das ist die Vision der Initiative Open Source Ecology: ein „Zivilisationsbaukasten“. Die 50 Gerätschaften sollen den Weg ebnen für eine breitere Verteilung der Produktionsmittel und eine umweltgerechte Wertschöpfungskette. Open-Hardware-Entwickler auf der ganzen Welt haben sich der Aufgabe angenommen, die vorgeschlagenen Maschinen zu entwickeln und ihre Baupläne für alle offen zugänglich zu machen. Für 14 von 50 gibt es schon Baupläne. Eine der noch nicht entwickelten Maschinen wollen Andrea und sein Team von Open Source Ecology Frankreich nun zum Leben erwecken: ein Solarthermie-Kraftwerk, das ein Dorf oder eine kleine Industrieanlage mit Energie versorgen kann. Seit einem Jahr arbeitet ein 24-köpfiges Team von Ingenieuren, Physikern, Mechanikern und IT-Spezialisten an der Konstruktion – im Camp entsteht nun der Prototyp der „Solarose“.

Die funktioniert so: Gebogene Aluminiumspiegel leiten Sonnenlicht in die Mitte der Installation. Dort verläuft ein Rohr mit Wasser. Durch die konzentrierte Sonnenwärme wird es wie in einem Brennglas erhitzt und verwandelt sich in Wasserdampf mit Temperaturen zwischen 150 und 250 Grad. Der kann in Anlagen der Lebensmittelindustrie (zum Kochen, Backen, Waschen oder Sterilisieren) und der Chemieindustrie (bei der Herstellung von Seifen oder synthetischem Gummi) verwendet werden. „Man kann damit auch einen Hamam betreiben“, sagt Andrea. Die Wärme könne aber auch zum Heizen von Häusern genutzt oder mit Turbinen und Generatoren in Elektrizität umgewandelt werden.

Mit seinem Kleinkraftwerk will das Team eine neue Form der Unabhängigkeit von der zentralen Energieversorgung ermöglichen, besonders für kleine Unternehmen und Ökodörfer. „Wir nutzen mit der Solarose die Sonnenenergie, aber im Gegensatz zu Fotovoltaik-Anlagen kann jeder alles selbst bauen.“ Das gesamte Material für den Solarkonzentrator ist überall zu haben. Zugang zu einem 3D-Drucker und einer CNC-Fräse reichten aus, um die Anlage nachzubauen.

Das technologische Prinzip wurde bisher vorwiegend in großindustriellen Zusammenhängen, zum Beispiel in riesigen Wüstenkraftwerken in den USA, verwendet. Durch die Arbeit von Open Source Ecology Frankreich steht sie nun auch für kleinere Projekte zur Verfügung. Die Materialkosten liegen bei weniger als 5000 Euro. Die Entwickler gehen davon aus, dass die Solarose an einem sonnigen Tag etwa 25 Kilowattstunden Energie produzieren werde.

„Wir brauchen nicht viel Geld, um Fortschritt und Innovation hervorzubringen“, sagt Andrea und weist darauf hin, dass sie die Materialkosten für die Entwicklung ihres Prototyps per Crowdfunding sammeln konnten. Mit ihrer für alle zugänglichen Energiegewinnungstechnik wollen sie zu einer ökologischen und ökonomischen Transformation beitragen. „Unser Ziel ist es, die Erde zu einem besseren Ort zu machen“, sagt Andrea.

Projekt: Solarose
Personen: Hugo Frederich, 29, François Veynandt, 30, Andrea Sannuto, 37 (Frankreich)
Kosten: 3000 Euro
Innovation: Solarkonzentrator, der Solarthermie für kleine Unternehmen und Ökodörfer nutzbar macht

