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lügendetektor20. Februar 2013
Bild: Der Irrsinn mit den SchlagzeilenSeit einer Woche liefert der Pferdefleisch-Skandal den Medien täglich Schlagzeilen, weil immer mehr betroffene Produkte und immer neue Details über die kriminellen Methoden der Fleischpanscher bekannt werden. Um sich da von der Konkurrenz noch abzuheben, hat sich die Bild-Zeitung am Mittwoch eine Variante ausgedacht Fünfzig verschiedene Lebensmittel-Label druckte das Blatt auf Seite eins ab, größtenteils die Siegel der Bioverbände und Bio-Markenembleme. Das sah gut aus und vermittelte den Eindruck, die Biobranche sei in den Pferdefleischskandal irgendwie verstrickt. Erst auf der zweiten Seite erfuhr man dann, was „der Pferdefleisch-Skandal“ beziehungsweise die Bild-Zeitung tatsächlich aufgedeckt hatten: „Die Tortelloni Marke Combino enthielt Pferdefleisch – und war gleichzeitig mit dem Gütesiegel der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) ausgezeichnet.“ Hier stellte die Zeitung plötzlich auch die richtigen Fragen: „Was nützt ein Gütesiegel, wenn nicht drin ist, was draufsteht?“ Das DLG-Siegel, das auf Seite eins zwischen 49 anderen Siegeln kaum auffiel, steht seit langem in der Kritik, weil es fast gar nichts aussagt: Es wird an konventionelle Lebensmittel verliehen, nicht staatlich überprüft und prangt auf zahllosen Produkten zweifelhafter Qualität. Der Bild-Zeitung erklärte ein DLG-Sprecher, die Siegelvergabe erfolge vor allem aufgrund von Aussehen, Konsistenz, Geruch und Geschmack. Im Jahr 2011, kurz bevor die katastrophalen hygienischen Zustände bei „Müller-Brot“ bekannt wurden, erhielten 14 Produkte dieser Marke DLG Gold. Auf Seite zwei zeigte die Bild-Zeitung auch noch ein paar Siegel, denen man vertrauen könne: das deutsche Bio-Sechseck, das „Ohne Gentechnik“-Logo, das „Regional-Fenster“ und die Siegel von drei großen Bioverbänden. Dass die meisten der anderen abgedruckten „Label“ sehr wohl ihre Berechtigung haben, ob nun als Hinweis auf den veganen oder glutenfreien Inhalt oder einfach als Bio-Marke, war da schon wieder zu kompliziert. Nach einem Hinweis, dass Pferdefleisch bisher in keinem einzigen Bioprodukt gefunden wurde, suchte man vergeblich. „Wer blickt da noch durch?“, fragte Bild auf dem Titel. Ganz klar: Nur derjenige, der sich bis ins Kleingedruckte auf Seite zwei überhaupt durchkämpfte. Schlagworte: Bild-Zeitung, Pferdefleisch, Bio-Siegel, DLG
8. Februar 2013
Deutsche Bahn: „Gutes Beispiel“Das Ergrünen roter Logos macht Schule: Auf das McDonald's-M folgt nun die Bahncard. Im April startet die Bahn „beim Klimaschutz in eine neue Dimension“, schreibt das Kundenmagazin DB mobil. Alle 4,8 Millionen Bahncard-Kunden und die Schlagworte: Deutsche Bahn, Bahnchef Grube, grüne Bahncard, CO2-frei, RWE, Wasserstrom
7. Januar 2013
Hamburger Abendblatt: Recherche gestoppt?Das Hamburger Abendblatt, eine der größten Lokalzeitungen Deutschlands, hat am Freitag mal wieder ein Eisbärenfoto aus dem Archiv gekramt und auf Seite 1 groß mit der Frage aufgemacht:
„Neue Studie des Weltklimarates“, stand darunter: „Seit 15 Jahren kein globaler Anstieg der Temperaturen mehr. Forscher streiten über die Ursachen.