Silizium-Prozess 27.Jul 2016

Ein US-Gericht verurteilt Solarworld zu 720 Millionen Euro Schadenersatz

Ein verlorener Prozess in den USA bedroht das Bonner Solarunternehmen Solarworld. Doch europäisches Recht könnte die Strafzahlung von 720 Millionen Euro verhindern.

Ein US-Gericht hat den Bonner Photovoltaikkonzern Solarworld zu umgerechnet mehr als 720 Millionen Euro Schadenersatz verurteilt. Das zuständige Gericht im US-Staat Michigan entschied gestern in erster Instanz, dass dem ehemaligen Siliziumlieferanten Hemlock knapp 800 Millionen Dollar für nicht erfüllte Abnahmeverträge plus Zinsen zustünden, wie Solarworld heute mitteilte. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Solarworld kündigte Berufung in den USA an.

Für den Fall einer Niederlage auch in zweiter Instanz in den USA rechne Solarworld außerdem nicht damit, dass das Urteil in Deutschland vollstreckbar wäre. Gegen die Lieferverträge bestünden kartellrechtliche Bedenken nach europäischem Recht. Sie würden eine Anerkennung des US-Urteils in Deutschland voraussichtlich verhindern, erklärte der Solarhersteller.

Solarworld bestätigte deshalb die bisherige Risikoeinschätzung des Prozesses aus dem aktuellen Geschäftsbericht als „gering“. Sollte es aber doch zur Vollstreckung kommen, „hätte dies erhebliche negative Auswirkungen auf die Liquiditätslage der Gesellschaft bis hin zur Bestandsgefährdung“, heißt es in demselben Geschäftsbericht.

Das US-Unternehmen beruft sich auf langfristige Lieferverträge, die Solarworld und Hemlock 2005 geschlossen hatten. Solarworld hatte die vertraglich zugesicherte Abnahme von Hemlock-Silizium zu festen Preisen in der weltweiten Solarkrise gestoppt, nachdem der Siliziumpreis dramatisch abgestürzt war. Deshalb hatte Hemlock 2013 Klage in den USA erhoben.

Solarworld beschäftigt weltweit rund 3800 Menschen. Das Bonner Unternehmen, das 2013/14 gerade einen scharfen Schuldenschnitt hinter sich gebracht hat und noch in der Restrukturierung steckt, hatte für den Prozess keine Rückstellungen gebildet. Die Schadenersatzsumme übersteigt die aktuell flüssigen Mittel um ein Vielfaches. Der Börsenkurs fiel am Morgen leicht.

Solarworld hatte in der Vergangenheit mehrfach darauf hingewiesen, dass Unternehmenschef Frank Asbeck sich um eine gütliche Einigung mit Hemlock bemühe.

dpa

studie 26.Jul 2016

Klima-Katastrophen erhöhen das Risiko bewaffneter Konflikte

Wissenschaftler warnen vor der explosiven Mischung aus Klimawandel und ethnischen Spannungen.

„Wir waren überrascht, wie sehr die Ergebnisse herausstechen“, sagt Jonathan Donges vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Er und seine Kollegen haben Daten zu Naturkatastrophen der vergangenen drei Jahrzehnte mit Daten zu Konflikten und der ethnischen Zusammensetzung in den Krisenregionen verglichen. Dabei kam heraus, dass Gewalt oft dann ausbricht, wenn Naturkatastrophen mit ethnischen Spannungen zusammenfallen. Die Ergebnisse der Wissenschaftler sind aktuell in der Fachzeitschrift Proceedings of the US National Academy of Sciences erschienen.

Aufgrund einer Dürre kämpfen Fischer in Kenia um ihre Fanggebiete. Foto: dpa

Experten warnen seit längerem, dass eine Zunahme von Naturkatastrophen aufgrund der globalen Erwärmung einen Multiplikatoreffekt auf Konfliktregionen hat – sozusagen der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringen könnte. Die Studie des PIK belegt diesen Zusammenhang nun anhand einer umfassenden Datenbasis. „Klimadesaster führen nicht direkt zum Ausbruch von Konflikten, aber sie können das Risiko für einen Ausbruch erhöhen“, sagt Carl-Friedrich Schleussner vom PIK. „Das scheint recht naheliegend, aber wir können das nun wissenschaftlich fundiert belegen.“

Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass besonders Nord- und Zentralafrika sowie Zentralasien konfliktanfällig seien, eben weil sie durch den Klimawandel als auch durch tiefe ethnische Spaltungen so verwundbar sind. Die Erkenntnisse aus der Studie könnten daher helfen, zukünftige Kriege vorherzusehen – und entsprechend vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen, so die Autoren. Und dies ist dringend notwendig: Die Situation werde sich durch den menschengemachten Klimawandel noch verschärfen, heißt es in der Studie. 

fl

bisphenol a 26.Jul 2016

EU will Gift von Kassenzetteln verbannen

Bis 2019 soll der gesundheitsschädliche Stoff Bisphenol A weitgehend aus Thermopapier verschwinden.

Die Chemikalie Bisphenol A (BPA) wird von der EU-Kommission in Thermopapieren wie Kassenzettel und Faxpapier bis 2019 stark reduziert. Maximal dürfen dann nur noch 0,02 Prozent des Gewichts aus BPA bestehen – derzeit sind es meist ein Prozent. Der zuständige EU-Ausschuss hatte Anfang Juli eine entsprechende Vorgabe in die Europäische Chemikalienverordnung aufgenommen, berichtet der Nachrichtendienst Chemical Watch.

In Kassenzetteln und Faxpapier sorgt BPA durch eine chemische Reaktion dafür, dass der Ausdruck auf dem Papier sichtbar wird. Der Stoff wird jedoch seit Jahren von Wissenschaftlern und Umweltschützern als gefährlich eingestuft: Er wirkt ähnlich hormonell wie Östrogen und kann unter anderem zu Störungen bei der Fortpflanzung und Gehirnentwicklung führen. Besonders Kassierer, die die Kassenzettel häufig berühren, sind gefährdet. Auch bei Kleinkindern sind schon geringe Mengen schädlich. Im Juni 2011 hatte die EU-Kommission bereits BPA in Babyflaschen verboten.

Das Greenpeace Magazin hatte das Thema schon vor fünf Jahren angestoßen. Damals testete es die Kassenzettel von bekannten Supermarkt-Ketten und anderen Dienstleistern auf Bisphenol A und S. In sieben von acht Fällen fanden sich damals giftige Stoffe auf den Kassenzetteln. Auch eine aktuelle Studie der Umweltorganisation BUND wies gefährliche Konzentrationen an BPA und BPS in 14 von 19 Proben nach – darunter bei Kassenzetteln, Kofferetiketten und Kino-Eintrittskarten.

