Verbraucher 29.Sep 2016

Essen wie geschmiert: Mineralöle in Lebensmitteln

Mineralölrückstände brachten vielen der jetzt von der Stiftung Warentest bewerteten Fleischersatzprodukten schlechte Noten ein. Doch diese Schadstoffe belasten nicht nur Lebensmittel für Vegetarier und Veganer.

Immer mehr Verbraucher greifen zu fleischlosen Alternativen im Kühlregal. Die Gründe sind vielfältig: Manche handeln aus ethischer und moralischer Überzeugung, andere erhoffen sich durch den Verzicht auf Fleisch eine gesundere Ernährung. Das Essen ohne Fleisch immer auch besser für das körperliche Wohlbefinden ist, stellen neue Ergebnisse der Stiftung Warentest allerdings infrage: Nur sechs der zwanzig getesteten Produkte erhielten die Note „Gut“. Denn die meisten der überprüften Lebensmittel enthalten nicht nur zu viel Fett, sondern auch Schadstoffe – vor allem Mineralöle.

Diese kommen auf ganz unterschiedlichen Wegen in die Nahrung. So gelangen Schadstoffe oftmals aus recycelten Pappverpackungen ins Essen. Oder bei der Verarbeitung, wenn an Maschinen Mineralölprodukte eingesetzt werden, etwa um die die Wurstmasse leichter in die Pelle pressen zu können. In der Nahrung haben diese Schmiermittel nichts zu suchen, insbesondere, weil nach Angaben von Stiftung Warentest genügend andere, unbedenkliche Öle zur Verfügung stehen.

Aufgespießt: Vegane und vegetarische Lebensmittel auf dem Prüfstand. Foto: picture alliance/Westend61

Doch nicht nur Produkte für Verganer und Vegetarier sind belastet: Mineralölrückstände sind ein Problem der gesamten Lebensmittelindustrie. Schon seit einem Jahr setzt sich gemeinnützige Verein Foodwatch daher für strengere Richtlinien auf Bundes- und EU-Ebene ein. 

Die in Lebensmitteln nachweisbaren Mineralöle lassen sich im Wesentlichen in zwei Gruppen unterteilen: Stiftung Warentest hat in den untersuchten Produkten sogenannte gesättigte Kohlenwasserstoffe gefunden, die kurz als MOSH (Mineral Oil Saturated Hydrocarbons) bezeichnet werden. Diese kommen im Vergleich zur zweiten Gruppe MOAH (Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons), sogenannten aromatischen Kohlenwasserstoffen, sehr viel häufiger und in größeren Mengen vor.

Die Europäische Lebensmittelaufsicht (ESFA) hat MOSH als potenziell besorgniserregend eingestuft. Generell ist es aber schwierig, die gesundheitlichen Risiken von MOSH nachzuweisen. Eine toxikologische Einschätzung zu ADI-Werten, also einer unbedenklichen Tagesdosis, liegt derzeit nicht vor. Studien belegen jedoch, dass sich MOSH im Fettgewebe ablagern und dort über Jahre hinweg akkumulieren. Daher fordert Foodwatch ein Verbot nach dem Vorsorgeprinzip. Tierversuche hätten außerdem ergeben, dass MOSH Organschäden wie Knoten und Organvergrößerungen bei Tieren verursachen, sagt Foodwatch-Aktivist Johannes Heeg.

Weitaus gefährlicher als MOSH sind die zur zweiten Gruppe MOAH zählenden aromatischen Kohlenwasserstoffe. Eine Studie der EFSA belegte bereits 2012, dass MOAH krebserregend sowie erbgutschädigend sind – und zwar ganz unabhängig von der eingenommenen Menge. Schon kleinste Rückstände in Lebensmitteln bezeichnet Heeg als bedenklich. Während Glyphosat – trotz widersprüchlicher Expertenmeinungen – im Sinne des Vorsorgeprinzips verboten wurde, gebe es für die Mineralöle jedoch immer noch keine verbindlichen Richtlinien.

Dabei gehe es im Fall von MOAH um mehr als um ein vorsorgliches Verbot, denn die Schädlichkeit sei längst zweifelsfrei nachgewiesen. Auch wenn die Stiftung Warentest in den von ihr untersuchten Produkten keine aromatischen Kohlenstoffe nachweisen konnte, befinden sich diese nach Angaben von Foodwatch in einer bedenklich hohen Zahl von Lebensmitteln. Als der Verein dazu eine Studie in Auftrag gab, fanden Forscher in 40 Prozent der getesteten Produkte Rückstände von MOAH.

Den höchsten MOSH-Wert von 26 Milligramm Mineralöl fand die Stiftung Warentest in ihrer aktuellen Untersuchung einem vegetarischen Schnitzel der Marke Rügenwalder Mühle. Bereits eine Aufnahme von 2 bis 20 Milligramm des Mineralöls pro Tag wird von der EFSA als bedenklich eingestuft, auch wenn es bislang keinen gesetzlichen Grenzwert gibt. Rügenwalder verteidigte sich mit dem Argument, bei dem nachgewiesenen Wert handele es sich um „unschädliche und ungefährliche“ Paraffine, sogenannte Weißöle.

Doch sind diese tatsächlich so ungefährlich, wie auch andere Hersteller behaupten? Jan Hengstler, Leiter des Forschungsbereichs Toxikologie am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung der TU Dortmund, hält sie gesundheitlich für unbedenklich. Normale Paraffine seien nicht krebserregend. Studien mit Ratten hätten ergeben, dass eine sehr hohe Menge verabreicht werden müsse, um eine gesundheitliche Veränderung herbeizuführen. Sollten die Angaben von Rügenwalder korrekt sein, wäre gegen den Einsatz von Weißölen also wenig einzuwenden. Nachweisen könne man das ohnehin kaum. Das größere Problem sieht Hengstler daher auch nicht bei den gesundheitlichen Risiken, sondern bei der allgemeinen Unkontrollierbarkeit: Aus generellen lebensmittelhygienischen Erwägungen sei es inakzeptabel, dass die Industrie die „unkontrollierte Migration“ von Mineralölen und anderen Schadstoffen zulasse, obwohl diese vermeidbar sei.

So gibt es bereits Verpackungen mit Beschichtungen, die als Barriere zwischen den Lebensmitteln und der Altpapierhülle dienen können. Diese ließen sich auch recycelbar hergestellen, sagt Heeg von Foodwatch. Viele Hersteller würden sie jedoch nicht nutzen, weil sie teurer seien als die gängigen Racycling-Verpackungen. Stattdessen werde wieder vermehrt auf Plastik zurückgegriffen. Heeg fordert daher, die beschichtete Verpackung gesetzlich vorzuschreiben. Außerdem müssten Ernte, Transport und Verarbeitung kontrolliert werden – mit der Verpackung allein sei es nicht getan.

Den Verbrauchern bleibt nur, möglichst in Läden einzukaufen, die keine Verpackungen benutzen, möglichst lokale, unverarbeitete Produkte zu konsumieren, die keinen langen Transportweg haben und Lebensmittel zuhause in Glasbehälter umzufüllen, um wenigstens dort die weitere Migration von Mineralölen zu stoppen. Darüber hinaus sollten Vegetarier und Veganer besser zu Naturtofu und Lupinen greifen, statt zu den stark verarbeiteten Fleischersatzprodukten für Würstchen oder Schnitzel. Neben Mineralölen enthalten diese oft auch Aromen, Gewürze, Farbstoffe, Säureregulatoren, Zucker und teils sehr hohe Mengen Salz sowie als Hefeextrakt getarntes Glutamat.

Maria-Elisa Schrade

filmtipp 29.Sep 2016

Mit Schwein gegen das System

Der schwäbische Kleinbauer Huber und seine Sau machen sich auf den Weg: In dem Film „Die letzte Sau“ kämpfen sie gegen die großen Agrarkonzerne und den Kapitalismus.

Alles läuft schief im Leben von Huber (Golo Euler): Sein Trecker gibt den Geist auf, sein Schweinehof ist verschuldet und seine große Liebe Birgit (Rosalie Thomass) zieht weg aus dem Nördlinger Ries. Ihr Vater ist ausgerechnet der Agrarriese Obermeier, der nicht nur die regionalen Landwirte in den Ruin treibt, sondern auch die Tochter in seinen neuen Mastbetrieb in Ostdeutschland strafversetzt.

Als dann plötzlich Hubers kompletter Hof in Schutt und Asche liegt, schnappt er sich seine letzte Sau, die den Brand überlebt hat, und fährt mit ihr im Seitenwagen seines Motorrads Richtung Nirgendwo. Schnell trifft er auf Gleichgesinnte, die sich vom System lösen wollen und genug haben von den Großkonzernen, die ihre Existenzen bedrohen.

Kleinbauer Huber und seine Sau. Foto: drei-freunde Filmverleih

Das ist leider nicht nur reine Fiktion: In Deutschland leben viele kleine Bauern am Existenzminimum. So bezifferte der Landesbauernverband Brandenburg Ende August den landwirtschaftlichen Ertrag pro Hektar Agrarfläche in dem Bundesland auf 200 Euro. Der Kaufpreis läge inzwischen beim 60-fachen. Da die meisten Flächen von Bauern gepachtet werden, können diese die Kosten kaum mehr decken.