“ In der Überschrift des dazugehörigen Artikels im Wissenschaftsteil, der auch im Internet zu lesen ist, gibt es schon gar kein Fragezeichen mehr: „Erderwärmung macht erst mal Pause“, heißt es dort. Ein vorläufiger Bericht des Weltklimarates IPCC liefere „neuen Diskussionsstoff zur Güte der Klimamodelle und zum Einfluss des Treibhauseffekts“. Die Autorin bezieht sich auf einen Entwurf für den nächsten IPCC-Bericht, der im Internet veröffentlicht wurde, obwohl der endgültige Report erst im kommenden September erscheinen soll. Vor allem eine Grafik daraus (Figure 1.4.), wohl gemerkt noch nicht unter den hunderten IPCC-Experten abgestimmt und zur Veröffentlichung bestimmt, wurde von sogenannten Klimaskeptikern aufgegriffen. Bei oberflächlicher Betrachtung sieht es in der Darstellung so aus, als halte die gemessene globale Temperatur in den letzten Jahren mit den IPCC-Projektionen nicht Schritt. Manche Kritiker sehen darin einen Beweis, dass die Prognosen der Klimaforschung falsch sind. Dabei wird über eine vermeintliche „Pause“ der Erderwärmung schon seit langem diskutiert, und Klimaforscher haben wiederholt betont, dass die seit etwa Anfang des Jahrtausends zu beobachtende Abflachung des Temperaturanstiegs innerhalb der natürlichen Variabilität liegt. Im Abendblatt erklärt denn auch Jochem Marotzke vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie: „Solche Plateaus tauchen auch in unseren Modellen auf.“ Dessen ungeachtet schreibt das Abendblatt, nun gerieten „die Klimamodelle in die Kritik“. Sie würden bei der Temperaturentwicklung der vergangenen 15 Jahre „klar danebenliegen, da sie eine kontinuierliche Erwärmung errechnet haben“. Zum vorläufigen IPCC-Report heißt es, der Text zeige „sehr deutlich, dass der globale Temperaturanstieg nicht mit dem ungebrochenen Wachstum des CO2-Ausstoßes übereinstimmt“. Seltsamerweise findet sich in dem durchgesickerten Entwurf aber gar keine entsprechende Textstelle. In der Erläuterung zu Grafik 1.4 wird außerdem darauf hingewiesen, dass natürliche Faktoren wie das unregelmäßig auftretende Klimaphänomen El Niño/La Niña und die Solarzyklen in die früheren IPCC-Projektionen nur zum Teil eingeflossen sind, und dass sich eine bessere Übereinstimmung ergibt, wenn man diese herausrechnet (so wie der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf es in einer neuen Studie vorschlägt; siehe dazu auch der Artikel „Das Fieber steigt“ im Greenpeace Magazin 6.12). Die auf Seite 1 des Abendblatts angekündigten „Forscher, die über die Ursachen streiten“, sucht man in dem Artikel vergeblich. Und der von der Zeitung erweckte Anschein, der IPCC sehe eine Stagnation der Erdtemperatur in den vergangenen 15 Jahren, ist schlicht falsch. Vielmehr heißt es in der Zusammenfassung: „AR4 (der letzte IPCC-Report von 2007) hat festgestellt, dass die Erwärmung des Klimasystems eindeutig ist. Neue Beobachtungen, längere Datenreihen und weitere palaeoklimatische Informationen unterstützen diesen Schluss.“ Und übrigens: Trotz des abgeflachten Trends war 2010 das bisher wärmste Jahr seit Beginn der Messungen und 2011 das wärmste La-Niña-Jahr, in denen die globale Durchschnittstemperatur normalerweise besonders niedrig ist. Im Jahr 2012 machte dann wieder einmal die Arktis Schlagzeilen, weil das Meereis auf ein Rekordminimum geschrumpft ist – die Dynamik der Entwicklung hat selbst Experten überrascht. Gibt es also, wie das Abendblatt fragt, neue Hoffnung für die Eisbären? Wohl kaum. Wenn in den Medien immer wieder der Anschein erweckt wird, selbst die Klimaforscher seien sich über die Dringlichkeit des Klimaschutzes uneinig, dann schmilzt die Hoffnung auf einen radikalen Kurswechsel in Politik und Wirtschaft so schnell wie das arktische Eis. Schlagworte: Erderwärmung, Klimawandel, Pause, Hamburger Abendblatt, IPCC, Weltklimarat, Eisbären
30. November 2012