Fraglich ist noch, wie BPA ersetzt werden könnte. Bisher ist die Alternative das nicht weniger schädliche Bisphenol S. Der EU-Ausschuss weist in der neuen Verordnung auf die ebenfalls möglichen hormonellen Schäden durch die Chemikalie hin. Ihr Gebrauch soll zudem von der Europäischen Chemikalien-Agentur ECHA beobachtet werden – ein Verbot von Bisphenol S gibt es allerdings nicht.

Anica Beuerbach

Solarflug 26.Jul 2016

Solarflieger "Solar Impulse 2" hat die Welt umrundet

Die zwei Forscher Piccard und Borschberg sind nach der letzten Etappe ihrer historischen Weltumrundung am Dienstagmorgen in Abu Dhabi gelandet.​

Ein Traum geht in Erfüllung. Die 17. und letzte Etappe einer der größten fliegerischen Pionierleistungen ist beendet. Heute landete das Experimentierflugzeug „Solar Impulse 2“ von Kairo kommend in Abu Dhabi – wie immer ohne einen einzigen Tropfen Kerosin, angetrieben von Elektromotoren, deren Energiequelle allein die Sonne ist. In der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate am Persischen Golf hatte die große Mission der beiden Schweizer Forscher und Piloten Bertrand Piccard und André Borschberg im März 2015 begonnen.

Ein Selfie im Flieger „Solar Impulse 2“ – Bertrand Piccard auf der letzten Etappe der Weltumrundung.  Foto: dpa

„Wir wollen eine neue Welt repräsentieren, eine Welt mit sauberer Technologie“, sagte Piccard. „Denn wir glauben an eine saubere Zukunft und wir glauben, dass sie jetzt begonnen hat.“ Eine Pionierleistung, die viele Experten noch vor wenigen Jahren für unmöglich hielten. Umso größer nun die Begeisterung über den Sonnenflieger „Solar Impulse 2“. „Das war eine Heldentat, sowas auf die Beine zu stellen und durchzuziehen“, sagt Professor Josef Kallo, der beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Technologien für emissionsfreies Fliegen entwickelt.

Dass Flugzeuge von Elektromotoren durch die Lüfte getragen werden, halten Forscher zwar für realistisch. Aber aus Solarzellen könne die erforderliche Antriebsenergie für Passagierflugzeuge einfach nicht gewonnen werden. Schon um mit nur einer Person zu fliegen, brauchte „Solar Impulse 2“ mehr als 200 Quadratmeter Fläche für Solarzellen auf den Flügeln – die Flügelspannweite ist mit 72 Metern größer als bei einem Jumbojet. Für 100 Passagiere und hohe Fluggeschwindigkeiten wären jedoch mehrere Quadratkilometer an Solarzellen nötig.

Die Lösung auf dem Weg zum emissionsarmen Fliegen mit Elektromotoren seien Hybride aus Gasturbinen oder Wasserstoffbrennzellen und Hochleistungsbatterien, sagt Josef Kallo. „Speziell mit Wasserstoffbrennstoffzelle funktioniert ein viersitziges Flugzeug namens „HY4“, das wir beim DLR entwickelt haben. Ende September soll es in Stuttgart zum offiziellen Erstflug starten.“

Bis zur Serienreife dieses deutschen Elektro-Viersitzers sei „noch Fleißarbeit von fünf bis sieben Jahren erforderlich“, sagt Kallo. Dann könne „HY4“ zum Beispiel als Lufttaxi auf kurzen Strecken eingesetzt werden. „Bis 20-Sitzer mit Wasserstoffbrennzellen unterwegs sind, dürften noch 15 Jahre vergehen, bei 70-Sitzern etwa 20 Jahre“, schätzt der DLR-Forscher.

dpa

US-Präsidentschaftswahl 25.Jul 2016

Der wendige Mr. Kaine

Hillary Clinton hat mit Tim Kaine einen Vize ausgewählt, der bei Umweltschützern und der Ölindustrie gleichermaßen gut ankommt.

„Senator Tim Kaine ist alles, was Donald Trump und Mike Pence nicht sind“, sagte Hillary Clinton, als sie ihren Vize-Präsidentschaftskandidaten am Wochenende in Florida vorstellte. Während Trump den Klimawandel für eine chinesische Erfindung hält und sein Vize Mike Pence nicht an die Evolutionstheorie glaubt, steht Kaine fest auf dem Boden der Realität – und macht dabei anscheinend für viele Seiten eine gute Figur.

Der 58-jährige Jurist gilt in den USA als „Mister Nice Guy“. Er ist Vater von drei Kindern, Katholik und vertritt als Senator des US-Bundestaates Virginia moderate Ansichten. Mit denen konnten in der Vergangenheit sogar seine politischen Gegner gut leben. Kaine ist so wendig, dass sowohl Umweltschützer als auch die Gas- und Ölindustrie ihn mögen.


Hillary Clinton und ihr neu ernannter Vize Tim Kaine. Foto: picture alliance/ZUMA Press

Bei Umweltschützern machte er sich beliebt, weil er sich als einer der Ersten gegen die geplante Erweiterung der Keystone Pipeline wehrte, die gigantische Öl-Mengen von der kanadischen Provinz Alberta bis in den 1900 Kilometer entfernten US-Bundesstaat Texas hätte pumpen sollen. Kaine unterstützt außerdem den Clean Power Plan, den Präsident Barack Obama zum Kampf gegen die globale Erwärmung verabschiedet hat. Auf dem Portal „National Environmental Scorecard“, wo Umweltschützer US-amerikanische Senatoren und Abgeordnete bewerten, kommt Tim Kaine aktuell auf einen respektablen Wert von 91 Prozent. Vor seiner Nominierung sagte Jane Kleeb, Gründerin der Umweltorganisation Bold Nebraska, „die Leute seien generell glücklich“ mit Kaine.

Doch auch die Gas- und Ölindustrie scheint sich über den Senator aus Virginia zu freuen. Anders als Hillary Clinton unterstützt er Offshore-Bohrungen im Atlantik. Als Kaine ein Gesetz befürwortete, das die Förderung von Flüssigerdgas beschleunigte, triumphierte die Industrie. „Wir sind erfreut über die vernünftige Position, die er zu Öl und Erdgas vertritt“, lobte Miles Morin, Geschäftsführer des „Virginia Petroleum Council“.

