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Greenpeace Magazin Ausgabe 4.18

Meret Schneider kratzt am Idyll

Wegweiser: Meret Schneider kratzt am positiven Selbstbild der schweizerischen Landwirtschaft. Glückliche Kühe auf der Bergwiese, freilaufende Hühner auf weitem Rasen, neugierige Schweine auf lauschigen Höfen: Die Bauern in der Schweiz wähnen sich mit einem der strengsten Tierschutzgesetze der Welt auf der guten Seite der Tierhaltung und verkaufen ihre Produkte gern mit einem entsprechenden Marketingidyll. „Daran wollen wir rütteln, denn Massentierhaltung ist keine schöne Angelegenheit, auch nicht in der Schweiz“, sagt Meret Schneider. Die 25-Jährige ist Geschäftsleiterin des in Basel ansässigen Vereins „Sentience Politics“, der sich seit fünf Jahren für Tierrechte in der Eidgenossenschaft einsetzt.

Der neueste Coup des Vereins ist eine Volksinitiative gegen Massentierhaltung. Die Kampagne startete Ende Mai. 100.000 Unterschriften sind nötig, um die Agenda vor das Parlament zu bringen: kleinere Betriebe, kein Kükenschreddern, mehr Platz für jedes Tier. Die Aktivisten orientieren sich dabei an den neuesten Regeln des Verbandes der Biolandbau-Organisationen, Bio-Suisse.

Um in den kommenden 17 Monaten Unterstützer zu finden, nutzen die Aktivisten auch ungewöhnliche Methoden: An Informationsständen lassen sie Passanten mit Virtual-Reality-Brillen die Massentierhaltung erleben. „iAnimal“ nennt sich das Programm, das von der Tierrechtsorganisation Animal Equality entwickelt wurde und das 360-Grad-Touren aus der Perspektive der Tiere zeigt. „Die Brille ist ein gutes Werkzeug, um aufzuklären und Mitgefühl für die Tiere zu wecken.“
Gerade in der Debatte um Tierschutz sei es wichtig, den richtigen Ton zu treffen, sagt die Veganerin Meret Schneider, die auch Chefin der Grünen Jugend in Zürich ist. „Obwohl ich für umfassenden Tierschutz bin, sage ich nicht ,Fleisch ist Mord‘, sondern ,Wir brauchen Alternativen‘. Denn für einen echten, nachhaltigen Wandel müssen wir alle mitnehmen.“
sentience-politics.org