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Scha­fe­ka­len­der 2019

Wo sich Models weder um Frisur noch Figur scheren – hinter den Kulissen unserer Kalenderproduktion

Und jetzt alle: „Sheeeeep!“ Beim Solarshooting muss man die Fotomodelle genau dort, wo das natürliche Spotlight ist, zum Posieren motivieren.
Und jetzt alle: „Sheeeeep!“ Beim Solarshooting muss man die Fotomodelle genau dort, wo das natürliche Spotlight ist, zum Posieren motivieren.
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Scha­fe­ka­len­der 2019

Wo sich Models weder um Frisur noch Figur scheren – hinter den Kulissen unserer Kalenderproduktion

Und jetzt alle: „Sheeeeep!“ Beim Solarshooting muss man die Fotomodelle genau dort, wo das natürliche Spotlight ist, zum Posieren motivieren.
Und jetzt alle: „Sheeeeep!“ Beim Solarshooting muss man die Fotomodelle genau dort, wo das natürliche Spotlight ist, zum Posieren motivieren.

Jedes Jahr produziert das Greenpeace Magazin Warenhaus mit renommierten Fotografen einen Kalender mit Models aus Flora und Fauna. Nachdem 2018 Hühner die Kalenderblätter zierten, ist die Wahl für 2019 auf Schafe gefallen. Gehörnt, gelockt, gescheckt - die Schafe sehen so unterschiedlich aus, wie sie sich beim Shooting gebärden.

Die Entscheidung zwischen Schäferstündchen und Shooting fällt Sir Wallace leicht. Mag ja sein, dass das Fotozelt hergerichtet ist, das Licht endlich stimmt und der Hintergrund mühsam präpariert wurde. Aber ein Sprung über den hüfthohen Zaun, der das provisorische Studio umgibt, und Sir Wallace ist auf dem Weg Richtung Nachbarkoppel. Ab durch den nächsten Zaun und rein in die Herde. Dieses Vergnügen hat der anderthalb Jahre alte Jakobsschafbock sonst nur zur Paarungszeit. Bevor sich das Team um den Münchner Fotografen Manfred Jarisch einen Wolf läuft, ruft es lieber Hütehündin Leni zu Hilfe. „Sie ist da sehr fit, sie kann gut Einzeltiere rausfangen, ohne sie zu verletzen“, sagt Barbara Gerstner, deren Familie im Nebenerwerb die Bio-Arche Gerstner südlich von Nürnberg betreibt und sich dort unter ande­rem um bedrohte Schafrassen kümmert.

Bock auf Block: Damit hinterher die Schafsrassen nicht durcheinandergeraten, gibt es Namensschilder.
Bock auf Block: Damit hinterher die Schafsrassen nicht durcheinandergeraten, gibt es Namensschilder.
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Schwupps, ist Sir Wallace aus der Herde und an ein Gebüsch getrieben, wo Gerstner ihn in Empfang nimmt. Anders als das Jakobsschaf sind viele Rassen mittlerweile gefährdet, weil Schafe hierzulande viel weniger gefragt sind als früher – sei es zur Landschaftspflege oder wegen ihrer Wolle, Milch oder ihres Fleischs. Gab es vor hundert Jahren in Deutschland noch rund zehn Millionen Schafe, so sind es heute nur noch anderthalb. „Schwierig und anspruchsvoll“ nennt Jarisch die wollenen Modelle, die er für den Kalender des Greenpeace Magazins fotografiert hat.