Ein bisschen Sorgen machen sich Umweltschützer deswegen schon. Jason Kowalski, US-Politik-Experte der Umweltorganisation 350.org, meint, Hillary Clinton müsse sich nun stärker zum Umweltschutz bekennen – wenn schon Kaine keine klare Haltung vertritt. Noch bevor Clinton offiziell ihren Vize vorstellte, sagte er: „Wenn Kaine ausgewählt werden sollte, wird Hillary eine viel klarere Position zu Fracking, Bohrungen und fossilen Energieträgern beziehen müssen.“

Julia Huber

umweltverschmutzung 25.Jul 2016

China knüpft sich seine schmutzige Stahlindustrie vor

Im Kampf gegen die Luftverschmutzung geht die chinesische Regierung nun strenger mit Stahlherstellern ins Gericht.​

Die Volksrepublik China hat eine Reihe von Expertenteams ausgesandt, um Stahlwerke zu kontrollieren. Das teilte das chinesische Umweltministerium am heutigen Montag mit. Die Experten sollen überprüfen, ob die Stahlhersteller sich an die strengen Umweltschutzgesetze halten, die China letztes Jahr erlassen hat. Es werde geprüft, ob die Stahlwerke Emissionsnormen einhalten und ob sie die nötige Technik installiert hätten, um ihren Schadstoffausstoß zu kontrollieren.

Mit dieser Maßnahme versucht Peking eins seiner größten Probleme anzugehen: Die Luft- und Umweltverschmutzung. China verursacht fast ein Drittel des weltweiten Ausstoßes von Treibhausgasen. Regelmäßig liegen chinesische Großstädte zudem unter einer dichten Schicht aus Smog, die den von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Grenzwert für Feinstaub um ein Vielfaches übersteigt. Verantwortlich dafür ist neben der Kohleindustrie vor allem die Stahlindustrie.


Stahlwerke in der Provinz Hebei. Foto: Lu Guang / Greenpeace

Im letzten Jahr produzierte China 804 Millionen Tonnen Stahl. Allein im März dieses Jahres erreichte die Volksrepublik einen Höchststand von 70,65 Millionen Tonnen – und das obwohl die chinesische Regierung noch im Januar angekündigt hatte, ihre Stahlproduktion um bis zu 150 Millionen Tonnen zu kürzen. 

Ein Grund für diesen Widerspruch dürfte sein, dass manche Stahlhersteller sich in der Vergangenheit nur wenig für die Pläne ihrer Regierung interessiert hatten: Im Frühjahr dieses Jahres beschloss Peking, eine Reihe von Stahlwerken in der Provinz Hebei stillzulegen. In dieser Provinz liegen sieben der zehn am meisten verschmutzen Großstädte Chinas. Die Stahlfirmen ließen sich von dem Beschluss allerdings nicht beeindrucken. Sie ließen ihre Anlagen einfach weiterlaufen und errichteten sogar neue Produktionsstätten. Das Umweltministerium warf den Firmen „betrügerische Praktiken“ vor, mit denen größere Fortschritte im Kampf gegen die katastrophale Luft- und Umweltverschmutzung verhindert würden.

Gegen die Ignoranz der Stahlhersteller will das chinesische Umweltministerium nun härter vorgehen. Neben der Einsetzung der Expertenteams, die die Stahlkraftwerke überprüfen werden, will Tian Weiyong, Chef der umweltpolitischen Kontrollbehörde, die Provinzen stärker in die Pflicht nehmen: Sie sollen Stahlunternehmen strenger kontrollieren und denjenigen, die Gesetze brechen, härtere Strafen auferlegen.

Julia Huber

Mensch-Tier-Interaktion 22.Jul 2016

Dieser afrikanische Vogel kann mit Menschen kommunizieren

In Südostafrika arbeiten Mensch und Tier auf ganz besondere Art und Weise zusammen – beim Honigsammeln

Der Stamm der Yao lebt rund um den Malawisee in Südostafrika. Die Stammesangehörigen ernähren sich von wildem Honig, den sie aus Bienenstöcken in der Region sammeln. Die Suche nach dem Honig ist jedoch schwierig: Oft liegen die Bienenstöcke hoch oben oder in Bäumen versteckt.

Seit Generationen machen die Yao sich deshalb selten alleine auf die Suche nach Honigwaben. Der „Große Honiganzeiger“ – eine mittelgroße Spechtart, die sich mitunter von Bienenwachs ernährt – hilft ihnen. Mit trillerndem Gesang und auffälligem Flugverhalten führt der Vogel sie zu versteckten Bienenstöcken. Und nicht nur das: Der Große Honiganzeiger lässt sich von einem speziellen Ruf der Yao-Stammesangehörigen anlocken. Zu dieser Erkenntnis kam eine Studie, die diese Woche in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht wurde. 


Der Große Honiganzeiger macht seinem Namen alle Ehre und führt Menschen zu Bienenstöcken​.  Foto: picture alliance / AP Photo

Das Team um die britische Evolutionsbiologin Dr. Claire Spottiswoode untersuchte in Südostafrika, ob die Vögel generell auf den Menschen reagieren oder auf ein spezielles Kommando. Dafür testeten sie drei verschiedene Rufe: Tierlaute, murmelnde Stimmen sowie den traditionellen „Brrr-Hmm”-Laut der Yao. Die ersten beiden Varianten führten nur in 25 Prozent der Versuche dazu, dass der Große Honiganzeiger sie zu Bienenstöcken führte. Als die Forscher Aufzeichnungen des „Brrr-Hmm“-Rufs der Yao abspielten, half der Vogel ihnen in 66 Prozent der Versuche. Der Ruf wird im Yao-Stamm von Generation zu Generation weitergegeben und speziell benutzt, um den Honiganzeiger anzulocken. 

„Es scheint eine Zwei-Wege-Kommunikation zwischen unserer Spezies und den wilden Tieren zu sein, von der beide profitieren“, erklärt Dr. Spottiswoode gegenüber BBC. Hat der Vogel die Yao erfolgreich zu einem Bienenstock geführt, räuchern sie zunächst den Baum aus, um alle Bienen zu vertreiben. Dann wird die Honigwabe mit Äxten und Messern aus dem Inneren der Bäume herausgeholt. Nachdem die Yao den Honig gesammelt oder gegessen haben, legen sie die leere Wabe auf ein Bett aus frischen Blättern, damit der Große Honiganzeiger das Wachs fressen kann – eine clevere Zusammenarbeit, denn der Vogel wäre alleine nur schwer an das Bienenwachs gekommen.

„Der Honiganzeiger versteht buchstäblich, was der Mensch sagt“, ergänzte Stuart West, Evolutionsbiologe an der Universität in Oxford. „Alles deutet darauf hin, dass das Verhalten des Honiganzeigers und des Menschen sich im Einklang miteinander weiterentwickelt haben.“ Noch nicht erforscht ist, wie Jungvögel lernen, den Ruf der Yao zu erkennen. Genau wie der Kuckuck legt der Honiganzeiger seine Eier in fremde Nester. Sie werden also nicht von ihren Eltern großgezogen.

Anica Beuerbach

Service 22.Jul 2016

So einfach können Sie bald alte Elektrogeräte entsorgen

Ab Montag sind große Onlinehändler gesetzlich dazu verpflichtet, alte Elektrogeräte zurückzunehmen – kostenlos und ohne Kassenbon. Wir erklären, wie's funktioniert.