Auch die Problematik des Bienensterbens wird im Film angerissen, als Huber auf seinem Weg einen Imker aufsammelt. 2008 führte das Insektizid Clothianidin, das eigentlich Fressfeinde von Maisfeldern fernhalten sollte, in Baden-Württemberg zum Tod zehntausender Bienenvölker. Drei sogenannte Neonikotinoide sind inzwischen von der EU verboten, doch es gibt noch viele erlaubte Pestizide, die als gefährlich für Bienen gelten.

Mit seinem Spielfilm „Die letzte Sau“ schafft der deutsche Regisseur Aron Lehmann („Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel“ und „Highway to Hellas“) einen Road-Movie durch Deutschland mit ökologisch wichtigem Hintergrund. In den Nebenrollen sind unter anderem Christoph Maria Herbst, Thorsten Merten und Bernd Stegemann zu sehen.

Am 29. September kommt der Film ins Kino. Wir verlosen fünf Mal zwei Karten auf unserer Facebook-Seite.

Anica Beuerbach

 

Bienen 29.Sep 2016

Insektizid-Hersteller halten Erkenntnisse über Gefahren für Bienen unter Verschluss

Was unabhängige Wissenschaftler schon seit langem befürchten, haben nun auch bislang unveröffentlichte Studien der Chemikonzerne Bayer und Syngenta ergeben: Neonikotinoide schaden Honigbienen.

Nach Recherchen des britischen Investigativ-Rechercheteams von Greenpeace Energy Desk dienten die konzerninternen Untersuchungen dazu festzustellen, in welchen Konzentrationen die in Produkten der Unternehmen enthaltenen Neonikotinoide eine Gefahr für Bienen bedeuten. Bei der Gestaltung der Tests hatten sich die Unternehmen mit den Aufsichtsbehörden abgestimmt, die die Grenzwerte für Giftstoffe festlegen und den Herstellern derartige Untersuchungen vorschreiben. Produkte mit Neonikotinoiden von Bayer und Syngenta werden etwa zur Bekämpfung von Blattläusen oder Käfern in der Landwirtschaft eingesetzt.

Der Einsatz von Neonikotinoiden kann zu einer geringeren Fortpflanzungsrate bei Bienen führen. Foto: Holger Weber/Greenpeace


Öffentlich haben die Hersteller bislang stets bestritten, dass diese Insektizide eine Gefahr für Bienen darstellen. So setzte Bayer Ende 2014 per einstweiliger Verfügung durch, dass der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zwei Produkte von Bayer Cropscience in einem Einkaufs-Check zum Verkauf von Pestiziden nicht als „bienengefährlich“ bezeichnen durfte. Bayer berief sich dabei auf die behördliche Zulassung seiner Produkte. Die Umweltschützer verwiesen dagegen auf neueste wissenschaftliche Erkenntnise, legten vor Gericht Widerspruch ein und konnten sich am Ende durchsetzen: Der BUND dürfe weiterhin öffentlich vor der Gefährlichkeit der Bayer-Pestizide warnen, entschieden die Richter im vergangenen Jahr.

Die von Greenpeace Energy Desk aufgedeckten Ergebnisse der internen Untersuchungen dürften indes weder in der Industrie noch unter mit der Materie befassten Wissenschaftlern für großes Erstaunen sorgen. Schließlich sind die Risiken von Neonikotinoiden seit langem bekannt. Auf Kritik stößt unter Experten und Umweltschützern aber die Geheimhaltungspolitik und die enge Abgrenzung der Schädlichkeit der Pestizide in den internen Untersuchungen. Die Risiken für Honigbienen würden damit als zu gering eingeschätzt und Gefahren für wilde Bienen, die empfindlicher auf Giftstoffe reagieren, vollkommen ignoriert.

„Diese geheim gehaltenen Ergebnisse offenbaren die grundlegende Schwäche der von den Aufsichtsbehörden vorgeschriebenen Tests”, sagte der Vorsitzende der britischen Tierschutzorganisation Buglife, Matt Shardlow. „Wenn diese Studien keine Wirkung auf die Gesundheit der Honigbienen nachweisen, liegt das daran, dass die Untersuchungsbedingungen nicht realistisch sind.” Die Bienen seien im Labor nicht in gleichem Umfang den Neonikotinoiden ausgesetzt gewesen, wie im freien Feld, wo sie die Giftstoffe über Staub, Trinkwasser oder Blüten aufnehmen.

Sowohl die Untersuchungen von Bayer als auch von Syngenta belegen aber, dass die von den Unternehmen angebotenen Insektizide Clothianidin und Thiamethoxam in hoher Konzentration in Kolonien von Honigbienen signifikanten Schaden anrichten. Da im Rahmen dieser Untersuchung kein Test unter „normalen” Bedingungen stattgefunden habe, hät Syngenta jedoch weiter an seiner Auffassung fest, dass der Einsatz des Insektizids Thiamethoxam in der Landwirtschaft für Bienen unschädlich ist. Bayer erklärte gegenüber Greenpeace Energydesk, dass für die Studie eine künstliche Fütterung mit Zuckerlösung vorgenommen wurde, bei der die Belastung absichtlich sehr hoch angesetzt worden sei, um festzustellen, von welcher Konzentration an Neonikotinoide gefährlich für Bienen sind.

Wissenschaftler wie Christian Krupke von der US-amerikanischen Purdue University beklagen die mangelnde Transparenz der Unternehmen. „Zum Engagement von Bayer und Syngenta für die Gesundheit von Bestäubern sollte es eigentlich gehören, diese Daten öffentlich zugänglich zu machen.” Nach Aufdeckung der unter Verschluss gehaltenen Ergebnisse durch Greenpeace Energydesk hieß es aus den Unternehmen, die Studie von Syngenta solle in einem wissenschaftlichen Journal und die Resultate der Tests bei Bayer im Rahmen einer Fachkonferenz vorgestellt werden.

Insektenkundler Krupke setzt darauf, dass die Veröffentlichung der unabhängigen Forschung dient: „Diese Arbeit liefert einen reichhaltigen Datensatz, den nun auch öffentlich finanzierte Wissenschaftler nutzen können, die dazu weltweit forschen.”

Joe Sandler Clarke/Matthias Lambrecht

energieeffizienz 28.Sep 2016

Kleine Vermieter zögern beim Klimaschutz

Niedrige Öl- und Gaspreise sind ein Problem im Kampf gegen die Erderwärmung: Sinken die Heizkosten, fehlt der Anreiz, teure Modernisierungen am Eigenheim vorzunehmen.​

Deutschland will bis 2050 den Energiebedarf um 80 Prozent senken. Das ist Teil des Klimaschutzplans, aus dem inzwischen wieder alle Sektorenziele herausgestrichen wurden. Zu den betroffenen Sektoren gehört – neben den Hauptklimasündern Verkehr und Landwirtschaft – auch der Wohnungsbau. Eine stärkere Förderung energieeffizienter Neubauten und energetischer Sanierungen ist nach Untersuchungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) allerdings unumgänglich, sollen die energie- und klimapolitischen Ziele der Bundesregierung erreicht werden.

„Um die energie- und klimapolitischen Ziele der Bundesregierung zu erreichen, müssen im Bereich der Raumwärme mittel- und langfristig große Energieeinsparungen erzielt werden“, heißt es im aktuellen  Wochenbericht des DIW: Wie viel Energie genau gespart wird, erfasst das Institut jährlich, indem es gemeinsam mit dem Energiedienstleister Ista die Heizenergieabrechnungen tausender Mehrfamilienhäuser in Deutschland auswertet.

Der soeben publizierte „Wärmemonitor 2015“ des DIW kommt zum Ergebnis, dass wie schon im Vorjahr der Heizenergiebedarf im Jahr 2015 zurückgegangen ist: Gegenüber 2014 sank er erneut um sechs Prozent. Seit 2003 ist der Bedarf bundesweit um 18 Prozent gesunken. Private Haushalte profitieren von den Einsparungen, die Regierung steht allerdings vor einem Problem: Zwar sei der sinkende Heizenergiebedarf auf die Sanierungsanstrengungen der vergangenen Jahre zurückzuführen, doch investierten die Eigentümer 2015 weniger in energetische Umrüstungen als noch 2010 oder 2011, sagt DIW-Experte Claus Michelsen. Und das, obwohl die Bedingungen eigentlich außerordentlich gut sind. Die Nachfrage nach modernem Wohnraum ist sehr hoch, während Bauzinsen historisch niedrig sind. Doch mit den fallenden Preisen für Öl und Gas schwindet die Bereitschaft, in energetische Sanierungen zu investieren. Und solange die Heizkosten niedrig bleiben, haben Haus- und Wohnungseigentümer wenig Anreiz, ihre Gebäude zu dämmen und sparsame Heizungen einzubauen.

Besonders zögerlich sind nach den Erkenntnissen des DIW nicht die großen Immobilienfirmen, sondern vor allem kleinere Vermieter. Firmen, die mehr als tausend Wohnungen vermieten, rüsten ihre Gebäude auch auf, wenn die Heizkosten im Keller sind. Sie haben gegenüber privaten Eigentümern den Vorteil, dass sie Material wie Fenster, Heizungen und Dämmstoffe zu Mengenrabatten einkaufen und Arbeitskräfte flexibel auf mehreren Baustellen einsetzen können. Große Wohnungsunternehmen sammeln zudem mit jeder Sanierung Erfahrungswerte und arbeiten dadurch wesentlich effektiver als Privateigentümer. Die Auswertung der Energieausweise von rund 100.000 Immobilien zeigt, vollsanierte Gebäude großer Vermieter verbrauchen danach durchschnittlich 36 Prozent weniger Energie. Vollsanierungen kleiner Vermieter senken den Bedarf dagegen lediglich um 18 Prozent.

