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Greenpeace Magazin Ausgabe 5.15

Mundraub zelebrieren

Madeleine Zahn, 38
Madeleine Zahn verwandelt Erwachsene in Kinder: Volle Schlehenbäume, mitten in Berlin, da bekommt auch der naturfernste Großstädter große Augen. Zahns Leidenschaft ist Essen, das nicht eingeschweißt und abgewogen im Supermarkt liegt, sondern an der Straßenecke wächst. „Die Leute klettern auf die Bäume, stecken sich eine süße Frucht in den Mund und fühlen sich wie im Schlaraffenland.“ Wie man dorthin findet, zeigt sie seit letztem Jahr von März bis Oktober auf Mundraub-Führungen durch Berlin. Im Frühjahr weist sie den Weg zum Berliner Wunderlauch, im Spätsommer lockt sie Städter mit Apfel und Sanddorn in die Tiefen des Großstadtdschungels. Bei Kiefern wachsen Blaubeeren, um Plattenbauten viele Mahonien, in jedem Park finden sich Hagebutten und Holunder – all das lernte Zahn in ihrer Kindheit von ihrer Mutter. Ihre Touren basieren zudem auf den Einträgen der Mundraub-Community, für die sie auch arbeitet. „Natur ist in jeder Straßenfuge“, sagt Zahn. Die Regeln für den Mundraub gebietet der gesunde Menschenverstand: Von Bäumen im öffentlichen Raum kann man fast immer ohne Reue naschen.
mundraub.org