Es ist alt, hat einen Stecker oder Batterien und soll weg. Okay. Nur wohin? Für ausgediente kleinere Elektrogeräte gibt es eine Alternative zum Wertstoffhof: Der Internethandel lässt an Paketstationen Geräte einsammeln. Fragen und Antworten zum Thema:

Was ist neu?

Ausgediente kleine Elektrogeräte müssen ab dem 25. Juli auch von Online-Händlern zurückgenommen werden – kostenlos und ohne Kassenbon. Dann greift auch für sie ein Gesetz, das für mehr Recycling sorgen und die Umwelt entlasten soll. Für den stationären Einzelhandel gilt das Gesetz auch, aber viele Geschäfte nahmen Elektrogeräte sowieso schon freiwillig zurück. Zum Beispiel, um neue Kunden zu gewinnen.

Wie läuft die neue Rückgabemöglichkeit in der Praxis ab?

Dienstleister helfen den Händlern, die Rücknahme zu organisieren. Etwa European Recycling Plattform (ERP): Altgeräte bis 31,5 Kilogramm und Kantenlängen von höchstens 120 mal 60 mal 60 Zentimetern können bei mehr als 50.000 Filialen eines Paketdienstes kostenlos abgegeben werden. Dafür stellt der Online-Händler im Internet einen Link zur Verfügung, über den die Verbraucher den nötigen Paketaufkleber ausdrucken. Für alles Größere und Schwerere gebe es „individuelle Abhol- und Entsorgungslösungen“. Auch der Anbieter WEEE Return bietet Abgabe- und Versandstellen an. Für die Kunden ist es letztlich wohl nicht so wichtig, mit wem sein Händler zusammenarbeitet.

Wie kann man Elektroschrott sonst noch loswerden?

Üblich sind die kommunalen Sammelstellen, oft Wertstoffhof genannt. Der Einzelhandel muss Altgeräte auch zurücknehmen – kleinere einfach so, größere dann, wenn ein neues Gerät gekauft wird. Einen Kassenbon muss man dazu nicht mitbringen. Aber auch Entsorgungsfachbetriebe sind in dem Kreislauf dabei, sie bieten teils sogar Prämien für die Rückgabe an und holen größere Mengen Elektroschrott auch direkt aus Unternehmen ab.

Warum soll der Elektroschrott nicht einfach im Müll landen?

Um die Umwelt zu schützen und Ressourcen zu schonen. Beispiel Kühlschrank: Da muss ein Gemisch aus Kühlmittel und Öl abgesaugt werden. In alten Geräten steckt oft auch noch das klimaschädliche Gas FCKW. Handys, Computer und Co. enthalten zudem wertvolle Metalle wie Gold, Kupfer und Silber - und Fachbetriebe holen sie aus Bauteilen wieder heraus. Die Firma Robert Doormann aus Hannover etwa berichtet, dass für nur ein Gramm Gold in afrikanischen Minen rund zwei Tonnen Gestein aus großer Tiefe gefördert und aufbereitet werden müssen. Alternativ lasse sich das mit etwa fünf ausgedienten PCs erreichen.

Steckt da auch ein Geschäft dahinter?

Klar, das lohnt sich. Doormann zufolge ist Wiederverwertung „eine ernstzunehmende Alternative und Ergänzung zur bergmännischen Förderung“ der Metalle. Die Industrie setzt heute laut der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe sogar schon High-Tech-Textilien ein, die wertvolle Materialien in Staubkorngröße aus den Abwässern der Fabriken filtern.

Welcher Grundgedanke steht dahinter?

Die sogenannte erweiterte Herstellerverantwortung geht auf die 1990er Jahre zurück. Schon damals brachte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ein Konzept auf den Weg, bei dem die Hersteller für Produkte zuständig sind bis zum Lebensende – also bis zur Entsorgung oder Wiederverwertung. Diese Bürde sollten nicht länger Verbraucher oder Staaten tragen müssen. Ausrangierte Rasierer, Bohrmaschinen, Computermäuse und so weiter einfach in den Restmüll zu werfen, ist schon seit 2006 verboten. In die Wertstofftonne gehört Elektroschrott übrigens auch nicht.

Bringt die Neuerung einen großen Schub für das Recycling?

Die Branche zweifelt. „Wir halten das Gesetz für unsinnig, weil wir glauben, dass es einen Zusatznutzen nur in homöopathischen Dosen bringt“, sagt der Chef des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel, Christoph Wenk-Fischer. Denn nach wie vor nähmen ja auch die zumindest in größeren Städten oft nahen Recyclinghöfe Altgeräte an.

dpa

umweltschutz 22.Jul 2016

Immer mehr Verbraucher verzichten auf Plastiktüten

Seit einiger Zeit verlangen viele Geschäfte eine Gebühr für Plastiktüten. Eine Umfrage zeigt: Der Verbraucher kommt auch ohne die umweltschädlichen Kunststofftaschen aus.

Über Jahrzehnte gehörte sie zum Einkauf ganz selbstverständlich dazu: Die kostenlose Plastiktüte, mit der Kunden die neuerworbene Hose aus dem Kaufhaus, den aktuellen Roman aus dem Buchladen oder das Medikament aus der Apotheke bequem nach Hause tragen konnten. Doch das ist Vergangenheit.

Denn immer mehr Handelsunternehmen in Deutschland verlangen für die umweltschädlichen Tragetaschen eine Gebühr oder haben sie sogar ganz aus ihren Läden verbannt. Die Zahl der Handelsunternehmen, die sich verpflichtet haben, in Zukunft für die umweltschädlichen Tragetaschen Geld zu verlangen, erhöhte sich nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland (HDE) allein in den vergangenen drei Monaten von 260 auf rund 350. „Da ist richtig Bewegung drin“, sagt Kai Falk, Sprecher des Einzelhandelsverbandes Deutschland (HDE), der Deutschen Presse-Agentur.

Der Handelsverband Textil (BTE) geht sogar davon aus, dass deutlich mehr Unternehmen bei der Aktion mitmachen als auf der offiziellen Liste des HDE auftauchen. Einigen Händlern seien die mit der Selbstverpflichtung verbundenen Meldeauflagen einfach zu groß, meint BTE-Sprecher Axel Augustin. Deshalb verzichteten sie auf die formelle Anmeldung.

Mit der freiwilligen Selbstverpflichtung will der Handel eine EU-Richtlinie umsetzen, wonach der jährliche Verbrauch von Kunststoff-Tragetaschen bis Ende 2025 von zuletzt 71 auf höchstens 40 Tüten pro Kopf sinken soll. Die Vereinbarung war im April von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und HDE-Präsident Josef Sanktjohanser unterzeichnet worden.