Energetisch modernisierte Wohnhäuser der GESOBAU im Märkischen Viertel in Berlin. In acht Jahren wurden 13.532 Wohnungen grundlegend erneuert. Foto: picture-alliance

Das DIW schlägt daher vor, dass große Wohnungsunternehmen und kleine Vermieter zusammenarbeiten sollten. Statt einzelne Gebäude zu sanieren, sei es sinnvoll, ganze Quartiere auf einmal umzurüsten. Auch das „Contracting“ wäre eine Möglichkeit: Will ein Vermieter die Kosten einer energetischen Sanierung nicht selbst tragen, kann er die Investitionen einer Firma überlassen, die im Gegenzug für einen festgelegten Zeitraum die Gewinne erhält, die durch den Umbau entstehen.

„Für den Erfolg der Energiewende ist es wichtig, dass kleine Unternehmen und private Eigentümer bei der Sanierung der Immobilien stärker unterstützt werden“, sagt Michelsen. Denn den kleinen Vermietern gehören zwei Drittel aller Wohnungen in Deutschland. Bislang gibt es kaum eine Zusammenarbeit von großen und kleinen Vermietern. Dabei hat der Bund ein wenig bekanntes Programm aufgelegt, mit dem bislang 600 solcher Kooperationen gefördert wurden. In Pforzheim und Essen gibt es erste Erfolgsergebnisse. Unter Beteiligung vieler kleiner Eigentümer und Wohnungsunternehmen wird gerade die Pforzheimer Nachkriegssiedlung Weststadt energetisch saniert. Deutschlands größter Vermieter Vonovia setzte den neuen Ansatz bereits im Essener Eltingviertel um und plant nun auch an anderen Standorten neue Quartiersprojekte.

Maria-Elisa Schrade

Artenschutzkonferenz 28.Sep 2016

Einfallstor für illegalen Elfenbeinhandel wird geschlossen

Die Welt-Artenschutzkonferenz lehnt mehrheitlich den Antrag von Simbabwe und Namibia ab, ihre Lagerbestände an Elfenbein weiterhin verkaufen zu dürfen.

Eigentlich ist der internationale Handel mit Elfenbein schon seit Jahren illegal. Weil aber 2008 für vier afrikanische Länder eine Ausnahme gemacht wurde und diese seitdem ihre Lagerbestände verkaufen durften, hat die Trophäenjagd auf Elefanten insbesondere in Afrika wieder massiv zugenommen. Das belegen mehrere unabhängige Studien. Nach Angaben der Weltnaturschutzunion (IUCN) ist die Population in Afrika zwischen 2006 und 2015 um 20 Prozent gesunken – Hauptursache ist die Wilderei. Der Great Elephant Census, der erste fast kontinentweite Zensus Afrikanischer Elefanten, kam vor einigen Wochen zu einem noch schockierenderen Ergebnis: Die Bestand sei in den letzten sieben Jahren um 30 Prozent geschrumpft. In 18 Ländern leben nach Berechnungen der Forscher nur noch rund 350.000 Elefanten, deutlich weniger, als bisher angenommen.

Ein Beamter des Zimbabwe National Parks inspiziert den Elfenbeinlagerbestand des Landes. Zimbabwe verfügt über 93 Tonnen Elfenbein im Wert von etwa 15 Millionen US-Dollar. Der Antrag des Landes, das Elfenbein zu verkaufen, wurde am Montag auf der Cites-Konferenz abgelehnt. Foto: picture alliance/AP Photo

Die IUCN, die auch Partner des „Great Elephant Census“ ist, beschäftigte sich mit diesem Thema bereits beim Weltnaturschutz-Kongress, der vom 1. bis zum 10. September auf Hawaii stattfand. Zur Bekämpfung der Wilderei forderte die Weltnaturschutzunion die Schließung der Binnenmärkte für den Elfenbeinhandel. Denn diese stellten ein Schlupfloch dar, um illegal erbeutetes Elfenbein „reinzuwaschen“, erklärte Satyen Sinha vom Internationalen Tierschutzfonds am Montag auf der Artenschutzkonferenz. Die USA unterstützen diese Forderung, die Europäische Union will allerdings den Handel mit antikem Elfenbein innerhalb der EU weiterhin erlauben.

Der Weltnaturschutz-Kongress wurde im September mit einem Votum für den Stopp des nationalen Handels mit Elfenbein beendet. Gegen einen vollständigen Bann des Elfenbeinhandels im Inland hatten sich bis zuletzt auch die Länder Südafrika, Namibia, Kanada und Japan eingesetzt. Nun ist die Resolution auch Beschlussvorlage für die seit Samstag in Johannesburg stattfindende Welt-Artenschutzkonferenz, die auf dem 1973 ausgehandelten Artenschutzabkommen (Cites) beruht. Aufgabe dieser Konferenz, an der 180 Staaten beteiligt sind, ist die Regelung des Handels mit wilden Tieren- und Pflanzenarten.

Die Entscheidung der Delegierten, den Antrag Simbabwes und Namibias zurückzuweisen, ist ein entscheidender Schritt für einen strengeren Schutz der bedrohten Elefanten in Afrika. Ein Staatenbündnis aus 29 anderen afrikanischen Ländern verlangt nun, alle Elefantenpopulationen des Kontinents unter höchstmöglichen Schutz zu stellen. Die Ergebnisse der Cites-Konferenz dürften auch richtungsweisend für die anstehende UN-Weltnaturschutzkonferenz im Dezember sein. Auch dort will die IUCN ihre Forschungsergebnisse und Anträge vorbringen.

Die verschiedenen Maßnahmen zum Schutz der Elefenaten sind unterdes nach wie vor sehr umstritten. Ökonomische Interessen einzelner Länder führen immer wieder zur Blockierung eines vollständigen Verbots. Einige Gegner argumentieren, ein vollkommenes Verbot würde den illegalen Handel erswt recht anfeuern. Die IUCN begründete ihr Votum im September hingegen mit der Annahme, dass jede Form eines Elfenbeinangebots – auch die auf einem legalen Binnenmarkt – Möglichkeiten für das Einschmuggeln illegaler Elfenbeinbestände eröffne.

Blickt man auf die Geschichte des Elfenbeinhandels und -schmuggels sowie der daraus resultierenden illegalen Jagd auf Elefanten zurück, gibt diese der IUCN recht: Cites erklärte 1989 erstmals den Handel mit Elfenbein für illegal, weil langjährige Versuche, einen legalen Markt für den Elfenbeinhandel aufzubauen, als gescheitert galten. Das Ergebnis: Die Wilderei und die Nachfrage nach Elfenbein gingen in den folgenden Jahren massiv zurück. Erst als 2008 vier afrikanische Länder ihre Bestände verkaufen durften, wurde der Absatzmarkt für Elfenbein wieder angekurbelt und die Nachfrage insbesondere in Asien nahm erneut zu.

Maria-Elisa Schrade

plastikmüll 28.Sep 2016

Mikroplastik in der Nahrungskette: Fremdkörper mit Giftfracht

Deutschland sollte dem Beispiel Großbritanniens folgen und Mikroplastik in Verbrauchsgütern verbieten, fordert Greenpeace. Den aktuellen Forschungsstand zur Belastung von Fisch, Krusten- und Schalentieren mit Plastikpartikeln hat die Umweltschutzorganisation in einem Report zusammengefasst.

„Mikroplastik wirkt in der Umwelt wie ein Fremdkörper mit Giftfracht. Es enthält Schadstoffe, zum Beispiel Weichmacher und Flammschutzmittel. Gleichzeitig sammeln sich Schadstoffe aus der Umwelt an den Partikeln“, sagt die Greenpeace-Meeresexpertin Sandra Schöttner. „Es droht die Gefahr, dass sich Mikroplastik in der Nahrungskette anreichert.“

Der am Mittwoch veröffentlichte  Report enthält die Ergebnisse der jüngsten Feld- und Laborstudien zur Aufnahme, Anreicherung und Auswirkungen von Mikroplastik und assoziierten Schadstoffen. Sie belegen, wo sich Mikroplastik sammelt: in kleinstem Zooplankton, aber auch in kommerziell genutzten Arten wie Thunfisch, Kabeljau, Makrele sowie Miesmuscheln und Nordseegarnelen. Dort können die winzigen Plastikpartikel samt Schadstoffen sowohl physisch als auch chemisch zum Problem werden. Sie rufen beispielsweise Entzündungsreaktionen im Darmtrakt hervor, beeinflussen die Nahrungsaufnahme oder das Fortpflanzungsverhalten der Tiere. „Bisher gibt es keine Erkenntnisse, inwieweit die Plastikpartikel auch ins Gewebe gelangen. Vorsicht ist jedoch bei Muscheln oder Garnelen geboten, die etwa vollständig verzehrt werden“, sagt Schöttner.

 

Winzige Plastikpartikel aus Kosmetika oder Reinigungsmitteln: Die Industrie wehrt sich gegen ein Verbot. Foto: Fred Dott / Greenpeace 

Die Forschung zu Mikroplastik stecke noch immer in den Kinderschuhen – erst recht, was die möglichen Folgen für Mensch und Umwelt angehe, so die Greenpeace-Expertin. Die unabhängige Umweltschutzorganisation fordert die Politik auf, das Vorsorgeprinzip anzuwenden, um das Risiko für Mensch und Umwelt gering zu halten.