Stubaital: Mit Airberlin zur GletscherschmelzeHamburger Bäcker kleben in letzter Zeit öfter mal Reklame-Postkarten auf die Tüten, in denen sie zum Beispiel ihre Franzbrötchen verkaufen (das ist eine Hamburger Gebäckspezialität mit Zimt). In dieser Woche, während in Katar mal wieder über den Klimaschutz geplaudert wird, verbreiten sie Werbung der Fluggesellschaft Airberlin. Tatsächlich ist es jedoch mit der Schneesicherheit im Stubaital nicht mehr so weit her. Noch bis 2002 konnte man auf dem Stubaier Gletscher nahe Innsbruck auch im Sommer Ski fahren. Doch wie bei fast allen Gletschern der Alpen schmilzt infolge der Klimaerwärmung mehr Eis, als sich nachbildet. Seit einigen Jahren werden deshalb im Sommer Teile des Stubaier Gletschers mit einem schützenden Vlies abgedeckt, um den Eisschwund zu verlangsamen – eine Reportage im Greenpeace Magazin berichtete über die „Heftpflaster für weiße Riesen“. Was anfangs als skurrile Notlösung belächelt wurde, ist fast schon zur Normalität geworden: In einem Imagefilmchen zur alljährlichen Verhüllung des Stubaier Gletschers wird nicht einmal erwähnt, dass ein Zusammenhang mit dem Klimawandel besteht. Die Gletscherränder müssen inzwischen künstlich beschneit werden, aber all das findet das Tourismusmanagement nicht weiter besorgniserregend. Lieber lockt man mithilfe von Airberlin und Brötchentütenwerbung Hamburger Familien ins „starke Tal“ – egal, dass der Hin- und Rückflug einer vierköpfigen Familie von Hamburg nach Innsbruck Treibhausgase mit der Klimawirkung von 1680 Kilogramm CO2 freisetzt. Das ist doppelt so viel wie ein Durchschnittsinder im ganzen Jahr erzeugt, wie man bei Atmosfair schnell ausrechnen kann. Falls irgendjemand im Stubaital oder Hamburg den Zusammenhang noch nicht verstanden haben sollte: Immer mehr CO2 in der Atmosphäre führt dazu, dass es immer wärmer wird, wodurch in den Alpen und anderswo die Gletscher immer schneller schmelzen – was neben dem Verlust von Skigebieten noch andere Probleme verursacht. Übrigens: Nach Innsbruck, das nicht weit hinter der deutschen Grenze liegt, kommt man – familienfreundlich, vergleichsweise klimaverträglich und ganz gemütlich – auch mit der Eisenbahn.
PPS: Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) weist darauf hin, dass es in vielen Skigebieten Extra-Services für Urlauber gibt, die mit der Bahn anreisen. Schlagworte: Stubaital, Airberlin, Anreise, Flüge, Billigflieger, Stubaier Gletscher, Gletscherschmelze, Klimawandel, CO2
4. Oktober 2012
Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft: Kunst-FälscherGalerietauglich ist das eher nicht: Filzstiftkritzeleien auf Steckdose und Raufaser zeigen zum Beispiel einen untergehenden Dampfer, eine falsche Schlange, einen ertrinkenden Schwimmer und ein Männlein, das dem Edvard-Munch-Gemälde „Der Schrei“ ähnelt. Darüber Slogans wie dieser:
In den Anzeigentexten ist die Rede von Subventionen für „willkürlich ausgewählte Technologien“. Gemeint sind die staatlich garantierten Einspeisevergütungen für Strom aus Sonne, Wind und Co. – besser bekannt als Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). „EEG stoppen – sonst scheitert die Energiewende“, warnt die „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (INSM), eine neoliberale Lobbyvereinigung des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, mit dieser Kampagne. Auf der zugehörigen Website erklärt ein gewisser Professor Doktor Manuel Frondel vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), von 2000 bis 2011 habe die EEG-Umlage auf den Strompreis die Deutschen 52 Milliarden Euro gekostet. „Die Klimaschutzwirkung“ liege aber „tatsächlich bei Null“. Huch, denkt man da. War das EEG nicht dieses Gesetz, das weltweit kopiert wurde? Das damit die Technologien mit dem Potenzial zur Weltrettung wettbewerbsfähig