Die ersten Erfahrungen der Unternehmen zeigten, dass mit der Einführung einer Gebühr die Nachfrage nach Plastiktüten deutlich sinke, betont HDE-Sprecher Falk. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir die Reduzierungsziele erreichen.“

Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter teilnehmenden Unternehmen scheint das zu bestätigen. Die Elektronikkette Saturn, die bereits 2015 die kostenlose Plastiktüte abschaffte, berichtet, der Tütenverbrauch sei danach um 90 Prozent zurückgegangen. „Die meisten Kunden verzichten komplett auf eine Tüte. Aber die Produkte sind bei uns in der Regel ja auch gut verpackt“, sagt eine Unternehmenssprecherin.

Der Textilhändler C&A berichtet von einer Halbierung der Zahl der ausgegebenen Tragetaschen nach der Einführung der Plastiktütengebühr. „Die Kunden bringen ihre Tragetaschen mit, und wir packen dann die Sachen dazu“, erklärt eine Unternehmenssprecherin.

Auch der Kaufhof betont, die Nachfrage nach Plastiktüten sei „merklich gesunken“, seitdem man im Mai begonnen habe, eine Gebühr von 10 bis 25 Cent pro Tüte zu kassieren.

Viele Apotheken haben inzwischen ebenfalls der Plastiktüte den Kampf angesagt. Nach einer Branchenumfrage des Instituts für Handelsforschung (IFH) haben bereits mehr als die Hälfte der Apotheken eine Gebühr eingeführt oder planen diesen Schritt. Doch unumstritten ist dieses Vorgehen in der Branche nicht. Jeder vierte Apotheker sei der Meinung, dass Plastiktüten wesentlich zur Diskretion beim Medikamentenkauf beitrügen und daher nicht kostenpflichtig sein sollten, heißt es in der Studie.

Wie man den Kampf gegen die umweltschädlichen Kunststofftaschen mit sozialem Engagement verbinden kann, zeigt unterdessen das Modehaus Baltz in Bochum. Das 1827 gegründete Unternehmen will den Erlös aus der Plastiktütengebühr nicht in die eigene Tasche stecken. Deshalb bittet es stattdessen um eine freiwillige Spende in Höhe von 20 Cent pro Plastiktüte. Der Erlös soll in diesem Jahr dem Deutschen Kinderschutzbund zugute kommen.

dpa

verbraucherschutz 21.Jul 2016

Linke fordern Mindestlaufzeit für Elektrogeräte

Ob Wackelkontakt oder lädierter Akku – Handys und andere Elektrogeräte gehen manchmal schneller kaputt als gedacht. Die Linksfraktion im Bundestag fordert nun eine Mindesthaltbarkeit für elektronische Geräte.

Einen Joghurt kann man laut Mindesthaltbarkeitsdatum noch nach Wochen bedenkenlos essen. Eine Tüte Zucker noch nach mehreren Jahren. Doch wie lange muss ein Handy halten? Verbraucherpolitiker der Linken wollen die Idee des Mindesthaltbarkeitsdatums nun auf Elektrogeräte übertragen. Für Waschmaschinen, Kühlschränke, Drucker oder Handys fordern sie eine sogenannte „Mindestnutzungszeit“: Der Verbraucher soll eine Garantie haben, wie lange ein Gerät mindestens funktionieren muss.

Ein Antrag, den die Linksfraktion vergangene Woche dem Bundestag vorgelegt hat, sieht vor, dass Kühlgeräte und Waschmaschinen mindestens fünf Jahre funktionieren müssen. Küchenmaschinen, Handys, Unterhaltungselektronik- und IT-Geräte sollen zumindest drei Jahre fehlerfrei laufen. Auch für Autos soll die Mindestnutzungszeit laut dem Antrag der Linken gelten: Fünf Jahre oder 100.000 Kilometer weit sollen Pkws mindestens fahren – davon ausgenommen sind Verschleißteile.

Solarflieger "Solar Impulse 2" hat die Welt umrundet
Smartphones und andere elektronische Geräte haben meist nur eine kurze Lebensdauer. Foto: picture alliance / Frank May

Dass die Lebensdauer von Elektrogeräten tatsächlich sinkt, zeigt eine im Februar vom Umweltbundesamt (UBA) vorgelegte Studie: Im Jahr 2004 mussten 3,5 Prozent der Haushaltsgroßgeräte wie Waschmaschinen, Trockner oder Kühlschränke in den ersten fünf Jahren ersetzt werden. Im Jahr 2013 stieg der Anteil auf 8,3 Prozent. „Aus ökologischer Sicht ist das nicht akzeptabel“, sagte Maria Krautzberger, Präsidentin des UBA. „Die Herstellung der Produkte verbraucht wertvolle Ressourcen; Schadstoffe und Treibhausgase belasten Umwelt und Klima.“

Dagegen wollen Verbraucherpolitiker vorgehen. „Wir wollen längere garantierte Nutzungszeiten“, sagte Ralph Lenkert, Rechtsexperte der Linksfraktion, gegenüber der „Saarbrücker Zeitung“. Schon vor drei Jahren wollten die Grünen mit einem ähnlichen Antrag im Bundestag die Hersteller stärker in die Pflicht nehmen: Produkte sollten so gestaltet werden, dass sie möglichst lange halten und repariert werden können. Auch die SPD setzt sich für verbraucherfreundlichere Geräte ein: „Produkte müssen möglichst lange halten“, schreibt die SPD-Abgeordnete Elvira Drobinski-Weiß in einer Stellungnahme.

Julia Huber

 

Parodie 21.Jul 2016

Amerikas Top-Klimaskeptiker gibt es jetzt als Actionfiguren

Sie leugnen den Klimawandel und finanzieren die Kohle- und Ölindustrie – mächtige US-amerikanische Klimaskeptiker werden als Spielzeug-Bösewichte parodiert. ​

Diese Berühmtheiten dürfen in keiner Actionfiguren-Sammlung fehlen: Politiker, Milliardäre und Konservative, die sich seit Jahren erfolgreich gegen wissenschaftliche Fakten zur Wehr setzen. Bösewichte, die garantiert nichts gegen den Klimawandel unternehmen. Wir dürfen vorstellen: Die „Climate Inaction Figures“. 

Entwickelt wurden die ironischen Spielzeugfiguren von den kreativen Köpfen Cabot Norton und Arturo Aranda aus den USA. Ihre Botschaft hinter den Figuren: „Sie tun nichts gegen den Klimawandel, aber du kannst selbst in Aktion treten.“ Sie haben die Figuren als Unikate in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der „National Geographics“-Serie „Years of Living Dangerously“ hergestellt. Die Serie weist in mehreren Dokumentationen auf die Gefahren durch den Klimawandel hin. Zusammen machen sie mit dem Projekt auch auf die amerikanische Kampagne Put a Price on it aufmerksam, die einen Kohlenstoffpreis zur Reduktion von Emissionen fordert.