„Als ersten, einfachen Schritt sollte Umweltministerin Hendricks dem Beispiel Großbritanniens folgen und Mikroplastik in Verbrauchsgütern verbieten, die täglich ins Abwasser gelangen – das betrifft insbesondere Kosmetik-, Wasch- und Reinigungsmittel“, fordert Schöttner. In Peelings, Shampoos und Scheuermilch dienen die Plastikkügelchen zum Beispiel als Schleif- oder Bindemittel. Die Industrie entzieht sich einem gesetzlichen Standard bisher durch individuelle Ausstiegspläne.

Greenpeace hatte im Sommer die dreißig größten Kosmetikhersteller weltweit auf Qualität und Stand ihrer freiwilligen Selbstverpflichtung befragt. Keine einzige erfüllte die Greenpeace-Kriterien.

Als Mikroplastik werden Plastikpartikel mit einem Durchmesser von weniger als fünf  Millimetern bezeichnet. Sie entstehen entweder durch den Zerfall größeren Mülls oder werden bereits in kleiner Größe industriell hergestellt. Sie können teils ungehindert die Klärwerke passieren. Jährlich gelangen bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikmüll allein von Land in unsere Ozeane. Er wird biologisch nicht abgebaut, sondern zerfällt in immer kleinere Teilchen. Derzeit gibt es keine verlässliche Angabe über die genaue Menge von Mikroplastik in den Ozeanen. Funde in entlegenen Gebieten wie Arktis und Antarktis belegen jedoch, dass die Verschmutzung sehr weitreichend ist.

dpa/ML

 

Stromtrassen 27.Sep 2016

Netzbetreiber Tennet gibt nach: Extrawurscht für Bayern

Zwei Jahre lang hat sich die CSU gegen die Netzbaupläne von Tennet gewehrt. Nun kann sich Seehofer freuen: Im Freistaat sollen Erdkabel statt Überlandleitungen verlegt werden.

„Unterirdische Infrastruktur ist nicht ein Problem, sondern die Lösung für die Zukunft. Ist ein Breitbandkabel unter der Erde irgendein Problem? Ist Verkehr im Tunnel ein Problem? Sind Wasserleitungen und ein Kanal unter der Erde ein Problem?“, sagt der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer über die Pläne zur vollständigen Erdverkabelung in seinem Bundesland. Vor zwei Jahren hatten erste Pläne des Netzbetreibers Tennet für Stromtrassen von Nord- nach Süddeutschland in Bayern für massive Proteste gesorgt. Dort sollen die beiden Stromtrassen Südlink und Südostlink enden, die Strom aus Windkraftanlagen aus dem Norden anliefern werden.

Protest bei Tennet-Infoveranstaltung in Bayern. Die Bürgerinitiative fordert „Energiewende Ja - SuedLink Nein“. Foto: dpa

Gegen die Trassenführung, die Strom aus erneuerbaren Energien quer durchs Land transportieren soll, protestieren nicht nur die Bayern. Hier ist der Widerstand jedoch am stärksten: Zahlreiche Gemeinden und Bürgerinitiativen wehrten sich gegen die zunächst überirdisch geplanten Leitungen. Vor allem Horst Seehofer hatte gegen die „Monstertrassen“ gewettert. Auch CSU-Wirtschaftsministerin Ilse Aigner bleibt in den Verhandlungen eisern – „es dürfte inzwischen bekannt sein, dass gegen den Widerstand Bayerns keine Leistungsvorhaben umsetzbar sind“, kommentierte sie die anstehenden Verhandlungen mit Tennet über den möglichen Streckenverlauf der Stromtrassen.

Zwar konnten die Bürgerinitiativen die Baupläne des Netzbetreibers nicht stoppen, der Südostlink von Sachsen-Anhalt nach Niederbayern und der Südlink von Schleswig-Holstein nach Bayern sollen weiterhin gebaut werden. Die CSU hat sich jedoch in einem entscheidenden Punkt durchgesetzt: In Bayern werden die Kabel auf jeden Fall komplett unterirdisch verlegt – und zwar auf die Kosten von Verbrauchern und Unternehmen. Die Erdverkabelung macht den Netzausbau nicht nur um Milliardensummen teurer, sie verlangsamt das Projekt auch um mindestens drei Jahre. Statt die „Hauptschlagader“ der Energiewende 2022 einweihen zu können – also im selben Jahr, in dem das letzte Atomkraftwerk vom Netz gehen soll – wird der Südlink nach Einschätzung der Bundesnetzagentur erst 2025 fertig werden.

Schon seit Wochen informiert Tennet auf Bürgerveranstaltungen über die neuen Projektpläne. Die Vorbehalte in der Bevölkerung sind allerdings nach wie vor groß. Kritiker, wie zum Beispiel der BUND Naturschutz in Bayern fordern schon seit 2014 statt Gleichstromtrassen eine dezentrale Versorgung und den Ausbau der bereits bestehenden Trassen. Zu den Vorschlägen der Naturschutzorganisation gehört auch, dass Bayern mehr Windparks und Windenergieanlagen im eigenen Bundesland errichtet und die Regelung streicht, nach der beim Bau eines Windrads mindestens das Zehnfache seiner Höhe von der nächsten Wohnbebauung Abstand gehalten werden muss – was die meisten Projekte unmöglich macht. Bei der bayerischen Landesregierung haben die Vorschläge bisher kein Gehör gefunden. Der Freistaat war in den letzten Jahren mehrfach dafür kritisiert worden, zu wenig für die  Energiewende zu tun und vor allem seine eigenen Interessen zu verfolgen.

Tennets überarbeitete Pläne liegen dem bayerischen Wirtschaftsministerium seit Montag vor, es fanden Informationsveranstaltungen im Landtag statt. Am Dienstagnachmittag hat der Netzbetreiber seine Pläne schließlich auch der Öffentlichkeit vorgestellt, um Besprechungen mit Regierungsbezirken, Kommunen und Bürgern über mögliche Varianten für die Streckenführung in die Wege zu leiten. In Anbetracht der harten Verhandlungslinie Bayerns könnte eine endgültige Einigung allerdings noch ein Weile auf sich warten lassen.

Maria-Elisa Schrade

Artenschutz 27.Sep 2016

Gesetzeslücke in der EU begünstigt Schmuggel von exotischen Wildtieren

Eine Lücke im EU-Recht hilft dem Handel mit Reptilien in Europa, berichtet „Pro Wildlife“. Die Artenschützer fordern von den Teilnehmern der CITES-Konferenz, den Schmuggel zu stoppen.

Alle kennen schreckliche Bilder der Trophäenjagd auf Wildtiere. Der Löwe Cecil wurde im vergangenen Jahre auf tragische Weise weltberühmt, als Fotos des in Simbabwe getöteten Tieres im Internet kursierten. Ein amerikanischer Zahnarzt hatte seinen Fang stolz präsentiert. Bilder von Elefantenkadavern, die ihrer Stoßzähne beraubt wurden, prangen auf den Webseiten der Tierschutzorganisationen. Reptilien finden da meist weniger Beachtung. Der aktuelle Bericht der Tier- und Naturschutzorganisation Pro Wildlife „Stolen Wildlife II“ könnte das ändern. Hier geht es nicht um Wilderei, sondern um den Schmuggel mit lebenden Tieren.

Europa sei sowohl Umschlagplatz als auch Absatzmarkt für exotische Wildtiere, insbesondere für seltene Reptilien, heißt es in dem Bericht. Diese werden nach Angaben der Artenschutzorganisation „Pro Wildlife“ in ihren Herkunftsländern illegal gefangen und dann legal in Europa verkauft. Möglich mache das eine Gesetzeslücke: Auch wenn viele Tiere in ihren Herkunftsländern geschützt sind, gilt das nicht immer international. Einmal über die Landesgrenze geschmuggelt, können sie in Europa legal im Internet oder auf Tierbörsen als Haustiere verkauft werden.

Der himmelblaue Zwergtaggecko soll künftig durch ein Gesetz besser vor Schmuggel geschützt werden. Foto: picture alliance/Hippocampus Bildarchiv

Pro Wildlife fordert daher ein neues Gesetz, das sich den US-Lacey Act zum Vorbild nehmen könnte. Dieser macht den Import, Besitz, Kauf und Export von Wildtieren und -pflanzen strafbar, deren Fang oder Ausfuhr im Heimatland gegen die dortigen Gesetze verstößt. „Ein EU-Lacey Act würde klare Verhältnisse schaffen“, sagt Sandra Altherr, die Autorin des Reports. Die Organisation legt den Bericht heute bei der Artenschutzkonferenz in Johannesburg vor, wo die 180 Delegierten der Teilnehmerstaaten noch bis zum 5. Oktober über den Handel mit Wildtieren und -pflanzen diskutieren werden. Grundlage für die Konferenz ist das 1973 in Washington unterzeichnete Artenschutzabkommen (CITES).

Schon 2014 hatte Pro Wildlife einen ersten Bericht zu den gestohlenen Wildtieren und -pflanzen vorgelegt. Die Europäische Union und diverse Herkunftsländer fordern nun auf der aktuellen Cites-Konferenz weltweite Handelsbeschränkungen oder -verbote für mehr als dreißig Reptilienarten. So sollen zum Beispiel diverse Alligator-Baumschleichen aus Lateinamerika, der himmelblaue Zwerggecko aus Tansania und der vietnamesische, psychedelische Gecko international geschützt werden. Malaysia will zudem den Borneo-Taubwaran international unter Schutz stellen lassen, Madagaskar den Masobe-Gecko und Kenia zwei Giftschlangenarten. Denn all diese Tiere werden, trotz Fang- und Exportverbot in ihren Herkunftsländern, international gehandelt.

