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Greenpeace Magazin Ausgabe 3.15

Private Seenotretter für Flüchtlinge

Text: Anke Lübbert

Harald Höppner will nicht länger tatenlos zuschauen, wie Menschen im Mittelmeer ertrinken. Deshalb hat der 41-Jährige zusammen mit Freunden aus seiner Heimatregion Barnim in Brandenburg im Dezember vergangenen Jahres kurzentschlossen ein Schiff gekauft. Viele Helfer bauten den 21 Meter langen Kutter aus Holland um. Ende März wurde die MS Sea Watch in Hamburg-Finkenwerder getauft. 

Das Schiff soll „eine schwimmende Telefonzelle mit Erste-Hilfe-Koffer sein“, sagte Höppner bei der improvisierten Schiffstaufe, zu der Mitinitiatoren und Partner von ähnlichen Projekten wie etwa dem Aktivisten-Notruftelefon für Schiffe „Watch the Med“ an die Elbe gekommen sind.

In diesen Apriltagen macht das Schiff die Leinen los, um ins Einsatzgebiet aufzubrechen. An Bord befinden sich 1000 Schwimmwesten, 50 SOS-Ringe und aufblasbare Rettungsinseln für insgesamt 500 Personen.  Sie sollen die Flüchtlinge am Leben halten, bis professionelle Retter eintreffen. 

Mit Schiffen hatte Höppner bisher nichts zu tun, ein Aktivist ist er auch nicht. „Ich bin ein ganz normaler Mann, ein Familienvater“, sagt der Inhaber eines Berliner Textil- und Möbelladens. Einer, der sein privates Geld in eine Rettungskampagne steckt, für die, so sieht er es, eigentlich die EU verantwortlich wäre. „Ich will nicht, dass einer sterben muss, weil er eine Grenze übertreten will“, sagt Höppner, der den Fall der Mauer als Jugendlicher erlebte. Er findet es ungerecht, dass Flüchtlinge keine Chance haben, auf legalem Wege nach Europa zu gelangen und ihr Recht auf Asyl in Anspruch zu nehmen, weil es jetzt eine Mauer um Europa gebe. Vergangenes Jahr sind mindestens 3000 Menschen im Mittelmeer ertrunken.

Ab Mai will die Crew der MS Sea Watch im Seegebiet zwischen Malta und Libyen unterwegs sein. Die Initiatoren hoffen, dass sich auch andere Menschen für zivile Seenotrettungen im Mittelmeer engagieren. Bewährt sich das Projekt, wollen sie eine Crowdfunding-Kampagne starten, um das Schiff zu finanzieren – und zwar so lange, wie es notwendig ist.