In der „Climate-Inaction“-Kollektion sind diese Kandidaten zu finden:

Donald Trump

Die Donald-Trump-Figur mit Tweet-Weisheiten zum Klimawandel.  Foto: instagram.com / climateinaction

Der aktuelle Präsidentschaftskandidat der Republikaner hat seinen mächtigen Twitter-Vogel im Gepäck. Er sorgt auf der Social-Media-Plattform mit seinen übertriebenen Äußerungen immer wieder für Belustigung und Unglauben. Unter dem Account @realDonaldTrump hinterfragt er regelmäßig den Klimawandel: „Es schneit und gefriert in New York City. Was ist eigentlich aus der globalen Erwärmung geworden?“

Ted Cruz

Die Spielfigur von Senator Ted Cruz setzt auf die defensive Taktik.  Foto: instagram.com / climateinaction

Der Republikaner und Senator von Texas musste im Vorwahlkampf mächtig gegen Donald Trump einstecken. Immerhin ist er gut gegen Wissenschaftler gerüstet, die vor dem Klimawandel warnen: An seinem praktischen Anti-Wissenschafts-Schild prallen erwiesene Fakten einfach ab. Seinen Wahlkampf hatten Unternehmen aus dem Energiesektor der fossilen Brennstoffe mitfinanziert.

Sarah Palin

Die Sarah-Palin-Actionfigur und ihr Schwert: Ein riesiger Ölbohrer.  Foto: instagram.com / climateinaction

Die ehemalige Gouverneurin des US-Bundesstaates Alaska kommt mit ihrer besten Waffe: dem Bohrkopf. Sarah Palin ist der Meinung, dass der Mensch das Klima nicht beeinflusst, daher ließ sie in ihrem Bundesstaat weiter kräftig nach Öl bohren. Die bekennende Waffenliebhaberin wurde weltweit bekannt als sie für das Amt der Vize-Präsidentin der Republikaner 2008 kandidierte. Ihr Wahlkampf-Slogan lautete damals: „Bohren, Baby, bohren!“ Palin ist zudem bekennende Unterstützerin von Donald Trump. Sie hat bereits angekündigt, sollte Donald Trump Präsident werden, wäre sie gerne seine Energieministerin. Auch einen Plan für ihre Amtszeit hat sie schon: „Wenn ich an der Spitze des Energieministeriums stünde, würde ich es abschaffen.“

Die Koch Brüder

Die zweiköpfige Figur der Koch Brüder kommt mit einer großen Truhe voll Gold, das sie mit Freude in fossile Brennstoffe investieren.  Foto: instagram.com / climateinaction

Super Mario Bros. war gestern – jetzt übernehmen die Koch Bros. die Heldenrolle. Münzen sammeln sie beide, aber die Gebrüder Charles G. und David H. Koch geben sie auch gerne wieder aus, um die anderen „Climate-Inaction“-Charaktere zu unterstützen. Sie fördern konservative Organisationen und Kampagnen, die die Daten zur globalen Erwärmung zu widerlegen versuchen. Das Politische Wirtschaftsforschungsinstitut in Massachusetts hat 2011 eine interessante Berechnung zu den Koch Brüdern gemacht: Nimmt man ihre eigene und alle ihre subventionierten Firmen zusammen, produzieren sie soviel Treibhausgas wie fünf Millionen Autos.

Weitere Anti-Helden gibt es im YouTube-Video des Projekts zu sehen, das im Stil einer echten Spielzeug-Werbung produziert wurde:

Anica Beuerbach

Titelbild: Screenshot Climate Inaction Figures Video

EU-Klimaziele 21.Jul 2016

Deutschland soll 38 Prozent seiner Treibhausgase einsparen

Die EU-Kommission hat einen Plan vorgelegt, wie die EU bis zum Jahr 2030 Treibhausgase reduzieren soll. Erstmals muss demnach jedes Land eigene Sparziele erreichen. 

Das Ziel steht schon seit zwei Jahren fest, der Weg dorthin war bislang unklar. Bis 2030 will die Europäische Union 40 Prozent ihrer Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 einsparen. Das hatten die 28 EU-Staaten bereits im Oktober 2014 beschlossen. Wie das gehen soll, hat die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel vorgestellt.

Der Vorschlag zielt auf die Bereiche Verkehr, Gebäude sowie Land- und Abfallwirtschaft, die rund 60 Prozent der Treibhausgase in der EU ausmachen. Insgesamt sollen die Emissionen in diesen Sektoren um 30 Prozent unter das Niveau von 2005 fallen. Die Bereiche Industrie und Strom fallen unter den Emissionshandel, zu dem die EU bereits im vergangenen Jahr Vorschläge für eine Reform unterbreitet hatte.

Der Brüsseler Vorschlag sieht nun erstmals verbindliche Sparziele für jeden einzelnen Mitgliedsstaat vor. Von Deutschland verlangt die EU-Kommission eine Senkung von 38 Prozent des Treibhausgasaustoßes. Nach Luxemburg und Schweden, die beide 40 Prozent ihrer Emissionen einsparen müssen, sowie Finnland und Dänemark, die ihren Ausstoß um 39 Prozent verringern sollen, hat Deutschland das vierthöchste Reduzierungsziel. Österreich soll seine Treibhausgase um 36 Prozent senken.

Andere Länder müssen sich dagegen weniger anstrengen. Von Rumänien verlangt die EU-Kommission nur zwei Prozent CO2-Einsparung, von Lettland nur sechs Prozent. Bulgarien kann mit einer Vorgabe von null Prozent so weiter machen wie bisher.

Bei den Sparzielen sei die unterschiedliche Wirtschaftskraft der EU-Länder berücksichtigt worden, teilte die EU-Kommission mit: „Das sorgt für Fairness, weil Mitgliedstaaten mit höheren Einkommen ehrgeizigere Ziele übernehmen als solche mit niedrigen Einkommen.“

Auch Großbritannien ist derzeit noch im Plan der EU-Kommission vorgesehen: Das Land soll seine Emissionen um 37 Prozent senken. Verlässt Großbritannien in Folge des Brexit-Referendums die EU, müssten womöglich andere Staaten den britischen Anteil schultern, sagten Experten gegenüber Spiegel Online. Wie das aussehen soll, sei aber noch unklar. 

Zwar müssen sich nun erst der Rat der EU-Mitgliedstaaten und das Europaparlament mit dem Plan auseinandersetzen, trotzdem werteten Umweltschützer ihn bereits als positives Zeichen. Greenpeace-Klimaexperte Martin Kaiser sagte: „Endlich macht sich Europa auf den Weg zu den Pariser Klimazielen. Noch ist das von Brüssel empfohlene Tempo auf diesem Weg viel zu niedrig, aber dennoch wird klar: Die Bundesregierung kann sich nicht länger davor drücken, feste Leitplanken für den Klimaschutz bis 2030 zu installieren.“ 

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) begrüßte den Vorschlag der EU-Kommission als „gute Grundlage für die anstehenden Verhandlungen“. Sie sagte weiter: „Europa macht ernst beim Klimaschutz. Nicht nur Deutschland, auch alle anderen EU-Staaten werden bis 2030 ihre Treibhausgasemissionen deutlich senken. Zum ersten Mal werden auch die osteuropäischen Staaten ihre Emissionen verbindlich reduzieren.“

Julia Huber

Mikroplastik 20.Jul 2016

Trotz Selbst-Verpflichtung: Große Kosmetikfirmen verwenden Mikroplastik

Viele Kosmetikfirmen geben vor, auf Mikroplastik zu verzichten. Eine Greenpeace-Bewertung zeigt, dass die Selbstverpflichtungen meistens Schlupflöcher haben.

