greenpeace magazin 3.09

Hinter dem Bambusvorhang
Die reiche kulturelle Vergangenheit Burmas kennt kaum jemand, da das südost-
asiatische Land politisch isoliert ist. Der Enkel des ehemaligen UN-Generalsekretärs U-Thant erzählt Persönliches und Politisches und sucht nach Erklärungen dafür, 
warum sich das Militärregime seit Jahrzehnten an der Macht halten kann. Eine fesseln­de Analyse.

Thant Myint-U: Burma. Der Fluss der verlorenen Fußspuren. Bertelsmann-Verlag, München 2009, 528 Seiten, 22,95 Euro.

 

 

Das Buch der Lügen
Den „Lügendetektor“ des Greenpeace Magazins gibt es jetzt auch als Buch! Unser Autor Toralf Staud spießt Dutzende Beispiele der großen „Greenwashing“-Welle auf – und entlarvt 
kurzweilig und ironisch 
die Lügen, mit denen 
die größten Klimasünder ihr Image aufpolieren 
wollen. Denn die Strategie von Auto-, Luftfahrt- 
und Energiekonzernen, sich mithilfe von Alibi-Projekten und der Krea­tivität ihrer Werbefachleute „grünzuwaschen“, funktioniert nur, solange keiner genau hinschaut. 
Toralf Staud: 
Grün, grün, grün ist alles, was wir kaufen. KiWi, 270 Seiten, 8,95 Euro. Erscheint Ende Mai.

 

Süchtig nach Essen
Dass unser energiehungriges Hirn schuld daran ist, dass wir immer runder werden, 
ist nur die halbe Wahrheit. Was die Nahrungsmittelindustrie ihrerseits dazu beiträgt, um unseren Appetit anzuheizen, lesen Sie in diesem mit wissenschaftlichen 
Erkenntnissen gesättigten Sachbuch.

Annette Sabersky/Jörg Zittlau: Versteckte 
Dickmacher. Knaur Taschenbuch, München 2009, 254 Seiten, 8,95 Euro.

 

Comic aus dem Kriegsgebiet
Der französische Fotoreporter Didier Lefèvre begleitete die Ärzte ohne Grenzen 
1986 ins sowjetisch besetzte Afghanistan. Davon berichtet die Doku-Comic-Reihe „Der Fotograf“ – und zwar in Lefèvres eigenen Bildern. Was die nicht erzählen, 
zeichnete Comicautor Emmanuel Guibert einfühlsam hinzu. Der dritte und letzte 
Band beschreibt Lefèvres dramatische Rückreise. Eine Würdigung des 2007 verstorbe­nen Fotografen. Pro Buch geht ein Euro an Ärzte ohne Grenzen.

Guibert/Lefèvre/Lemercier: Der Fotograf Band 3: Allein nach Pakistan. Edition Moderne, 
Zürich 2009, 104 Seiten, 28 Euro.

 

Selbst ist der Wähler
„Sind sie ein normaler Bürger oder denken Sie schon?“ Die Frage kokettiert mit dem Ikea-Slogan und meint: Unser Interesse sollte über die eigenen vier Wände hinaus-gehen. In 21 Stichworten von Bürgerschaft über Einwanderung bis Volk erklärt 
der spanische Philosoph Fernando Savater unterhaltsam, knapp und immer wieder 
überraschend die Grundbegriffe der Demokratie. Botschaft: Bitte einmischen! 
Fernando Savater: Vom Mut zu denken. Wörterbuch für den mündigen Bürger. 
Artemis & Winkler, Düsseldorf 2009, 85 Seiten, 12,90 Euro.


Alltag in Kamerun
Auf Hochzeiten, Beerdigungen, bei Fußballspielen oder offiziellen Zeremonien mischt sich der Fotojournalist Michael von Graffenried unters Volk und wartet geduldig, 
die Kamera vorm Bauch, auf den einen authentischen Moment, den es en passant einzufangen gilt. Seine Panoramabilder, die er von zwei Kamerun-Reisen mit 
dem Hilfswerk Fairmed (ehemals Leprahilfe Emmaus Schweiz) mitgebracht hat, 
zeigen das Leben jenseits der Afrika-Klischees.

Michael von Graffenried: 
Eye on Africa. Bildband, Schwabe Verlag, Basel 2009, 79 Seiten, 34 Euro.

 

 

Weste auf Weltreise
Von den Erdölfeldern in Dubai über die Textilfabriken in Bangladesch ins deutsche 
Warenhaus, über die Altkleidersammlung nach Afrika und via Flüchtlingsschiff auf 
die Kanarischen Inseln – bildhaft und packend beschreibt der Autor die abenteuerliche Weltreise seiner Fleeceweste. Gespickt mit gelungenen Illustrationen, macht 
das Buch Zusammenhänge der Globalisierung greifbar und schärft den Blick auf die Ungerechtigkeit des Welthandels. Ab 10 Jahren.

Wolfgang Korn: Die Weltreise 
einer Fleeceweste. Berlin Verlag, Berlin 2008, 192 Seiten, 14,90 Euro.

Grün contra dumm

Der britische Film „The Age of Stupid“ mobilisiert für den Klimaschutz.