Länder wie Australien, Costa Rica oder Indien lassen bereits jetzt keinerlei Wildtierexporte zu, oder nur mit ausdrücklichen Genehmigungen. Die Idee eines EU-Lacey Acts findet auch im EU-Parlament Unterstützung: Am 15. September hat es eine Resolution verabschiedet, die die Forderung noch einer solchen Gesetzgebung bekräftigt.

Maria-Elisa Schrade

luftverschmutzung 27.Sep 2016

Millionen sterben durch Abgase – Paris geht dagegen vor

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat erstmals für alle Länder die Zahl der Todesopfer durch Luftverschmutzung errechnet. Sie fordert die Politik auf, umgehend dagegen aktiv zu werden. Paris macht vor, wie das aussehen kann.

Die Zahlen sind nach eine Reihe von Studien, die den Zusammenhang zwischen verschmutzter Atemluft und lebensbedrohlichen Krankheiten belegt haben, zwar nicht mehr überraschend, aber in der globalen Dimension doch schockierend: Weltweit sterben Jahr für Jahr rund drei Millionen Menschen durch die Verschmutzung der Außenluft – vor allem durch Autoabgase, Müllverbrennung, Kohlekraftwerke und Industrieabgase. Mindestens ebenso tödlich ist die schlechte Luft innerhalb von Wohnräumen. Insgesamt bestand laut den neuen WHO-Modellrechnungen im Jahr 2012 bei 6,5 Millionen Todesfällen, etwa durch Herz-Kreislauferkrankungen, Schlaganfälle und Lungenkrebs, eine Verbindung zur Luftverschmutzung, also bei mehr als jedem zehnten Todesfall. 92 Prozent der Menschen leben an Orten, an denen das von der WHO empfohlene Limit der Luftverschmutzung von zehn Mikrogramm Feinstaub (PM 2,5) pro Kubikmeter im Jahresdurchschnitt überschritten wurde.

Erstmals haben die Gesundheitsschützer der Vereinten Nationen anhand eines Modells für jedes Land der Welt die Zahl der Todesopfer berechnet. Wie zu erwarten liegt das bevölkerungsreiche China an erster Stelle – mit mehr als einer Millionen Todesfällen pro Jahr. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Indien (600.000) und Russland (140.000 Todesfälle). Zwei Drittel der verschmutzungsbedingten Todesfälle fallen auf den südostasiatischen und westpazifischen Raum, doch wenn die Zahl der Opfer auf die Bevölkerung umgerechnet wird, liegt ein osteuropäisches Land ganz vorn: In der Ukraine waren Abgase in der Atemluft 2012 für den Tod von 54.507 Menschen verantwortlich (130 von 100.000).

Doch auch für Deutschland hat die WHO erschreckende Zahlen parat: Hier starben im Untersuchungsjahr 26.160 Menschen, weil sie verschmutzte Luft einatmeten – das bedeutet Rang 17 im globalen Vergleich. Damit liegt die Bundesrepublik fast gleichauf mit dem Iran, wo allerdings ein Naturphänomen die Zahlen nach oben trieb: Sandstürme, der wichtigste nicht durch den Menschen verursachte Faktor, spielen dort eine große Rolle. Die sauberste Luft atmen die Menschen auf den pazifischen Inselstaaten.

Für ihre Analyse werteten die Wissenschaftler von WHO und der britischen Universität Bath Satellitenmessungen und Daten von mehr als 3000 Bodenstationen aus. „Die Länder sind nun mit der Realität besserer Daten konfrontiert“, sagte bei der Vorstellung der Analyse, Maria Neria, die WHO-Direktorin der Abteilung für öffentliche Gesundheit und Umwelt. „Was wir daraus lernen, ist sehr schlecht. Es gib jetzt keine Entschuldigung mehr, nicht umgehend aktiv zu werden.“

Durchatmen an der Seine: Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo ließ die Uferstraße für den Autoverkehr sperren.   Foto: dpa

Wie so ein „schnelles Handeln“ aussehen könnte, macht derzeit Paris vor. Die linke Mehrheit im Rathaus stimmte am Montag für ein bereits vor drei Wochen von der Bürgermeisterin Anne Hidalgo ausgerufenes Fahrverbot an der Seine: Sehr zum Ärger von Autofahrern ließ sie für diese zur Bekämpfung der Luftverschmutzung die Uferstraße sperren; Fußgänger haben die unverhofft frei gewordene Promenade erobert. „Die Luftverschmutzung zu bekämpfen ist eine meiner absoluten Prioritäten als Bürgermeisterin“, sagte Hidalgo. Wenn es nach ihr ginge, sollten alle Bürgermeister ihre Verantwortung wahrnehmen und „weitreichende Maßnahmen“ ergreifen. „Die Gesundheit der Pariser ist nicht verhandelbar.“

Wolfgang Hassenstein

wildnis 26.Sep 2016

Elefanten sterben – und die Konferenz für Artenschutz streitet über ein Verbot des Handels von Elfenbein

Zwischen 2006 und 2015 haben Wilderer den Elefantenbestand in Afrika um 20 Prozent dezimiert. Auf der Artenschutzkonferenz in Johannesburg will jetzt eine Koaliton von 29 Staaten ein Verbot des Elfenbeinhandels durchsetzen. Doch einige afrikanische Staaten sind dagegen – sie wollen am Verkauf weiter verdienen.​

Sie gelten als Delikatesse, Heilmittel oder Trophäe: Elefanten, Löwen, Nashörner und Haie, aber auch weniger bekannte Schuppentiere, Graupapageien und Berberaffen gehören zu den bedrohten Arten, über die in den nächsten beiden Wochen Delegierte aus 180 Staaten beraten werden. Eröffnet wurde die 17. Artenschutzkonferenz am Samstag in Johannesburg. Bis zum 5. Oktober haben Regierungsvertreter und Naturschutzorganisationen Zeit, Anträge von 175 Initiativen zu überprüfen – so viele wie noch nie. Grundlage für die Konferenz ist das Washingtoner Artenschutzabkommen (Cites), das 1973 ausgehandelt wurde, um den weltweiten Handel mit wild lebenden Tieren und Pflanzenarten wie Kakteengewächse, Affenbrotbaum und Palisander zu regeln. Laut Cites-Generalsekretär John Scanlon ist die diesjährigen Konferenz die größte seit 43 Jahren.

Elefant und Nashorn: Die Skulptur „Alive and Free“ zeigt zwei der bedrohten Arten, über deren Schutz gerade in Johannesburg diskutiert wird. Foto: picture alliance/AP Photo

Die Konferenz ist dringend nötig, betrachtet man die erschreckenden Zahlen der jüngsten Studien. Nicht nur der Bestand der Elefanten in Afrika ist massiv bedroht, wie unter anderem aus dem Bericht der Weltnaturschutzunion (IUCN) hervorgeht. Auch von den bei Trophäenjägern beliebten Löwen sind nach Angaben der Naturschutzorganisation Pro Wildlife nur noch etwa 20.000 Tiere übrig. Darüber hinaus wurden nach Angaben der Umweltstiftung WWF seit 2008 mehr als 6000 Nashörner getötet. Gefragt sind ihre Hörner in China und Vietnam, wo ihnen eine heilende Wirkung zugeschrieben wird.

Um die Jagd auf Elfenbein zu stoppen, hat sich eine Koalition von 29 Staaten gebildet. Sie fordert ein erneutes vollständiges Verbot des Handels mit dem weißen Gold. Nachdem der Versuch gescheitert war, einen kontrollierten legalen Handel zu etablieren, hatte das Washingtoner Artenschutzübereinkommen den internationalen Handel 1998 bereits verboten. Nach Angaben von Pro Wildlife ein riesen Erfolg: Der illegale Handel und die Wilderei kamen weitgehend zum Erliegen. Seit 2008 der Elfenbeinhandel wieder liberalisiert wurde, ist die Nachfrage insbesondere in Asien wieder gestiegen. Das ist gut für Länder wie Namibia und Zimbabwe, die ihre Vorräte verkaufen wollen – sie sind gegen ein Verbot. Außerdem befürchten einige Delegierte, dass ein komplettes Verbot den illegalen Handel auch unabsichtlich fördern könnte.

Was also tun, wenn Verbote nicht streng genug oder sogar wirkungslos sind? Vor dieses Problem werden die Delegierten der Teilnehmerländer bei jeder Artenschutzkonferenz aufs Neue gestellt. So obliegt es ihnen auch bei jedem Treffen zu bemessen, wie erfolgreich die beschlossenen Maßnahmen der letzten Konferenz waren. 2013 wurde zum Beispiel in Thailand beschlossen, fünf bedrohte Haiarten unter stärkeren Schutz zu stellen. Zu härteren Sanktionen im Elfenbeinhandel konnten sich die Delegierten vor drei Jahren jedoch nicht durchringen.

Maria-Elisa Schrade

Klimaschutzplan 2050 26.Sep 2016

Interview: „Die Substanz wurde aus dem Klimaschutzplan rauslobbyiert.“

Umweltverbände verweigern aus Protest gegen Streichungen im Klimaschutzplan weitere Beratung. Greenpeace und BUND erklären in einem Interview ihre Beweggründe.