Für sie ist er längs durchs Land gereist, vom Altmühltaler Schnuckenhof im bayerischen Berching bis in den Norden zur Arche Warder nach Schleswig-Holstein. Die animalischen Fotomodelle sind eine Klasse für sich. Oder, wie Fotoassistent Hubert von Hayek es ausdrückt: „Am Anfang weiß man gar nicht, ob es überhaupt klappen wird.“

Männer an die Herde: Hier fressen die Kalendermodels dem Fotografen Manfred Jarisch (links) und seinem Assistenten Hubert von Hayek aus der Hand.
Männer an die Herde: Hier fressen die Kalendermodels dem Fotografen Manfred Jarisch (links) und seinem Assistenten Hubert von Hayek aus der Hand.
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In dieser Hinsicht unterschieden sich die Schafe nicht sonderlich von den Hühnern, die Markus Burke gemeinsam mit von Hayek für den Vorjahreskalender des Greenpeace Magazins fotografiert hatte. Die allerdings, erinnert sich von Hayek, hätten immerhin stillgehalten, sobald sie einmal auf der Stange saßen. Die eigenwilligen Models sind aber nicht die einzige Herausforderung beim Shooting für den Kalender „So schöne Schafe“. Bevor abgelichtet werden kann, muss zuerst die Beleuchtung stimmen. Von Hayek, stellt sich schnell heraus, ist trotz Vollbart als Testmodel nicht haarig genug.

Zum Glück stellt ein Nachbar einen Teddybären als Lichtdouble zur Verfügung. Ein paar Probeaufnahmen später ist klar: Blitzlicht ist für Fell unvorteilhaft. Jarisch und von Hayek verzichten deshalb komplett auf Kunstlicht – es wird ein Solarshooting. Das Lichtzelt, über einem Pflock errichtet, wird pro Schaf für rund eine Stunde zum Studio; mit Stoff, Gaze, Molton wird das Tageslicht fokussiert, geführt, weichgezeichnet. Dann gilt es, die Böcke und Zibben, wie die weiblichen Schafe heißen, genau dort zum Posieren zu bewegen, wo das Spotlight auf sie wartet.

Sie sind nicht sie, wenn sie hungrig sind: Mit Futter werden die Models bei Laune gehalten.
Sie sind nicht sie, wenn sie hungrig sind: Mit Futter werden die Models bei Laune gehalten.
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„Man muss Ruhe ausstrahlen, aber auch schnell sein“, sagt Jarisch – und den einen genau richtigen Augenblick erwischen. Die Böcke, diese Erfahrung machen Jarisch und von Hayek schnell, gebärden sich oft so ungestüm wie Sir Wallace, die Damen sind meist geduldiger. Besonders Kevin. Trotz weiblichen Geschlechts trägt das Rotkopfschaf diesen Namen – als Diagnose? Kevin sei „nicht ganz so plietsch“, sagt die Tierpflegerin. Aber nichts da! Kevin entlarvt das stupide Namensstereotyp und stellt sich als äußerst kooperatives Model heraus, erzählt Lisa Iwon von der Arche Warder, dem Tierpark für seltene Nutztierrassen. Bei den Models, die nervöse Allüren an den Tag legen, verlässt das Fototeam schon mal das Zelt. Dann können sich die Tiere in aller Ruhe mit der Umgebung anfreunden.

Die ist warm, wegen des Lichtkonzepts kommt schwer Luft herein. Mit Hintern und Hörnern wischen und schaben die Schafe durchs Studio und über die großen Pappen, die als Bildhintergrund aufgestellt sind. In den Umbaupausen müssen die deshalb immer wieder gesäubert und neu gestrichen werden. Dass für sie alles auf Hochglanz poliert wird, beeindruckt die Schafe nicht. „Die meisten haben ein Oeuvre hinter­las­sen“, sagt von Hayek. Aber zum Glück auch einen Haufen toller Bilder.

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Text: Teresa Kraft; Fotos: Manfred Jarisch; Lisa Iwon

 

 

 

 

 

 

 

 

Kalender 2019 „So schöne Schafe“
28 Aufnahmen wolliger Schönheiten wie Houtlandschaf und Weißkopf; ausgezeichnet mit dem Gregor Publisher Calendar Award 2019 „Silber“. Format: 23 x 33 cm (B x H) / Material: 100% Recyclingpapier / ISBN: 978-3-944222-09-7/ Art.-Nr. 6030 / 29,50 Euro