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Greenpeace Magazin Ausgabe 4.16

Mit ihm wird Stadt sozial

Text: Vito Avantario

KOPF // Alejandro Aravena, Architekt, Santiago, Chile // IDEE Baut halbe Häuser für Arme // VISION Architektur im Dienst der Gesellschaft

Als Alejandro Aravena vor zwanzig Jahren in einer Vorlesungsreihe seinen Professoren dabei zuhörte, wie sie Architektur zur reinen Kunstform verklärten, ertappte er sich bei diesem Gedanken: „Welchen Wert hat eine Architektur, die sich mit sich selbst beschäftigt, aber kein Gewinn für die Gesellschaft ist?“

Inzwischen gehört Aravena zu den berühmtesten Baumeistern der Welt. Er wurde mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet, einer Art Nobelpreis für Architekten. Zu Ruhm kam der 48-jährige Chilene ausgerechnet durch den Bau von, ja wirklich, Sozialhäusern: Elemental, sein Planungs- und Architekturbüro, baut in den Innenstädten südamerikanischer Megacitys Häuser für jene, die sonst in Favelas an den Stadträndern leben.

Die eine Hälfte seiner Häuser stattet Aravena mit dem Nötigsten aus, mit Schlafzimmer, Küche, Toilette, Dach. In Eigenarbeit können es die Besitzer auf achtzig Quadratmeter erweitern, sobald sie genügend Geld haben. Inzwischen stehen 2500 dieser Sozialhäuser in Chile. Sie ermöglichen den Familien ein würdevolles Wohnen und ein selbstbestimmtes Leben in den Stadtzentren, wo es Arbeit gibt und wo ihre Kinder gute Schulen besuchen können. Um den sozialen Wohnungsbau weltweit zu verändern, hat Aravena vier seiner Hausdesigns zur freien Verwendung im Internet veröffentlicht.