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Greenpeace Magazin Ausgabe 1.16

Richtungswechsel für die Lehre

Lisa Großmann, 28, Berlin
„Frau Großmann, wenn ich Sie sehe, denke ich an Revolution.“ So reagiert der Dekan der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität in Berlin, wenn er Lisa Großmann auf dem Gang des Institutes trifft. Der Grund: Sie will die Volkswirtschaftslehre umkrempeln. „Ich wollte begreifen, wie Wirtschaft funktioniert“, sagt Großmann. Doch die VWL blieb ihr die Antwort schuldig. „Ich musste auf andere Disziplinen ausweichen, um etwa die Eurokrise tiefer zu verstehen.“ In ihren Augen versteckt sich die Lehre hinter Formeln und Abstraktionen vor drängenden Themen wie Prekarisierung, Geschlechterungleichheit oder Umweltproblemen. Die würden aus den Rechnungen einfach ausgeklammert. Mit dem Netzwerk Plurale Ökonomik veranstaltet Großmann darum Tutorien und Seminare, in denen an einer realitätsnäheren Lehre gearbeitet wird. Der Kampf gegen etablierte Strukturen ist zäh: „Man fühlt sich wie in einer Gummizelle. Du hüpfst, du schreist, aber nichts passiert.“ Trotzdem macht sie auch nach  ihrem Abschluss weiter. Den vermeintlichen Experten will sie nicht das Feld überlassen. Sie glaubt: „Wir müssen endlich alle über Wirtschaft sprechen.“
plurale-oekonomik.de