Der Klimaschutzplan 2050 steht. Am 2. November will das Kabinett den Plan offiziell beschließen. Eine letzte Anhörung der Verbände soll morgen in Berlin stattfinden. Da jedoch Wirtschaftsministerium und Kanzleramt durch ihre Streichungen im Klimaschutzplan längst deutlich gemacht haben, dass die Vorschläge der Umweltverbände im endgültigen Entwurf keinerlei Berücksichtigung mehr finden, bleiben unter anderem Greenpeace und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) den Anhörungen aus Protest fern.

Wir fragten Tina Löffelsend, Leiterin der Abteilung Klimaschutz beim BUND, und Tobias Münchmeyer, politischer Berater für den Bereich Energie bei Greenpeace Berlin.

Protestmarsch gegen Kohle: Experten gehen davon aus, dass ohne den Kohleausstieg die Ziele des Pariser Klimaabkommens nicht erreicht werden können. Foto: Ruben Neugebauer/Greenpeace

Der Spiegel vermeldet, Umweltverbände boykottieren die Beratung zum Klimaschutzplan - warum?

Tina Löffelsend, BUND: Wir haben uns im vergangenen Jahr hinlänglich in den Beteiligungsprozess eingebracht und unsere Vorstellungen dargelegt. Im ursprünglichen Entwurf des Bundesumweltministeriums wurden Ankerpunkte festgelegt, die wir im aktuellen Plan nicht mehr finden. Zentrale Aspekte wie CO2-Einsparungen in Landwirtschaft und Verkehr sind nicht mehr vorhanden. Wir verweigern daher aus Protest die Teilnahme, um ein Zeichen dafür zu setzen, dass es so nicht geht. Wir werden die Klimaschutzziele nicht ohne verbindliche Vorschriften für die einzelnen Sektoren erreichen.

Tobias Münchmeyer, Greenpeace: Ich hatte den Spiegel eigentlich ausdrücklich darum gebeten, nicht von Boykott zu sprechen. Allerdings bleiben wir ganz bewusst den Anhörungen des Umweltministeriums fern, weil wir das Gefühl haben, dass unsere Teilnahme nichts mehr verändern würde. Es geht darum, die Enttäuschung über die vollkommene Verwässerung des Klimaschutzplans zum Ausdruck zu bringen.

Welche Passagen sind vom Wirtschaftsministerium und Kanzleramt gestrichen worden, die Ihrer Meinung nach für die Klimaschutzziele von Paris unerlässlich sind?

Münchmeyer: Alle Passagen zur Kohle und speziell zum Ausstieg aus der Kohle wurden gestrichen. Alle Sektorenziele wurden vollständig herausgenommen. So gibt es keine Verbindlichkeiten mehr für die Minister. Der nun geplante Anhörungsprozess ist lediglich eine Pflichtübung, um das Verfahren regulär abzuschließen. Wir sind besonders enttäuscht, weil das Beteiligungsverfahren eigentlich vorbildlich abgelaufen ist.

Greenpeace hat von einem Sozialwissenschaftler ein Gutachten zum Entscheidungsprozess der Bundesregierung erstellen lassen. Zu welchem Ergebnis ist er gekommen?

Münchmeyer: Professor Dieter Rucht vom Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) hat den Prozess als sehr offen und transparent eingestuft. Zwar entsprach der Entwurf des Umweltministeriums nicht unseren Idealvorstellungen, doch waren viele ehrgeizige Ziele formuliert. Umso ernüchternder ist jetzt, dass davon nichts übrig geblieben ist. Die Substanz wurde aus dem Klimaschutzplan rauslobbyiert. Greenpeace wird daher morgen auch einen offenen Brief veröffentlichen.

Was erhoffen Sie sich von Ihrem Protest? Mit dem aktuellen Klimaschutzplan ist die deutsche Ratifizierung des Pariser Abkommens ja sehr unglaubwürdig.

Löffelsend: Denkt man an die Pariser Klimaschutzziele, dann fällt das Ambitionsniveau des deutschen Klimaschutzplans deutlich zurück. Da der Plan einer der ersten ist, soll er eigentlich für die anderen Länder ein Vorbild sein. Bei dem Ehrgeiz, den er allerdings gerade vorlegt, ist Paris nicht zu erfüllen.

Münchmeyer: Wir haben immer noch eine Resthoffnung. Falls der Plan so beschlossen wird, wollen wir zumindest deutlich machen, dass wir nicht dahinter stehen.

Heute hat Polen bekanntgegeben, das Pariser Abkommen ratifizieren zu wollen. Deutschland hat die Ratifizierung letzte Woche im Eilverfahren durch Bundestag und –rat gebracht. Die USA und China waren allerdings viel schneller. Was ist da los in Europa?

Münchmeyer: Es sieht so aus, als ob die EU geschlossen ratifizieren wird. Die Nachricht aus Polen ist ja positiv zu bewerten. Die für das Inkrafttreten des Klimavertrags nötigen 55 Prozent dürften damit erreicht werden. Obama hat bestimmt auch wegen des anstehenden Regierungswechsels so schnell ratifiziert, für die anderen Länder dürfte das allerdings keine große Rolle spielen. Ich denke, sie haben einfach die Dringlichkeit erkannt.

Interviews: Maria-Elisa Schrade

Dieselgate 26.Sep 2016

So bremsen VW und Bosch die Kläger im Abgasskandal aus

Mehr als 20 Millionen Seiten Material haben US-Ermittler zur Aufklärung des Abgasskandals mittlerweile zusammengetragen. Auf diese Dokumente hätten Klägeranwälte in Deutschland auch gerne Zugriff. Das versuchen die beschuldigten Konzerne aber zu verhindern.

Der Autobauer VW und sein Zulieferer Bosch wollen die Auswertung des gigantischer Datensatzes rund um die Abgasaffäre stoppen. Die Informationen dürften Klägern in europäischen Rechtsstreitigkeiten nicht zugänglich gemacht werden, appellierten Anwälte des Autozulieferers sowie von VW – inklusive der Konzerntöchter Audi und Porsche – in Anträgen beim zuständigen US-Gericht in San Francisco. „Eine Partei in einem deutschen Zivilrechtsstreit unterliegt keiner generellen Pflicht, alle relevanten Fakten und Beweismittel umfassend offenzulegen“, erklärte dazu ein Audi-Vertreter. Außerdem machen die Unternehmen verschiedene Formfehler geltend. Beispielsweise berufen sich die Anwälte darauf, dass der US-Sitz der Konzerne nicht im betreffenden Gerichtsbezirk in Nord-Kalifornien liege, wo das Anliegen vorgebracht wurde.

Klägeranwälte, die auch in Europa Schadenersatz erstreiten wollen, versuchen schon lange, an die Dokumente heranzukommen. Die Klagen werden am Landgericht Braunschweig gebündelt.

Vertuschen statt aufklären: VW und Bosch wollen die Nutzung von US-Ermittlungsakten in europäischen Prozessen verhindern. Foto: dpa

Während VW frühzeitig ein Schuldgeständnis abgegeben und bereits einen bis zu 15,3 Milliarden Dollar teuren Vergleich mit US-Klägern ausgehandelt hat, steht eine Einigung bei Bosch bislang aus. Bosch hatte Software an Volkswagen geliefert, die von dem Autobauer auch für dessen massenhaften Abgasbetrug genutzt wurde. In den USA werfen Behörden, Staatsanwälte und geschädigte Diesel-Besitzer dem Stuttgarter Unternehmen vor, eine Schlüsselrolle in der Affäre gespielt zu haben. Es gebe keinen Zweifel daran, dass Bosch ein aktiver Mittäter sei und volle Kenntnis von Volkswagens Tricksereien gehabt habe.

Ebenso brisant bleibt die Frage, wer wann was über die Fäschung der Abaswerte von Millionen VW-Dieselautos wusste. Der frühere VW-Konzernchef Martin Winterkorn hat eine aktive Beteiligung an den Fälschungsversuchen stets abgestritten. Nun verdichten sich die Hinweise, dass Winterkorn die Manipulationen bereits vor der Veröffentlchung des Betruges bekannt gewesen sind – und er soll die Beteiligten zunächst gedeckt haben. Wie „Bild am Sonntag“ berichtet, sei der Manager knapp zwei Monate vor der Aufdeckung von Entwicklern aus dem Konzern über illegale Software in der Abgastechnik informiert worden.

Die US-Großkanzlei Jones Day durchleuchtet derzeit das Unternehmen und befragt zahlreiche Mitarbieter. Den intenren Ermittlern gegenüber sagte Winterkorn laut „Bams“, ihm sei zum Zeitpunkt der internen Information nicht bewusst gewesen, dass es sich um Betrug handelte, sonst hätte er eingegriffen.

dpa/AH

 

Cradle to Cradle 23.Sep 2016

„Die Menschen wollen immer die Besten sein. Warum nicht auch ökologisch?“

An diesem Wochenende findet in Lüneburg der „Cradle to Cradle“-Kongress statt. Nora Sophie Griefahn hat ihn organisiert und spricht im Interview über neue Produktkreisläufe, schwierige Überzeugungsarbeit und den Menschen als Nützling.