OwnFood_Gemüse-Labor für Selbstversorger
Anbaueffizienz und natürliches Essen, für das Team von OwnFood ist das kein Widerspruch. Das Projekt verbindet zwei Anbaumethoden zu einem hocheffizienten Bio-Gemüsegarten: Auf der einen Seite die naturnahe Permakultur, bei der ein Garten als regenerativer Kreislauf so angelegt wird, dass sich die verschiedenen Arten gegenseitig positiv beeinflussen. Auf der anderen Seite das futuristisch anmutende Aquaponik-System, bei dem die Ausscheidungen der Fische als Dünger für die Aufzucht von Pflanzen verwendet werden. Die Erfinder geben sich unideologisch: „Wir kümmern uns nicht um Philosophie, sondern darum, wie Leute in Zukunft Essen auf den Tisch bekommen“, sagt Cassandra. Mit ihrem Modell wollen sie die Nahrungsmittel-produktion dezentralisieren und zeigen, dass jeder mit den richtigen Mitteln auf kleiner Fläche viel gesundes Gemüse anbauen kann, ohne zusätzlichen Dünger und mit nur 20 Minuten Arbeitsaufwand am Tag. „Die Zahl der bezahlten Arbeitsplätze wird in Zukunft weniger werden. Gleichzeitig ist biologisch angebautes Essen schon jetzt teuer“, sagt Cassandra. Die Kombination aus Aquaponik und Permakultur wird in einem Gewächshaus untergebracht, das mit der Abwärme aus dem Haushalt beheizt werden kann. Darin beginnt die Anbausaison rund zwei Monate früher als im Freiland. Die Pflanzensetzlinge werden im Gemüse-Fisch-Kreislauf angezogen und können schon nach einer halben Woche in die Permakultur versetzt werden. Wenn Michaël davon erzählt, gerät er ins Schwärmen: „Es gibt nichts Effizienteres!“ Die beiden Systeme greifen ineinander und sichern die Gemüseversorgung: So soll ein Vier-Personen-Haushalt auf nur 24 Quadratmetern seinen Gemüsebedarf zu 80 Prozent decken können.

Die softwaregesteuerte Überwachung des Gartens unterstützt die Open-Source-Gärtner dabei. „Das kommt dabei raus, wenn man Software-Entwickler vor ein Beet setzt“, sagt Cassandra und lacht. Michaël sagt: „Uns ist es wichtig zu zeigen, dass man nicht lei-den und hart arbeiten muss, um gutes Essen zu ernten“. Das Netzwerk derer, die sich für die Idee von OwnFood begeistern und sie mit den Erfindern weiterentwickeln, umfasst bereits rund 100 Menschen. Zwei wollen die Installation in naher Zukunft testen.

Projekt: OwnFood
Personen: Michaël Gandecki, 29, Cassandra Francis, 28 (Frankreich)
Kosten: 4000 Euro für ein fertiges Set
Innovation: Ein computergesteuertes Gemüse-Anbausystem für die effiziente Selbstversorgung

ShowerLoop_Heiße Dusche mit Abwasser
Über die Sache mit der Dusche denkt Jason schon lange nach. „Als ich noch klein war, hab’ ich mich gewundert, warum beim Duschen das verbrauchte Wasser nicht recycelt wird. Und irgendwie hat mich die Idee dann nicht mehr losgelassen.“ Jason wurde Umweltingenieur und entwickelte die ShowerLoop („Duschschleife“). Die Idee ist simpel: Statt in den Abfluss zu laufen, wird das benutzte Wasser zurück zum Duschkopf gepumpt. Dabei durchläuft es einen Gravitations-, einen Sand-, einen Aktivkohle- und einen Mikrofaserfilter sowie eine Sterilisation mit ultravioletter Strahlung – danach ist das Wasser sauber und bedenkenlos wieder benutzbar. Bis zu 13 Liter pro Minute können direkt wiederverwertet werden. Wichtiger noch als das Wasserrecycling ist Jason die Nutzung der Energie im Duschwasser: Mit einem Wärmetauscher wird die Temperatur des benutzten Wassers dazu genutzt, das frische Wasser zu erwärmen. „So muss kein neu erhitztes Wasser zugeführt werden, um angenehm warm duschen zu können“, sagt Jason. Seine Erfindung lässt sich einfach an jede bestehende Dusche anschließen. „Eine normale Dusche verbraucht 15-mal mehr Wasser und zehnmal mehr Energie. Die ShowerLoop liegt, was Energieeffizienz angeht, weit über dem Niveau von A+++“, sagt Jason. Er ist stolz auf seine Idee – trotzdem will er sie nicht für sich allein beanspruchen. Alle Pläne für die ShowerLoop sind online verfügbar, jeder kann sie nachbauen. „Meine Meinung ist: Ideen entstehen jederzeit, überall. Ohne Open-Source-Informationen wüssten wir alle nichts. Unser Wissen basiert auf zugänglichen Erkenntnissen der Vergangenheit.“ Deshalb entschied sich Jason dagegen, Investoren zu suchen und ein konventionelles Start-up zu gründen. Heute finanziert er sein Leben mit Gelegenheitsjobs und entwickelt seine Idee gemeinsam mit findigen Bastlern aus aller Welt ständig weiter.

Projekt: ShowerLoop
Person: Jason Selvarajan, 29 (Finnland)
Kosten: 1500 Euro für ein fertiges Set
Innovation: Duschapplikation, die (in Deutschland) pro Person pro Jahr 300 Euro Heiz- und Wasserkosten spart