greenpeace magazin 2.97

Star Wars

Die Nasa will eine Raumsonde mit 32,4 Kilo Plutonium an Bord ins All schicken. Bei Unfällen droht eine Katastrophe.

Eigentlich soll die Weltraumsonde „Cassini“, die am 6. Oktober von Cape Canaveral zum Saturn-Mond Titan starten wird, Hinweise auf die Entstehung des Lebens sammeln. Doch zunächst bedroht die interplanetarische Mission womöglich das Leben auf der Erde. Die Energie für die Reise an den Rand des Sonnensystems erzeugt „Cassini“ in einem Atomgenerator, bestückt mit 32,4 Kilo Plutonium – die größte Menge, die jemals ins All geschossen wurde. Der Bombenstoff stecke aus Gewichtsgründen in einem zu dünnen Schutzmantel, kritisiert der Darmstädter Kernphysiker Martin Kalinowski. Falls die Rakete wenige Minuten nach dem Start explodiert, würden die Trümmer auf Nordafrika regnen, und die Plutoniumbehälter könnten platzen, räumt selbst die US-Weltraumbehörde Nasa ein. Die Folgen wären fatal: Eingeatmet verursacht schon ein Millionstel Gramm Plutonium Krebs. Selbst wenn die Startphase glatt verläuft, ist die Gefahr noch nicht vorbei: Um Schwung zu holen, umkreist „Cassini“ zweimal die Venus und rast dann mit 260.000 Stundenkilometern knapp an der Erde vorbei Richtung Saturn. Sollte die Sonde vom Kurs abkommen, könnte sie in der Erdatmosphäre verglühen. Im schlimmsten Fall würde das gesamte Plutonium in der Luft verteilt. Der Fachbuchautor Martin Koppold („Plutonium im Weltall“) befürchtet bei diesem Szenario 50.000 bis 300.000 Tote. Die Nasa rechnet mit maximal 3500 Krebstoten bis 2050. An einer risikolosen Technik zeigte sie im Vorfeld kein Interesse: 1994 hatte ihr ein Konsortium unter Führung der deutschen „Dasa“ Solarzellen speziell für die lichtarmen Bedingungen des äußeren Sonnensystems angeboten.

 





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