Das „Cradle to Cradle“-Konzept – übersetzt heißt es „von der Wiege zur Wiege“ – sieht vor, den Umgang mit Ressourcen, Materialien und Stoffkreisläufen völlig neu zu denken, um den Menschen einen „positiven“ ökologischen Fußabdruck zu ermöglichen. Auf dem Kongress, der am Freitagabend mit einer kostenlosen Auftaktveranstaltung beginnt, werden neben C2C-Guru Michael Braungart auch Bela B., Fernsehköchin Sarah Wiener, Trigema-Geschäftsführer Wolfgang Grupp und die Stromrebellin Ursula Sladek zu Gast sein. 

Nora Sophie Griefahn Cradle to Cradle e.V., Lüneburg

Nora Sophie Griefahn ist Geschäftsführerin des Cradle to Cradle e. V. und wünscht sich einen „positiven Fußabdruck“.  Foto: Cradle to Cradle e.V.

Frau Griefahn, der C2C Kongress findet zum dritten Mal statt. Es gibt Panels und Veranstaltungen zu Bau, Design, Textilien, aber auch zu Energie, Bildung und Nahrung. Was hat das mit Produktkreisläufen zu tun?

Wir sehen Cradle to Cradle als eine Denkschule, in der es darum geht, Dinge anders zu betrachten. Dazu gehört auch ein Menschenbild, in dem wir nicht Schädling sondern Nützling sind. Der Mensch kann in vielen Bereichen dazu beitragen, seinen Fußabdruck positiv zu gestalten. Wie kriegen wir das hin? Indem wir Rohstoffe nutzen, die sich als Nährstoffe in Kreisläufe einschleusen lassen. Im biologischen Kreislauf werden ausschließlich Stoffe verwendet, die sich am Ende ihrer Nutzung biologisch abbauen können. Im technischen Kreislauf werden alle Materialien nach ihrer Nutzung sortenrein getrennt, um sie dann wiederverwenden zu können. Bei einem T-Shirt ist klar, wie das funktionieren kann, aber auch in der Landwirtschaft oder bei der Verwendung von Energie müssen wir diese Prinzipien anwenden. Produkte dürfen nur hergestellt werden, wenn die dafür nötige Energie auch erneuerbar ist. 

Den Verein C2C e. V. gibt es seit 2012, das „Konzept“ schon länger. Was ist das Ziel?

Richtig, mit dem Konzept beschäftigen sich Menschen seit über dreißig Jahren. Es gibt bereits viele Produkte, die nach dem Prinzip funktionieren, auch Wissenschaftler beschäftigen sich ausgiebig damit. Insgesamt sind wir aber der Meinung, dass wir einen gesellschaftlichen Diskurs und letztlich eine generelle gesellschaftliche Transformation brauchen. Dazu bedarf es mehr Bildungsarbeit, Vernetzung und Austausch. Über Workshops, Vorträge und den Kongress wollen wir Mitstreiter gewinnen und die Idee des Konzepts voranbringen. 

Funktioniert das?

Das funktioniert gut, ja. Wir haben mittlerweile 36 Regionalgruppen und 400 ehrenamtliche Mitglieder. Die Menschen sehen, was falsch läuft und nun schauen sie sich nach Lösungen um, wie sie es besser machen können.

Vor allem die Industrie und Produktentwickler wären gefordert. Wie wollen Sie die von dem Konzept überzeugen?

Wir sehen, dass Unternehmen anfangen, ihre Produktionen umzustellen, aber da ist natürlich noch sehr viel mehr möglich. Die Forschung und Wissenschaft ist schon sehr viel weiter als die Unternehmen. Wir versuchen zu überzeugen, indem wir Best-Practice-Beispiele geben und zeigen, dass es nicht nur in der Theorie funktionieren kann. Dass gute Produkte nicht nur ein Märchen sind und dass es sich lohnt, Produkte zu überdenken. Die Menschen wollen doch nicht dumm sein, sie wollen immer die Besten sein. Warum nicht auch ökologisch? Warum sollten wir immer nur versuchen, ökologisch gesehen etwas weniger schlecht zu sein? Dieses Umdenken auch bei Unternehmen zu erreichen, das ist unser Ziel.

Beraten Sie Unternehmen bei der Umsetzung?

Wir selbst sind ein Verein, der Bildungsarbeit macht. Aber es gibt Berater, die Unternehmen helfen, sich auf den Weg zu machen. Das gemeinnützige US-amerikanische Products Innovation Institut (PII) verleiht beispielsweise ein Zertifikat für C2C-Produkte. Gold- und Silber-Zertifikate sind schon einige verliehen worden, ein Platin-Zertifikat, die höchste Stufe, hat noch niemand erreicht.

Gibt es international viele Unterstützer?

Absolut. In Taiwan passiert viel, in den Niederlanden gibt es ganze Regionen, die C2C-Prinzipien umsetzen wollen. In Venlo hat die Stadtverwaltung gerade ein Gebäude nach den C2C-Prinzipien gebaut, auch in Dänemark gibt es viele Menschen, die das Konzept unterstützen. Auf der Biennale wurde das Konzept dieses Jahr vorgestellt. Nächstes Jahr im Oktober werden wir deshalb wieder einen internationalen Kongress hier in Lüneburg veranstalten. 

Warum sind bisherige Recycling-Verfahren nicht ausreichend?

Weil Recycling erst ganz am Ende ansetzt. Es ist die letzte Möglichkeit. Wir haben den Müll und müssen eine Lösung finden, was wir damit anfangen. Wenn wir Produkte schon so designen, dass wir uns am Ende keine Gedanken darüber machen müssen, wie wir sie wieder loswerden, ist das eindeutig der bessere Weg. 

Das Interview führte Bastian Henrichs

armut 23.Sep 2016

Deutsche unterschätzen Erfolge bei der Bekämpfung der Armut

Eine Umfrage zeigt: Deutsche sind kaum über Fortschritte in der Armutsbekämpfung informiert und pessimistischer als der Weltdurchschnitt.

Es gibt fraglos auch gute Nachrichten in diesen schwierigen Zeiten: Weltweit leben heute nur noch halb so viele Menschen in extremer Armut wie vor zwanzig Jahren. Doch diese Tatsache ist gerade mal 0,5 Prozent der Deutschen bekannt. Stattdessen sind 92 Prozent der Befragten fälschlicherweise davon überzeugt, die Armut sei gleichgeblieben und sieben Prozent glauben, sie sei nur um ein Viertel gesunken.

Die Ergebnisse stammen aus einer Umfrage des niederländischen Forschungsinstituts Motivaction, die von der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung finanziert und am Donnerstag von der Hilfs- und Entwicklungsorganisation Oxfam in Berlin vorgestellt wurde. Aus ihr geht auch hervor, dass weltweit nur jeder Zweite daran glaubt, sein persönliches Engagement könne zur Überwindung extremer Armut beitragen. Laut der Studie sind die Deutschen sogar insgesamt pessimistischer als der Weltdurchschnitt. Ganze drei Viertel der Befragten halten es für unwahrscheinlich, dass die Armut bis 2030 beseitigt werden könnte.

„Die Bekämpfung der Armut macht Fortschritte, aber der öffentliche Glaube daran fehlt“, sagte Martijn Lampert von Motivaction. Oxfam-Kampagnendirektor Steve Price-Thomas sprach von der „größten unbekannten Erfolgsgeschichte der neueren Menschheitsgeschichte“ – das ist insofern bemerkenswert, als das Oxfam als ausgesprochen kritische Organisation bekannt ist, die nicht zur Beschönigung neigt. Die Fehlwahrnehmung der Deutschen könnte auch daher rühren, dass hierzulande die relative Armut leicht zugenommen hat. Das Statistische Bundesamt meldete für das vergangene Jahr einen Anstieg um 0,3 Prozentpunkte auf 15,7 Prozent der Haushalte. Davon betroffen sind Menschen, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des gesellschaftlichen Mittelwerts beträgt.

Oxfam, die zu Jahresbeginn eine nicht unumstrittene Vermögensstudie herausgegeben hatte, nach der die 62 reichsten Menschen der Welt über mehr Vermögen verfügen als die untere Hälfte der Weltbevölkerung, nahmen die aktuelle Studie zum Anlass für neue Forderungen. So verlangt Oxfam Deutschland „der Steuervermeidung durch Konzerne und reiche Einzelpersonen ein Ende zu bereiten“. Die Öffentlichkeit müsse „Druck machen“ für einen „konsequenten Politikwechsel“ gegen Ungleichheit.

Maria-Elisa Schrade

Tierquälerei 23.Sep 2016

In den Ställen hoher Bauernbosse herrscht der blanke Horror

Heimlich gedrehte Aufnahmen der Tierschutzorganisation „Animal Rights Watch“ zeigen grausame Zustände in der Schweine- und Putenhaltung führender Bauernfunktionäre. Die wehren sich nun – doch ihre Statements wirken hilflos.

Das ARD-Magazin „Panorama“ zeigte am Donnerstagabend Filmaufnahmen aus Schweine- und Geflügelställen, die dem Streit um Tierquälerei in der deutschen Landwirtschaft zusätzliche Brisanz verleihen. Denn die Tierschützer, die das Material zur Verfügung stellten, sind nicht in irgendwelche Ställe eingedrungen – sie filmten ausgerechnet auf den Höfen führender Agrar- und Bauernfunktionäre, die im Streit um Missstände in der Tierhaltung seit Jahren abwiegeln. Zu sehen sind kranke Tiere mit offenen Wunden, abgebissenen Schwänzen und schweren Augeninfektionen, hustend, humpelnd, dahinsiechend, teilweise tot. Norddeutscher Rundfunk und Süddeutsche Zeitung haben die Echtheit der Bilder überprüft. Der schwer erträgliche Beitrag ist in der ARD-Mediathek zu sehen.

