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lügendetektor 7. Januar 2013, 11:33
Hamburger Abendblatt: Recherche gestoppt?Das Hamburger Abendblatt, eine der größten Lokalzeitungen Deutschlands, hat am Freitag mal wieder ein Eisbärenfoto aus dem Archiv gekramt und auf Seite 1 groß mit der Frage aufgemacht:
„Neue Studie des Weltklimarates“, stand darunter: „Seit 15 Jahren kein globaler Anstieg der Temperaturen mehr. Forscher streiten über die Ursachen.“ In der Überschrift des dazugehörigen Artikels im Wissenschaftsteil, der auch im Internet zu lesen ist, gibt es schon gar kein Fragezeichen mehr: „Erderwärmung macht erst mal Pause“, heißt es dort. Ein vorläufiger Bericht des Weltklimarates IPCC liefere „neuen Diskussionsstoff zur Güte der Klimamodelle und zum Einfluss des Treibhauseffekts“. Die Autorin bezieht sich auf einen Entwurf für den nächsten IPCC-Bericht, der im Internet veröffentlicht wurde, obwohl der endgültige Report erst im kommenden September erscheinen soll. Vor allem eine Grafik daraus (Figure 1.4.), wohl gemerkt noch nicht unter den hunderten IPCC-Experten abgestimmt und zur Veröffentlichung bestimmt, wurde von sogenannten Klimaskeptikern aufgegriffen. Bei oberflächlicher Betrachtung sieht es in der Darstellung so aus, als halte die gemessene globale Temperatur in den letzten Jahren mit den IPCC-Projektionen nicht Schritt. Manche Kritiker sehen darin einen Beweis, dass die Prognosen der Klimaforschung falsch sind. Dabei wird über eine vermeintliche „Pause“ der Erderwärmung schon seit langem diskutiert, und Klimaforscher haben wiederholt betont, dass die seit etwa Anfang des Jahrtausends zu beobachtende Abflachung des Temperaturanstiegs innerhalb der natürlichen Variabilität liegt. Im Abendblatt erklärt denn auch Jochem Marotzke vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie: „Solche Plateaus tauchen auch in unseren Modellen auf.“ Dessen ungeachtet schreibt das Abendblatt, nun gerieten „die Klimamodelle in die Kritik“. Sie würden bei der Temperaturentwicklung der vergangenen 15 Jahre „klar danebenliegen, da sie eine kontinuierliche Erwärmung errechnet haben“. Zum vorläufigen IPCC-Report heißt es, der Text zeige „sehr deutlich, dass der globale Temperaturanstieg nicht mit dem ungebrochenen Wachstum des CO2-Ausstoßes übereinstimmt“. Seltsamerweise findet sich in dem durchgesickerten Entwurf aber gar keine entsprechende Textstelle. In der Erläuterung zu Grafik 1.4 wird außerdem darauf hingewiesen, dass natürliche Faktoren wie das unregelmäßig auftretende Klimaphänomen El Niño/La Niña und die Solarzyklen in die früheren IPCC-Projektionen nur zum Teil eingeflossen sind, und dass sich eine bessere Übereinstimmung ergibt, wenn man diese herausrechnet (so wie der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf es in einer neuen Studie vorschlägt; siehe dazu auch der Artikel „Das Fieber steigt“ im Greenpeace Magazin 6.12). Die auf Seite 1 des Abendblatts angekündigten „Forscher, die über die Ursachen streiten“, sucht man in dem Artikel vergeblich. Und der von der Zeitung erweckte Anschein, der IPCC sehe eine Stagnation der Erdtemperatur in den vergangenen 15 Jahren, ist schlicht falsch. Vielmehr heißt es in der Zusammenfassung: „AR4 (der letzte IPCC-Report von 2007) hat festgestellt, dass die Erwärmung des Klimasystems eindeutig ist. Neue Beobachtungen, längere Datenreihen und weitere palaeoklimatische Informationen unterstützen diesen Schluss.“ Und übrigens: Trotz des abgeflachten Trends war 2010 das bisher wärmste Jahr seit Beginn der Messungen und 2011 das wärmste La-Niña-Jahr, in denen die globale Durchschnittstemperatur normalerweise besonders niedrig ist. Im Jahr 2012 machte dann wieder einmal die Arktis Schlagzeilen, weil das Meereis auf ein Rekordminimum geschrumpft ist – die Dynamik der Entwicklung hat selbst Experten überrascht. Gibt es also, wie das Abendblatt fragt, neue Hoffnung für die Eisbären? Wohl kaum. Wenn in den Medien immer wieder der Anschein erweckt wird, selbst die Klimaforscher seien sich über die Dringlichkeit des Klimaschutzes uneinig, dann schmilzt die Hoffnung auf einen radikalen Kurswechsel in Politik und Wirtschaft so schnell wie das arktische Eis. |
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