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greenpeace magazin 2.97
Spaß beiseite: Deutsch für DeutscheBekennende Umweltfrevler machen sich rar in dieser öko-korrekten Zeit. Schade, findet GPM-Redakteur Olaf Preuß.
Klassiker, für immer dahin. Als das Ende seiner Ära nahte, mußte in Wiesbaden ausgerechnet Dachlatten-Holger den ersten grünen Umweltminister der Bundesrepublik vereidigen – Joschka Fischer trug beim Amtseid Turnschuhe. Auch Mehmet Scholl hat sich aus der Politik zurückgezogen. Die Scheidung, der Alkohol …
Vorbei die Zeit der derben Bekenntnisse. „Politisch korrekt“ heißt der rhetorische Weichzeichner der späten 90er Jahre, made in USA und von dort weltweit exportiert. Ein Tor, wer sagt, was er wirklich denkt. Die zauberhafte Folge: Nie war Deutschland so öko wie heute.
In der Arbeitswelt geht’s munter los: Deutschlands ranghöchste Atomnudel heißt „Umweltministerin“. Gemeinsam mit ihren Kollegen aus aller Welt rettet sie bei „Klimagipfeln“ die Erde. Betriebliche „Umweltschutzbeauftragte“ wehren Öko-Kritiker effektiver ab als dazumal jeder Werksschutz. Ihre beste Waffe: das „EU-Öko-Audit“ mit pfundschweren Broschüren, nur für den Dienstgebrauch.
Heile Welt, wohin man schaut: Das „Duale System Deutschland“ – eine Art Yin und Yang für die Umwelt – „entsorgt“ ordnungsgemäß unsere Müllberge. Ausgediente Brennelemente aus Atomkraftwerken werden nach 20jähriger Irrfahrt „direkt endgelagert“. Die Mondlandschaften des Braunkohle-Tagebaus heißen „Bergbaufolgelandschaft“ und werden eines Tages Freizeitparks.
Klar, daß auch die Produktpalette vergrünt wurde: Porsche bietet den abgasärmsten Sportwagen, den man sich vorstellen kann – im Verhältnis zur PS-Zahl. Lufthansa hat den Drei-Liter-Jet: 3,7 Liter Kerosin je Passagier auf 100 Kilometer – „weniger, als wären Sie allein mit einem Kleinwagen unterwegs“.
Leuchtend grüne Zeiten also. Aber dann und wann fehlt dann doch die Kontrastfarbe. Mal wieder ärgern über ein bekennendes Ökoschwein, wenigstens über ein Ferkel. Ja, es gibt einen Hans-Olaf Henkel vom Bundesverband der Deutschen Industrie; der hält zuviel Umweltschutz für „standortschädlich“. Aber dafür hält er inzwischen auch den Bundeskanzler. Auf der nach oben offenen Börner-Skala verdient Henkel höchstens die Note eins.
Gesucht werden die letzten Exemplare einer aussterbenden Spezies. Doch wer gibt schon zu, daß er die A 81 zwischen Stuttgart und Rottweil liebt, weil er nur dort seinen Benz tagsüber auf 240 bringt? Wer bekennt, daß er sich eher die Hand mit der Kreissäge amputiert, als damit eine Pfandflasche zu berühren?
So gesehen, war das jüngst in diesem Dorflokal in Niedersachsen ein Lichtblick: „Was für’n Umweltschutz? Is’ doch alles sauber!“ – „Finden die Umweltschützer aber gar nicht.“ – „Umweltschützer? Alle in’n Castor und verklappen!“ Deutsch für Deutsche – da weiß man, was man hat.
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