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Greenpeace Magazin Ausgabe 6.16

Mit Safran Frieden stiften

Text: Andrea Hösch

Lebensmittel aus Konfliktgebieten sollen Menschen vor Ort helfen

Beim Anblick eines Safranfeldes im Norden Afghanistans wusste Salem El-Mogaddedi plötzlich, wie seine Zukunft aussieht: Der 44-jährige Deutsch-Afghane hängte seine Karriere als Mode- und Eventmanager in Hannover an den Nagel und gründete zusammen mit seinem Freund Gernot Würtenberger „Conflictfood“. Mit dieser kleinen Firma will das Duo Lebensmittel aus Konfliktgebieten in Deutschland und anderen Ländern vermarkten. „Wir wollen Nahrungsmittel nutzen, um Konflikte zu entschärfen.“

In Herat, wo einst Opium angebaut wurde, pflanzen Frauen eines selbstverwalteten Kollektivs seit einiger Zeit Safran an. „Wir haben die Frauen gefragt, welchen Preis sie haben wollen, und den zahlen wir“, sagt El-Mogaddedi. Faire Preise, nachhaltiges Wirtschaften und Transparenz sind für ihn selbstverständlich, denn: „Wer billig einkauft, weiß, dass jemand anderes den Rest der Rechnung bezahlen muss. Essen ist immer auch eine politische Handlung.“

Grammweise, schön und umweltfreundlich verpackt, vertreibt Conflictfood nun sein erstes – noch nicht bio-zertifiziertes – Produkt und freut sich, dass die Idee großen Anklang findet. „Wir wollen besondere, hochklassige Waren anbieten und auf diese Weise die Arbeit der Menschen, die darin steckt, wertschätzen“, sagt der Unternehmer.

Lebensmittel aus anderen Krisengebieten sollen schon bald folgen, beispielsweise Dattelkonfekt und Freekeh – unreif geernteter und gerösteter Weizen – aus Palästina. Die Importfirma ist im Kontakt mit Reisbauern in Malaysia, die einen fast aussichtslosen Kampf gegen Palmölkonzerne führen. Gerne würde sie auch Kaffee aus dem Jemen ins Programm nehmen, zurzeit ist die Reise dorthin aber zu gefährlich.

Conflictfood möchte die Fluchtursachen an der Wurzel bekämpfen, den Menschen eine Perspektive bieten und ein anderes Bild von Kultur und Geschichte der Länder zeichnen, als es die meisten Medien tun. Sobald sich das Geschäft trägt, soll ein Teil der Erlöse in Bildungsprojekte vor Ort fließen.