Greenpeace Magazin Ausgabe 1.98

Minen: Bernd Hellstern, Sprecher des Verteidigungsministers, zu Kauf und Entwicklung neuer Minen

Bernd Hellstern, Sprecher des Verteidigungsministers, zu Kauf und Entwicklung neuer Minen

GPM: Herr Oberstleutnant, ist das Verbot von Anti-Personen-Minen ausreichend?

Hellstern: Hauptursache des Minenproblems ist der verantwortungslose, teilweise unmittelbar gegen die Zivilbevölkerung gerichtete Einsatz von Anti-Personen-Minen in Bürgerkriegen. Am Ende der Kampfhandlungen führen insbesondere die fehlende Kartographierung der Verlegeorte und die schlechte Detektierbarkeit dieser Minen zu großen Problemen bei der Suche und Räumung. Die Annahme des Übereinkommens über ein vollständiges Verbot von Anti-Personen-Minen durch mehr als 80 Staaten – auch die Bundesrepublik Deutschland – ist ein wichtiger Erfolg.

GPM: Wieviel Minen hat die Bundeswehr?

Hellstern: Bereits 1996 hatte die Bundeswehr als eine der weltweit ersten Armeen vollkommen auf Anti-Personen-Minen verzichtet und sie schließt die Vernichtung aller Bestände von Anti-Personen-Minen in Kürze ab. Daher konnte sich die deutsche Delegation während der Verhandlungen in Oslo mit großer Glaubwürdigkeit für ein umfassendes Verbot von Anti-Personen-Minen einsetzen.

GPM: Warum gibt die Bundesregierung trotz des Verbots von Anti-Personen-Minen allein in diesem Jahr 36 Millionen Mark für neue Minen aus?

Hellstern: Panzerabwehr-Minen wie die Flächenverteidigungs-Mine sind nicht die Hauptursache des Minenproblems. Im Gegensatz zu den Anti-Personen-Minen haben bereits eine Reihe von Staaten bei Panzerabwehr-Minen eine sogenannnte Wirkzeitbegrenzung eingeführt. Die verlegten Minen bleiben dadurch nur für wenige Stunden oder Tage „aktiv“ und zerstören sich danach von selbst oder können ohne Gefährdung weggetragen werden. Eine Gefährdung der Zivilbevölkerung nach Abschluß der Kampfhandlungen kann somit ausgeschlossen werden.

GPM: Wofür braucht Deutschland Minen?

Hellstern: Auch in Zukunft ist ein Einsatz der Bundeswehr gegen mechanisierte Kräfte, das heißt Truppen mit Schützenpanzern und Panzern, im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung nicht auszuschließen. Angesichts einer reduzierten Bundeswehr können gegen Angreifer nicht überall Panzer oder Soldaten mit Panzerabwehrwaffen eingesetzt werden. Panzerabwehr-Minen sind daher unverzichtbar und angesichts der Wirkzeitbegrenzung auch verantwortbar.