Schon der Auftakt war rekordverdächtig: „The Age of Stupid“ („Das Zeitalter der Dummheit“), der neue Film der britischen Regisseurin Franny Armstrong, feierte im März in London die „grünste Filmpremiere aller Zeiten“. Sie verursachte nur ein Prozent der Kohlendioxid-Emissionen im Vergleich zu einem gängigen Filmauftakt. Dafür hatten sich alle Beteiligten ins Zeug gelegt: Die VIPs – darunter Modeschöpferin Vivienne Westwood und Londons Ex-Bürgermeister Ken Livingstone – fuhren per Rad oder Rikscha vor oder kamen gleich zu Fuß. Die Stars posierten vor einem futuristischen Solarmobil der Universität Cambridge, Lieferwagen fuhren mit recyceltem Frittenfett, und die auf dem Dach des Premierenzelts montierten Solarzellen produzierten Ökostrom.


„The Age of Stupid“ erzählt die Geschichte eines Mannes, der im Jahr 2055 als einsamer Überlebender der Klimakatastrophe in einem arktischen Bunker sitzt und sich verzweifelt fragt, warum die Menschheit nichts gegen die globale Erwärmung unternommen hat. Für diesen Part konnte Armstrong den Charakterdarsteller Pete Postlethwaite gewinnen, der für seine Rolle in „Im Namen des Vaters” für einen Oscar nominiert war. Als Chronist beleuchtet Postlethwaite anhand von sechs real existierenden Personen rückblickend verschiedene Facetten des Klimawandels. Da ist der 82-jährige französische Bergführer, der die Alpengletscher in seiner Heimat schmelzen sieht und mit seinen Enkeln auf Kunstschnee Ski fahren muss, der indische Geschäftsmann, der eine Billigfluglinie aufbaut und jeden Inder für eine Rupie fliegen lassen will oder der britische Windpark-
Entwickler, der mit seinen Projekten immer wieder auf Widerstand stößt.


Um diese Geschichten erzählen zu können, ging die Filmemacherin bei der Finanzierung ungewöhnliche Wege – sie setzte auf „crowdfunding“. Rund 260 Einzelpersonen und Gruppen beteilig-ten sich an der Low-Budget-Produktion. Macht der Film ein Plus, winkt ab einer „Investitionssumme“ von 2500 Pfund eine Gewinnbeteiligung. Die 50.000 Pfund Anschubfinanzierung brachte ein einziger Info-Abend in einer Londoner Bar ein. Mit einem riesigen Mailverteiler, einer professionellen Homepage und Netzwerken wie Facebook ließ sich der Bekanntheitsgrad des Films schnell steigern. Bereits bei ihrem Dokumentarfilm 
„McLibel“ (2005), der den beeindruckenden Kampf zweier Aktivisten gegen McDonald‘s -erzählt, hatte Armstrong konsequent auf neue Medien gesetzt und 22 Millionen Menschen ins Kino gelockt. Die Messlatte für „Age of Stupid“ liegt deutlich höher: Bis zum Klimagipfel in Kopen-hagen im Dezember sollen weltweit 250 Millionen Men-schen nicht nur den Film gesehen, sondern auch ihre Regierung dazu gedrängt haben, sofort konkrete und wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen.


Die Briten sind von „The Age of Stupid“ begeistert. Der seit langem „einfallsreichste und -dramatischste Angriff auf die institutionelle Gleich-gültigkeit beim Thema Klimawandel“, schwärmt die „Times“. Auch der „Daily Telegraph“ ist voll des Lobes: „mutig, überragend provokant und ungeheuer wichtig“.


Noch ist der Film in Deutschland nicht zu sehen, 
ein Filmverleih wird gesucht. Darüber hinaus setzt Armstrong auf eine Art „Volksfilm“. Sie hofft auf freiwillige Filmvorführer, die in Schulen oder Kneipen den Film auf DVD zeigen.    

 

www.ageofstupid.net,

Kontakt für Filmverleiher: www.celluloid-dreams.com/contact

 

Text: Kerstin Eitner

Über-Leben

Bryan Anderson verlor bei einem Bombenanschlag in Bagdad im Oktober 2005 beide Beine, einen Unterarm und drei Fingerspitzen. Dass der 28-jährige US-Soldat überlebt hat, verdankt er dem medizinischen Fortschritt. Nur fünf Jahre zuvor hätte er wahrscheinlich keine Chance gehabt – mittlerweile überstehen rund 
90 Prozent der Soldaten selbst schwerste Verwundungen. Noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts starben mehr junge Männer an den Folgen einer unzureichenden Versorgung ihrer Verletzungen 
als auf den Schlachtfeldern selbst. Dem spannungsvollen Wechselverhältnis von Kriegsführung 
und der Rolle der Medizin widmet sich die Ausstellung „Krieg und Medizin“, die noch bis zum 
9. August im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden zu sehen ist. 
www.dhmd.de

 



greenpeace magazin.
Große Elbstraße 145d . 22767 Hamburg . Tel: 040/808 12 80 80 . Fax: 040/808 12 80 99 . gpm@greenpeace-magazin.de . www.greenpeace-magazin.de