Den grausamen Aufnahmen werden aktuelle Redebeiträge zur Tierwohldiskussion gegenübergestellt. Noch im Juni sagte Bauernpräsident Joachim Ruckwied auf dem Deutschen Bauerntag: „Wir brauchen keine Agrarwende. Die deutschen Bauern arbeiten nachhaltig und wir halten unsere Tiere tiergerecht!“ Inzwischen haben einige der Kritisierten zu den Vorwürfen Stellung genommen. Doch ihre Verteidigung wirkt wenig überzeugend.


Helmut Gumpert (links), Ferkelerzeuger und Präsident des Thüringer Bauernverbandes mit Joachim Rukwied, dem Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, beim Bauerntag in Hannover.   Foto: Sebastian Gollnow/dpa

So erklärte Paul Hegemann, der Vorsitzende des Zentralverbandes der Deutschen Schweineproduktion (ZDS): „Grundsätzlich bedauern wir das Entstehen solcher Bilder, die es in einer tierwohlgerechten Schweinehaltung zu vermeiden gilt.“ Die Aufnahmen aus seinem Stall zeigen Schweine mit riesigen eiternden Wunden an der Stelle, wo eigentlich die Schwänze sein müssten. Die Diskussion um kannibalische Schwanzbeißereien in Schweineställen stehen im Zentrum der Tierwohldebatte – denn wenn Schweine unter guten Bedingungen gehalten werden und genügend Platz haben, lassen sich die Verhaltensstörungen und Verletzungen weitgehend vermeiden. Hegemann erklärte nun, die Verletzungen seien tierärztlich behandelt worden und es sei zusätzliches Beschäftigungsmaterial in den Buchten eingesetzt. Leider habe die Behandlung jedoch nicht zu dem erhofften Erfolg geführt.

Weiterhin sind in Hegemanns Betrieb Tiere mit schweren Augenentzündungen zu sehen. „Absolut schockierend“ und „abstoßend“ nennt Professor Matthias Gauly die Bilder, ein renommierter Veterinärwissenschaftler und Mitglied im Agrarbeirat der Bundesregierung. Ohne zu wissen, aus welchem Betrieb die ihm vorgelegten Bilder stammen, kritisierte er die Haltung scharf: „Es ist weder die notwendige Fürsorge da noch hat der Landwirt, der diese Schweine betreut, eine Kenntnis von dem, was er da tut.“

Schwer zu ertragende Bilder haben die Tierschützer von Animal Rights Watch (ARIWA) auch in einem Putenstall gedreht – sie zeigen Tiere mit offenen Wunden, Brustblasen, Verkrüppelungen. Das sei „Kannibalismus in einem Ausmaß, das weit über das hinausgeht, was eigentlich üblich ist“, erklärt Matthias Gauly. Der betreffende Landwirt hätte „deutlich früher eingreifen müssen“. In diesem Fall stammen die Bilder aus Ställen von Thomas Storck – er ist Vorsitzender des Verbandes Deutscher Putenerzeuger. Storck räumte ein, es handele sich um „erschreckende Bilder“, die aber „nicht repräsentativ“ seien. Er habe die Missstände selbst entdeckt und sich bereits von den zuständigen Mitarbeitern getrennt.

Auch in einer Ferkelzucht in Thüringen hat ARIWA schwere Tierschutzverletzungen dokumentiert. Die Aufnahmen zeigen eine Mitarbeiterin in einem industriellen Großstall, die offenbar versucht, ein überzähliges Ferkel zu töten, indem sie es auf die Kante einer Bucht schlägt und anschließend auf den Betonboden schleudert. Anschließend klemmt sie es unter eine Buchtwand, wo es weiterhin zuckt. Die Firma erklärte über einen Anwalt, es gebe in dem Betrieb „strenge Vorgaben für die Nottötung von Ferkeln“. Der Verdacht werde „sehr ernst“ genommen, die Sache werde „betriebsintern nachgegangen“. Sollte sich herausstellen, dass „Nottötungen weisungswidrig durchgeführt wurden“, werde der Betrieb „arbeitsrechtliche Konsequenzen ziehen“.

Weitere schockierende Aufnahmen schwer verletzter Tiere stammen aus einem Stall der Familie des CDU-Bundestagsabgeordneten Johannes Röring, zugleich Bauernpräsident in Westfalen-Lippe. Unter anderem ist darauf ein totes Schwein zu sehen, dass von Artgenossen angeknabbert wird und nach Einschätzung von Experten zum Zeitpunkt der Aufnahmen bereits länger tot war. Röring ließ inzwischen über seinen Anwalt mitteilen, dass er nur zu 25 Prozent an der Röring Gbr beteiligt sei, der Rest gehöre seinem Sohn, der auch für die Tierhaltung zuständig sei. Es seien aber auf den Aufnahmen keinerlei Tierschutzverstöße zu sehen, das tote Schwein sei offensichtlich von den Tierschützern in den Stall gelegt worden.

Inzwischen hat auch der Deutsche Bauernverband zu den Vorwürfen Stellung genommen. Das gesendete Bildmaterial stamme offenbar von 2015 widerrechtlich in die Ställe eingedrungenen Personen. Die Verwendung von Bildmaterial aus Stalleinbrüchen oder widerrechtlichem Eindringen in Ställe sei „nicht akzeptabel“, ebenso wie die mediale Verwertung, die offensichtlich Vorrang vor dem unverzüglichen Abstellen der beanstandeten Praktiken gehabt habe. „Da es aus unklaren Quellen stammt, unter dubiosen Umständen zustande gekommen zu sein scheint und einem Manipulationsverdacht nachgegangen werden muss, ist eine abschließende Klärung und Bewertung schwierig“, heißt es in einer Presseerklärung.

Überdies schreibt der Verband, die betroffenen Tierhalter hätten mit ihren Hoftierärzten die Vorwürfe geprüft. „Die vorliegenden fachärztlichen Stellungnahmen bestätigen die Vorwürfe nicht und widerlegen sie zum Teil.“

Die kurze Presseerklärung des Verbandes scheint allerdings in sich widersprüchlich, denn sie fährt fort: „Unabhängig davon entsprechen einige der auf den Bildern älteren Datums sichtbaren Situationen nicht der guten fachlichen Praxis und sind nicht akzeptabel.“ Die erkrankten Tiere seien aber „nachweislich ordnungsgemäß behandelt und tiermedizinisch versorgt“ worden. „Die Betriebe haben Praktiken bereits vor längerer Zeit abgestellt, soweit sie zurecht beanstandet wurden.“

Wolfgang Hassenstein

Massentierhaltung 03.Feb 2015

Arme Schweine

Eine neue Untersuchung des niederländische Schweine-Innovationszentrum Sterksel lässt erahnen, wie sehr Schweine in der Massentierhaltung leiden. Denn sie empfinden Empathie, teilen Leid und Freude.

Für das Experiment teilten die Forscher des Schweine-Innovationszentrums der Wageninger Universität ihre Versuchstiere in Sechsergruppen auf. Zwei Schweine aus der Gruppe lernten, mit Musik Gutes zu verbinden: Bei Bach-Klängen durften sie ins Schweineparadies – massig Stroh, Artgenossen zum Spielen und neun versteckte Schokorosinen warteten dort auf sie. Zwei Schweine in der Gruppe wurden darauf konditioniert, mit der Musik Einsamkeit zu verbinden: Sie wurden alleine in ein enges, kahles Zimmer geschickt. Der Rest der Gruppe blieb musikalisch unvorbelastet. Die Erkenntnis: Jene Schweine, die nicht wussten, was die Musik zu bedeuten hat, ließen sich von ihren Artgenossen anstecken. Sie zeigten Mitgefühl: Mit den glücklichen Schweinen spielten sie, mit den ängstlichen litten sie, urinierten, quiekten vor Angst.

Die Ergebnisse dieser Studie seien ein weiterer Grund, Schweine besser zu behandeln, sagt der Wiener Tierarzt Johannes Baumgartner der Zeitung „Die Welt“ in einem Interview. Der Universitätsprofessor studiert das Verhalten von Schweinen. Seit 20 Jahren ist er in den Massenställen Europas unterwegs. Schweine reagierten oft ähnlich wie Menschen, sie hätten einen Familiensinn und würden Gefühle wie Macht, Fürsorglichkeit, Gier, Eifersucht und Angst kennen, sagt der Tierarzt.

Dennoch werden rund 28 Millionen Schweine als Schlachttiere in deutschen Ställen gehalten – die Bedürfnisse der Tiere spielen dabei selten eine Rolle. Baumgartner weiß, dass sich Schweine erkennen, aber nur in einer Gruppe von höchstens 50 Tieren. Deshalb seien Mastbetriebe mit 500 Tieren so schlimm, sagt Baumgartner. Fast die Hälfte der deutschen Mastschweine lebt in einem Stall mit 1000 bis über 5000 Tieren.

Baumgartner wagt keine Prognose, ob und wann sich die Haltungsbedingungen für Schweine verbessern werden. Zwar habe er Hoffnung, dass das Leben eines deutschen Fabrikschweins in Zukunft erträglicher werden könnte. Er ist aber wenig optimistisch, dass die Zeiten der Hausschlachtung wiederkehren.

Jana Sepehr