gemacht hat? Und das hierzulande nicht nur Wind- und Solarkraft zum Durchbruch verholfen, sondern auch deren Preis stark gesenkt hat? Doch. Das hindert den RWI-Experten Frondel aber nicht daran, zum wiederholten Mal auf „die Förderung sehr teurer Technologie – insbesondere von Solarstrom“ einzuhacken. Mit durchschnittlich 25 Cent pro Kilowattstunde sei Fotovoltaik im vergangenen Jahr bezuschusst worden – geschenkt, dass es natürlich inzwischen längst deutlich weniger ist. Worauf die INSM-Herrschaften hinaus wollen, das ist: „eine marktbasierte Quotenlösung“. Im „Quotenmodell“, das zufällig den Ideen von FDP-Fraktionschef Brüderle und Bundeswirtschaftsminister Rösler entspricht, soll der Ökostrom-Anteil staatlich festgeschrieben – sprich: gedeckelt – werden. Schließlich will Schwarz-gelb bis 2020 35 Prozent grünen Strom – nicht etwa 50! Dabei könnten die Erneuerbaren sogar noch deutlich mehr, wenn man sie denn ließe. Und gut fürs Klima wär’s natürlich auch. Dass Schützenhilfe für diese Stimmungsmache der Industrie ausgerechnet aus dem RWI kommt, ist nicht verwunderlich. Unterhält das Institut doch gute Kontakte zum Atom- und Kohleriesen RWE. Oder wie sonst soll man es verstehen, dass RWE-Finanzvorstand Rolf Pohlig bis vor kurzem Präsident des RWI-Freundeskreises war? Und das alles rechtzeitig vor Bekanntgabe der neuen EEG-Umlage, die laut RWE-Chef Peter Terium Mitte Oktober von derzeit 3,6 auf bis zu 5,4 Cent pro Kilowattstunde steigen könnte. 52 Milliarden für Erneuerbare? 5,4 Cent pro Kilowattstunde? Mann-oh-Mann! Da ist es ja kaum der Rede wert, dass Atom- und Kohlestrom seit 1970 stolze 429 Milliarden Euro Subventionen verschlungen haben, wie eine Studie von Greenpeace Energy neulich ergab, und dass die „versteckte Konventionellen-Umlage“ inklusive aller gesellschaftlichen Folgekosten bei 10,2 Cent pro Kilowattstunde liegen müsste. Die steht aber auf keiner Stromrechnung. Seltsam auch, dass es ausgerechnet die – von der INSM vertretene – stromintensive Industrie ist, die hier laut „Hilfe!“ ruft. Sind doch immer mehr Stromfresserkonzerne überwiegend vom Ökostromaufschlag befreit. Allein 2012 werden sie mit 2,5 Milliarden Euro entlastet. Mehr noch: Die Erhöhung der EEG-Umlage geht sogar „zum großen Teil auf die gesetzwidrige Befreiung von Großbetrieben durch die Bundesregierung zurück“, wie der Bund der Energieverbraucher feststellt. Nur 0,2 Cent der erwarteten Erhöhung kommen tatsächlich neuen Solar- und Windkraftanlagen zugute. Sprich: Nicht Subventionen für „willkürlich ausgewählte Technologien“ sind schuld am Preisanstieg, sondern Subventionen für willkürlich ausgewählte Unternehmen. Ohne die – das ist wahr – wäre der Strom für alle billiger. Schlagworte: Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, Energiewende, erneuerbare Energien, EEG-Umlage, Manuel Frondel
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themendas projekt |


: „Der Irrsinn mit den Gütesiegeln!“ titelte sie in grüner Optik und gab sich aufklärerisch: „Jetzt kommt raus: Auch Produkte, die Pferdefleisch enthielten, waren mit Qualitätssiegeln ausgezeichnet.“
Inhaber von Streckenzeitkarten sollen dann „komplett CO2-frei“ fahren. „Das ist ein Meilenstein für die Energiewende in Deutschland“, erklärte Bahnchef Rüdiger Grube (im Foto links) bei der Vorstellung des Projekts mit Verkehrsminister Peter Ramsauer. „Dabei gehen wir als Bahn wieder einmal mit gutem Beispiel voran.“
Dazu muss man wissen, dass Hamburger, die es sich leisten können, traditionell gerne Skiurlaub machen, obwohl die Berge relativ weit weg sind (noch so eine Spezialität der Hansestadt sind die