Winzige Plastikkügelchen – wenige Nanometer bis Millimeter klein – sorgen in Kosmetikprodukten für den Peelingeffekt, die richtige Konsistenz und die ansprechende Ästhetik: Das Mikroplastik steckt in Cremes, Zahnpasta, Duschgel und Lippenstiften. Doch durch unsre tägliche Hygiene landet es im Wasser und wird bis ins Meer gespült. Obwohl Mikroplastik der Umwelt schadet, ist es Kosmetikherstellern in Deutschland nicht verboten, die winzigen Plastikkügelchen in ihren Produkten zu verwenden. Die Bundesregierung setzt darauf, dass die Firmen in einer freiwilligen Selbstverpflichtung auf Mikroplastik verzichten. Greenpeace hat nun die 30 führenden Kosmetikfirmen anhand folgender Fragen bewertet: Gibt es eine Selbstverpflichtung? Ist sie transparent? Gilt sie weltweit für alle Produkte? Wann ist geplant, komplett auf Mikroplastik zu verzichten? Wie definiert die Firma Mikroplastik?

Auf Basis der Bewertung hat Greenpeace ein Ranking erstellt. 400 Punkte konnten maximal erreicht werden, aber keines der getesteten Unternehmen schaffte die volle Punktzahl. Den ersten Platz teilten sich die deutschen Firmen Beiersdorf (Produkte: Nivea, Eucerin) und Henkel (Schwarzkopf) mit Colgate-Palmolive und L Brands aus Amerika. Die Firmen betonen, dass sie ihre Produkte seit spätestens Anfang 2016 ohne Mikroplastik produzieren. Trotzdem erreichten sie in der Bewertung nur 340 von 400 Punkten. Einige Firmen beschränkten sich bei ihrer Selbstverpflichtung auf eine bestimmte Art von Produkten, wie Seifen oder Peelings – somit sind nicht all ihre Produkte mikroplastikfrei. Manche verzichten auf Plastikkügelchen aus Polyethylen – verwenden jedoch andere schädliche Plastikpolymere.

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Winzige Plastikteilchen sorgen in Zahnpasta für extra weiße Zähne.  Foto: © Greenpeace / Georg Mayer

Procter & Gamble (P&G) war mit seinen Produkten wie Head & Shoulders, Herbal Essences, Oral-B und Pantene, die führende Kosmetikfirma im Jahr 2015. Im Ranking landete der Hersteller mit 280 Punkten nur im Mittelfeld, hinter L’Oréal mit 300 Punkten. Neben den bereits genannten Mängeln fehlten bei P&G zu dem eine klare Definition von der Größe der nicht verwendeten Plastikteilchen.

Weniger als die Hälfte der Punkte erreichte der britische Hersteller Glaxosmith-Kline, bekannt durch die Zahnpflege-Marken Dr. Best und Odol. Greenpeace bemängelte, dass das Unternehmen noch keine freiwillige Selbstverpflichtung habe. Es behauptet zwar, mikroplastikfrei zu produzieren, gibt jedoch nicht an welche Alternativen in ihren Produkten verwendet werden.

Schlusslicht bilden Éstee Lauder, Amway (Artistry) und Revlon. Den amerikanischen Kosmetikherstellern fehle es deutlich an Transparenz bezüglich ihrer Verwendung von Mikroplastik in ihren Produkten, so die Greenpeace-Bewertung.

Greenpeace kommt zum Schluss, dass eine freiwillige Selbstverpflichtung kaum Wirkung zeigt. „Wenn die Industrie es alleine nicht schafft, dann muss die Umweltministerin den Einsatz von Mikroplastik verbieten“, fordert die Greenpeace-Expertin für Plastikverschmutzung, Sandra Schöttner.

Anica Beuerbach

Vatikan 20.Jul 2016

Der Aufsichtsrat der Vatikanbank fördert seit Jahren die Öl- und Gasindustrie

Während Papst Franziskus einen nachhaltigen Umgang mit unserer Umwelt predigt, unterstützt die Vatikanbank ihre Ausbeutung mit Milliarden.

Zwei Aufsichtsratsmitglieder der Vatikanbank sind in Geschäfte mit der Industrie für fossile Brennstoffe verwickelt. Einer von ihnen spendet für eine Organisation, die den Klimawandel leugnet. Der andere berät große Öl- und Gaskonzerne. Das ergaben Recherchen von Energydesk Greenpeace basierend auf Analysen des Medienunternehmens Bloomberg.

Erst letztes Jahr veröffentlichte Papst Franziskus seine Enzyklika „Laudato Si“. Darin äußerte er sich unter anderem gegen die profitorientierte Ausbeutung der Schöpfung Gottes. Er rief dazu auf, genügsam und fürsorglich mit der Umwelt umzugehen.

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Papst Franziskus spricht sich für den Umweltschutz aus – hinter seinem Rücken fördert die Vatikanbank fossile Brennstoffe.  Foto: picture alliance/ZUMA Press

Sir Michael Hintze ist neben seinem Posten im Aufsichtsrat der Vatikanbank auch Hauptgeschäftsführer eines Hedgefonds auf den Cayman Inseln. In dem Fonds befinden sich Wertpapiere in Höhe von umgerechnet 1,5 Millionen Euro der großen Fracking-Konzerne Devon Energy und Anadarko Petroleum. 2012 veröffentlichte die britische Zeitung „The Guardian“ E-Mails, die zeigten, dass Hintze in die „Global Warming Policy“-Stiftung investiert. Diese steht dem Klimawandel skeptisch gegenüber. Auf die Enzyklika von Papst Franziskus reagierte die Stiftung empört.

Jean-Baptiste de Franssu, der Präsident des Aufsichtsrates, unterstützt, laut Energydesk, unter anderem den Carmignac Gestion Fonds. Der Fonds hält Wertpapiere von Öl- und Gasfirmen in Höhe von hunderten Millionen Euro. Darunter Anadarko Petroleum, Shell und Exxon Mobil.

Die Vatikanbank, Istituto per le Opere di Religione, ist ursprünglich zuständig für den Schutz und die Verwaltung des Vermögens des Heiligen Stuhls und ist somit der Katholischen Kirche untergestellt. Damit sollten auch die Interessen des Papstes vertreten werden, fordert 350.org. Die Umweltschutzorganisation setzt sich dafür ein, dass die Vatikanbank die Öl- und Gasindustrie nicht weiter finanziell unterstützt.

