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Grün und reichImmer mehr Anleger entdecken, dass auch Umweltaktien sich lohnen.
„In meinem Beruf ist Ökologie ein wichtiges Thema, und als ich Geld anzulegen hatte, habe ich auch dabei auf Umwelt gesetzt, ohne dass mein Portemonnaie leiden muss“, erklärt Schoch. Damit liegt er im Trend: Grüne Geldanlagen werden immer beliebter. Nach einer Studie des Öko-Zentrums Hamm summierten sich ökologische Kapitalanlagen 1999 auf etwa 3,8 Milliarden Mark. Der größte Anteil floss bislang in Windfonds, die Windkraftanlagen finanzieren. Und in Umweltfonds: Darin sind Aktien von Unternehmen zusammengefasst, die ökologische Artikel herstellen oder konventionelle Produkte umweltschonend anfertigen. Mittlerweile gibt es auch für Umweltaktien einen eigenen Index – den NAX (Natur-Aktien-Index). Er wurde vom Leiter des Wiener Forschungsinstituts für ethisch-ökologische Geldanlagen, Max Deml, entwickelt. Auch andere „grüne“ Anlagemöglichkeiten werden beliebter: Vom Sparbuch bis zur Lebensversicherung – zu fast jedem Produkt gibt es mittlerweile eine grüne Alternative.
Seit die Bundesregierung das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verabschiedete, das seit 1. April 2000 wirksam ist, schießen Solar- und Windkraftaktien in die Höhe. Und das, obwohl teure Solarenergie derzeit nur schwer zu verkaufen ist, weil im liberalisierten Strommarkt die Preise purzeln. Weltweit einmalig wird nach dem EEG jede eingespeiste Kilowattstunde aus Solarenergie mit 99 Pfennig, aus Windkraft mit 17,8 Pfennig vergütet. „Das erste Kursfeuerwerk ist zwar abgebrannt, aber die Solarenergiebranche steht erst am Beginn eines sehr dynamischen Wachstums“, prophezeit Max Deml.
Branchenkenner wie Jutta Gelbrich von der Frankfurter Ökobank zählt auch die Aktien von Windkraftanlagen-Herstellern zu den renditestarken Anlageobjekten. Deutschland produziert derzeit weltweit den meisten Windstrom. Der Umsatz der gesamten Branche einschließlich Errichtung der Rotoren, jedoch ohne Stromverkauf, liegt jährlich bei etwa drei Milliarden Mark. Für die Börsenanalystin Inge Schumacher von der Schweizer Bank USB ist die Vestas Wind Systems der Tipp. Die dänische Firma gehört zu den weltweit führenden Windmühlenproduzenten. Die Aktie wird allerdings nur an der Kopenhagener Börse gehandelt, so dass deutsche Anleger hohe Gebühren zahlen müssen.
Wie im herkömmlichen Börsengeschäft kann man auch mit Umweltaktien Geld ebenso schnell gewinnen wie verlieren. So galt der dänische Windrad-Weltmarktführer NEG Micon lange Zeit als sicherer Tipp. Doch nachdem bekannt wurde, dass die Firma Probleme mit ihren Windradgetrieben hat, fiel der Kurs dramatisch. Die Aktie erholte sich jedoch wieder und kletterte von Januar bis März um 131 Prozent.
Um Anleger vor schwarzen Schafen zu schützen, hat der Branchen-Dienst Öko-Invest eine „Graugrüne Liste“ entwickelt (im Internet unter: www.oeko-invest.de). Darin finden sich Aktiengesellschaften, die nötige Informationen für eine umfassende Prüfung ihres Angebotes verweigern. Die Öko-Invest-Macher raten deshalb, von solchen Firmen die Finger zu lassen. Die meisten Berater empfehlen allen, die das riskante Börsenparkett oder die Mühsal des täglichen Kursstudiums scheuen, in Umweltfonds zu investieren. Die boten 1998 allerdings nur eine durchschnittliche Wertsteigerung von mageren vier Prozent. Dafür wurden die Anleger 1999 entschädigt: Um 31 Prozent kletterte das Börsenbarometer im Schnitt.
Bei der Auswahl der Aktiengesellschaften haben die Fonds jeweils unterschiedlich strenge ökologische oder ethische Kriterien entwickelt. Dadurch soll vermieden werden, dass Firmen aufgenommen werden, die zum Beispiel Militärgüter produzieren, Zubehör für die Atomindustrie liefern oder durch Kinderarbeit verdienen. Einer der strengsten Umweltfonds, der „ÖkoVision“-Fonds der Frankfurter Ökobank, erzielte im letzten Jahr beispielsweise „nur“ 9,9 Prozent Zuwachs. Ein Grund: ÖkoVision verbannte aus seinem Portfolio die Aktie von Ballard Power, die in den letzten Monaten enorm zulegte: Zwar wird der Brennstoffzellenhersteller einen fast emissionsfreien Wasserstoffmotor anbieten können – ein ökologisches Plus –, das Unternehmen arbeitet jedoch auch für das Militär. Andere Umweltfonds stören sich daran nicht.
Letztlich hängt der wirtschaftliche Erfolg eines Fonds aber nicht davon ab, ob er harte oder weiche Kriterien anlegt. Mehr Einfluss hat, in welche Umweltbranchen investiert wird oder ob ein Teil des Geldes auch in andere Wirtschaftszweige fließt: So hält zum Beispiel der KD Fonds Öko-Invest auch Internetaktien und profitiert dadurch vom allgemeinen Internet-Boom.
Doch so viel Geld auch für Umweltaktien und -fonds bezahlt wird: Es fließt nicht in die Firmen selbst. „Wenn an der Börse ge- oder verkauft wird, wechselt ja nur die Aktie ihren Besitzer. Die AG bekommt das Geld nicht“, erläutert Jürgen Herrmannsdörfer, Vorstand des Umwelt-Wertpapierhaus HerMerlin AG. Indirekt profitieren aber auch die Unternehmen vom höheren Kurs: Wenn Sie Kapitalerhöhungen durchführen, kommt umso mehr Geld in die Kasse, je höher die Aktie notiert ist. Umweltaktien-Fan Schoch überlegt deshalb, sein frisch gewonnenes Geld in Aktien des jungen Umwelt-Medienunternehmens A.U.G.E. zu stecken. „Das ist für die Umwelt und für die Rendite das Beste – allerdings mit hohem Risiko.“ Entwicklung der wichtigsten Umweltaktien im Jahr 2000
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