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Greenpeace Magazin Ausgabe 2.17

Neustart in Indien

Text: Wolfgang Hassenstein

Auf dem Subkontinent macht ein Solar- und Windkraftboom alle Kohlepläne obsolet

Noch vor Kurzem galt Indien als nächster großer Klima-Problemfall. Die mehr als 1,2 Milliarden Einwohner des Landes streben bessere Lebensverhältnisse an, und um den rasant steigenden Energiebedarf zu decken, waren mehrere Mega-Kohlekraftwerke geplant. Klimaschutz, ja bitte, hieß es aus Neu-Delhi stets – aber erst mal in den reichen Ländern.

Doch plötzlich ist alles anders: In einem Zehnjahres-Energieplan taxiert die Regierung den Anteil regenerativer Stromquellen auf 57 Prozent im Jahr 2027 – eine überraschend klare Steigerung gegenüber dem 40-Prozent-Ziel für 2030, das Indien zum Klimagipfel in Paris mitgebracht hatte. Der Grund: Die Preise für Solar- und Windanlagen sind so gefallen, dass die Investitionen explodieren. 19 Milliarden Euro will Japans Softbank-Konzern angesichts „fantastischer“ Bedingungen in Projekte stecken. Der indische Rohstoffriese Adani eröffnete im Süden des Landes bereits eine 648-Megawatt-Solaranlage, die größte der Welt.

Zwar plant derselbe Konzern zugleich eine Kohlemine in Australien, auch sie als weltgrößte. Doch ob sie noch genügend Abnehmer finden wird, ist fraglich: Laut dem Energieplan braucht Indien vorerst keine neuen Kohlemeiler.

„Die Dinge ändern sich schneller, als wir je gedacht hätten“, kommentiert Niklas Höhne vom Projekt Climate Action Tracker. „Deshalb gebe ich das Zwei-Grad-Ziel noch nicht auf – und auch nicht das 1,5-Grad-Ziel.“