Schon in der Vergangenheit hatte die Vatikanbank für Skandale gesorgt: Unter anderem wurde ihnen Geldwäsche und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Damals reagierte der Vatikan mit Neustrukturierungen und einem Gesetz gegen Geldwäsche. Zu den jüngsten Enthüllungen von Energydesk Greenpeace wollten weder der Aufsichtsrat noch die Vatikanbank Stellung beziehen.

Anica Beuerbach

Rana Plaza 19.Jul 2016

Der Besitzer der eingestürzten Fabrik in Bangladesch wird wegen Mordes angeklagt

1127 Menschen starben beim Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch. Nun müssen sich 38 Angeklagte für die Katastrophe verantworten. Ihnen droht die Todesstrafe.

Die Textilfabrik Rana Plaza stand auf sumpfigem Untergrund. Acht Stockwerke türmte sich das Gebäude in die Höhe. Der Fabrikbesitzer, Sohel Rana, hatte immer wieder aufgestockt – illegal und offenbar ohne sich groß um Sicherheitsvorkehrungen zu scheren. Mehrere Textilfirmen, Geschäfte und eine Bank zogen in das Gebäude ein. Am 24. April 2013 gab Sohel Ranas wackelige Konstruktion aus Stahl und Beton nach. Innerhalb von 90 Sekunden stürzte seine Fabrik ein und begrub über 3000 Menschen in ihren Trümmern. 1127 Menschen starben, 2438 wurden verletzt. 

Nun, gut drei Jahre später, sind Sohel Rana und 37 andere Beteiligte wegen Mordes angeklagt worden. Auch gegen Ranas Eltern läuft die Klage, weil ihnen das Gebäude gemeinsam mit ihrem Sohn gehörte. Sollten die 38 Angeklagten verurteilt werden, droht ihnen die Todesstrafe.

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Zum dritten Jahrestag der Katastrophe gedenken Angehörige den getöteten Fabrikarbeitern. Foto: picture alliance/NurPhoto

Warum das Gericht in Bangladesch sie wegen Mordes und nicht wegen fahrlässiger Tötung anklagte, könnte daran liegen, dass die Schäden am Gebäude bereits bekannt waren. Am Vortag des Unfalls waren bereits Risse in der Fassade bemerkt worden. Die Polizei sperrte die Fabrik ab, doch die Betreiber mehrer Textilfirmen zwangen ihre Näherinnen und Näher, ihre Arbeit fortzusetzen. Nur deshalb befanden sich zum Einsturzzeitpunkt über 3000 Menschen im Gebäude.

Der Unfall warf ein Schlaglicht auf die Missstände einer ganzen Textilindustrie. Denn mindestens 28 westliche Unternehmen ließen in Rana Plaza ihre Kleidung nähen: Mango, KiK, C&A oder Adler Modemärkte – Firmen, die zusammen einen Jahresumsatz von mehr als 20 Milliarden Dollar erwirtschaften. Sie profitierten davon, dass es in Bangladesch Fabriken gibt, in denen Näher unter miserablen Arbeitsbedingungen arbeiten, für einen Mindestlohn von 28 Euro im Monat.

Nach der Katastrophe von Rana Plaza war es in Bangladesch zu großen Protesten gekommen. Hunderttausende Textilarbeiter gingen auf die Straße. Sie forderten die Hinrichtung derjenigen, die für den Tod ihrer Kollegen verantwortlich waren. Auch deshalb seien Sohel Rana und die 37 anderen nun wegen Mordes angeklagt worden, sagte einer der Verteidiger, Masum Iqbal, „um die Öffentlichkeit zu beruhigen“. Seine Mandanten plädieren auf nicht schuldig. Sie sagen, dass sie den Tod der Fabrikarbeiter nicht gewollt hätten.

Julia Huber

Wissen, wie es besser geht: In unserer neuen Textilfibel erfahren Sie alles rund ums Thema Textilproduktion. Wir nehmen globale Zusammenhänge unter die Lupe, stellen Rücknahmekonzepte auf den Prüfstand und machen Öko-Siegel lesbar. 

Massentierhaltung 03.Feb 2015

Arme Schweine

Eine neue Untersuchung des niederländische Schweine-Innovationszentrum Sterksel lässt erahnen, wie sehr Schweine in der Massentierhaltung leiden. Denn sie empfinden Empathie, teilen Leid und Freude.

Für das Experiment teilten die Forscher des Schweine-Innovationszentrums der Wageninger Universität ihre Versuchstiere in Sechsergruppen auf. Zwei Schweine aus der Gruppe lernten, mit Musik Gutes zu verbinden: Bei Bach-Klängen durften sie ins Schweineparadies – massig Stroh, Artgenossen zum Spielen und neun versteckte Schokorosinen warteten dort auf sie. Zwei Schweine in der Gruppe wurden darauf konditioniert, mit der Musik Einsamkeit zu verbinden: Sie wurden alleine in ein enges, kahles Zimmer geschickt. Der Rest der Gruppe blieb musikalisch unvorbelastet. Die Erkenntnis: Jene Schweine, die nicht wussten, was die Musik zu bedeuten hat, ließen sich von ihren Artgenossen anstecken. Sie zeigten Mitgefühl: Mit den glücklichen Schweinen spielten sie, mit den ängstlichen litten sie, urinierten, quiekten vor Angst.

Die Ergebnisse dieser Studie seien ein weiterer Grund, Schweine besser zu behandeln, sagt der Wiener Tierarzt Johannes Baumgartner der Zeitung „Die Welt“ in einem Interview. Der Universitätsprofessor studiert das Verhalten von Schweinen. Seit 20 Jahren ist er in den Massenställen Europas unterwegs. Schweine reagierten oft ähnlich wie Menschen, sie hätten einen Familiensinn und würden Gefühle wie Macht, Fürsorglichkeit, Gier, Eifersucht und Angst kennen, sagt der Tierarzt.

Dennoch werden rund 28 Millionen Schweine als Schlachttiere in deutschen Ställen gehalten – die Bedürfnisse der Tiere spielen dabei selten eine Rolle. Baumgartner weiß, dass sich Schweine erkennen, aber nur in einer Gruppe von höchstens 50 Tieren. Deshalb seien Mastbetriebe mit 500 Tieren so schlimm, sagt Baumgartner. Fast die Hälfte der deutschen Mastschweine lebt in einem Stall mit 1000 bis über 5000 Tieren.

Baumgartner wagt keine Prognose, ob und wann sich die Haltungsbedingungen für Schweine verbessern werden. Zwar habe er Hoffnung, dass das Leben eines deutschen Fabrikschweins in Zukunft erträglicher werden könnte. Er ist aber wenig optimistisch, dass die Zeiten der Hausschlachtung wiederkehren.

Jana Sepehr